Fußball

Schweigemarsch für getöteten Referee 12.000 Leute setzen ein Zeichen

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Nahe des Vereinshauses des SC Buitenboys wird mit Blumen des getöteten Richard Nieuwenhuizen gedacht.

dpa

Eine Woche nach der Gewalttat im niederländischen Amateurfußball stößt ein Protestmarsch auf überwältigende Resonanz. Angeführt wird er von den Angehörigen des zu Tode geprügelten Linienrichters. Auch der Profifußball schweigt kollektiv: "Dies darf nie wieder geschehen."

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Der Linienrichter war am 3. Dezember seinen schweren Verletzungen erlegen.

(Foto: Reuters)

Rund 12.000 Niederländer haben in Almere an einem Schweigemarsch für den getöteten Linienrichter Richard Nieuwenhuizen teilgenommen und gegen die Gewalttat demonstriert. Im strömenden Regen legte die Menge knapp drei Kilometer vom örtlichen Stadion zum Sportplatz der Buitenboys zurück, wo Nieuwenhuizen am vergangenen Wochenende durch Jugendspieler des SV Nieuw-Sloten Amsterdam zusammengeschlagen worden war. An den Folgen war der 41 Jahre alte Familienvater einen Tag später gestorben.

Viele Teilnehmer des Marsches trugen weiß-blaue Trikots, die Farben des SC Buitenboys, sowie Fackeln, Lampen und Laternen. Unterwegs wurden 4200 rote Rosen verteilt, die am Ort des Angriffs niedergelegt wurden. Nieuwenhuizens Sohn Alain hielt eine bewegende Rede. "Lieber Papa, wir werden dich vermissen", sagte er unter Tränen. "Eins werden wir nicht vergessen: In den Niederlanden hat sinnlose Gewalt nie das letzte Wort." Die Frau des Opfers und seine drei Söhne führten den Zug an. Der Leichnam von Nieuwenhuizen ist von den Behörden zur Beerdigung freigegeben. Am Montag wird die Einäscherung stattfinden.

Zu den Teilnehmern des Schweigemarsches gehörten Vertreter der Regierung, die Bürgermeister von Almere und Amsterdam und tausende Familien mit ihren Kindern. Der SC Buitenboys hatte gemeinsam mit der Familie zu dem stillen Protest aufgerufen. Er wurde live im Fernsehen und Internet übertragen.

Der Vorsitzende des niederländischen Fußballbundes KNVB, Michael van Praag, nannte die Gewalttat ein "schwarzes Kapitel" nicht nur für den Sport. "Wir sind ohnmächtig, wütend und entsetzt. Es ist unvorstellbar, dass so etwas auf einem Fußballplatz geschehen kann. Dies darf nie wieder geschehen".

Schweigeminuten nicht genug?

Der KNVB hatte für das Wochenende alle rund 33.000 Amateurspiele abgesagt und die Clubs zu Aktionen gegen Gewalt und Aggression aufgerufen. Die Vereine hatten ihre Clubhäuser für Gespräche und Gedenkfeiern geöffnet, die Profipartien begannen mit Schweigeminuten.

Es gab aber auch Kritik am KNVB. Auch die Profispiele hätten abgesagt werden müssen, sagten der Coach von Feyenoord Rotterdam, Ronald Koeman, und Trainer Dick Advocaat vom PSV Eindhoven. Der KNVB wies das zurück. "Dies ist ein viel stärkeres Signal, als wenn wir alle mit einer Tüte Chips einen Film gucken", sagte KNVB-Direktor Bert van Oostveen im Fernsehen.

Krisengipfel und Spielpause

Die für den  Sport zuständige Ministerin Edith Schippers kündigte für Dienstag ein Gipfeltreffen über Gewalt im Fußball an. An der Konferenz werden vier Minister, darunter der Integrations- und der Justizminister, die Bürgermeister der Fußballstädte Amsterdam und Eindhoven, die Polizei, der KNVB und der niederländische Olympische Sportbund NOCNSF teilnehmen.

Der SV Nieuw-Sloten, dem die jugendlichen Täter angehören, hat  unterdessen beschlossen, den Spielbetrieb für zwei Wochen  stillzulegen. Erst am 15./16. Dezember will der Verein wieder  antreten, sagte Vereinssekretär Wim Snoek.

Quelle: n-tv.de, dpa/sid

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