Fußball

DFB-Comeback nach zwei Jahren Aber wo soll Thomas Müller denn spielen?

Bundestrainer Joachim Löw hat Thomas Müller offenbar das Zeichen zur Rückkehr in die deutsche Fußball-Nationalmannschaft gegeben. Das ist sportlich natürlich eine sehr nachvollziehbare Entscheidung, die aber auch zum Problem werden kann.

Wenn Joachim Löw auf sein Luxusproblem angesprochen wird, dann gerät er ins Schwärmen. Joshua Kimmich, Leon Goretzka, İlkay Gündoğan und Toni Kroos - ja, das ist schon klasse, betont der Bundestrainer. Und er sieht kein Problem darin, dass es für die vier herausragenden Fußballer nur drei Plätze in seinem System gibt. Das besteht im zentralen Mittelfeld meistens aus einem defensiveren Part, in der Regel ist das Kimmich. Dort ist der ewig gallige Antreiber unverzichtbar, eine Rückversetzung zum Rechtsverteidiger ist zwar eine charmante Idee (dort gibt es durchaus Bedarf), aber nicht zielführend für den Erfolg des DFB-Teams.

Vor dem defensiven Kimmich gibt es zwei offensiver spielende Akteure. Da fällt die Wahl dann entweder auf den dynamischen Power-Tower Goretzka - der allerdings wohl mindestens dem EM-Aufgalopp wegen eines Muskelfaserrisses verpassen wird - oder auf die eher strategischen Kroos und Gündoğan. Auch Kai Havertz wäre eine Option, zuletzt bekam er seine Chancen aber auf den offensiven Außenbahnen oder auch als Sturmspitze.

Ja, das ist schon reichlich Luxus, den Löw da besitzt. Mehr als auf jeder anderen Position in der Fußball-Nationalmannschaft. Nimmt man mal die Torhüter raus. Dort ist die Dichte an Weltklasse mit Manuel Neuer und Marc-André ter Stegen sogar noch ein wenig größer. Und mit Bernd Leno und Kevin Trapp als Optionen dahinter ebenfalls noch prächtig. Nun könnte sich der Löw'sche Luxus bei der anstehenden EM, seiner letzten Mission für den DFB, noch ein wenig vergrößern. Denn wie die "Bild" nun berichtet, hat der Bundestrainer Thomas Müller signalisiert, dass er sich nach dem Saisonende mit dem FC Bayern für weitere Aufgaben bereithalten soll. Bedeutet also: Rückkehr ins DFB-Team nach mehr als zwei Jahren.

Der DFB ist nicht der FC Bayern

Sportlich ist die Entscheidung natürlich völlig unstrittig. Müller spielt seit mehr als anderthalb Jahren herausragend. Das hängt ganz eng mit Trainer Hansi Flick zusammen. Der hatte ihn nach zermürbenden Jahren und der Notnagel-Degradierung durch Niko Kovac wieder zum ungreifbaren Müllerthomas gemacht. Er hatte ihm wieder die Rolle anvertraut, die er am besten kann: Flick hatte Müller den Raum hinter Robert Lewandowski anvertraut. Ein Raum für spezielle Aufgaben. Spezielle Aufgaben, die nur ein Thomas Müller mit seinem eigentlich nicht zu definierenden Spiel lösen kann. 15 Tore und 22 Vorlagen in 44 Pflichtspielen, das ist eine Bilanz, die für die Nationalmannschaft unverzichtbar ist.

Aber ist auch Thomas Müller mit seiner Rolle als Thomas Müller für die Nationalmannschaft unverzichtbar? Denn tatsächlich funktioniert er so herausragend nur, wenn man ihn so spielen lässt wie es die Münchner tun lassen. Diese Position aber gibt es im System Löw nicht. Und das könnte durchaus ein Problem werden. Es ist weder so dynamisch wie Goretzka, noch so strategisch wie Kroos und Gündoğan. Er ist die freigeistige Schleichkatze, immer unterwegs, taktisch mit seinen Stärken nicht in ein festes Korsett zu zwängen. Was also bleibt? Klar, die offensiven Außenbahnen (rechts) oder das Sturmzentrum. Beide Positionen hat der 31-Jährige beim FC Bayern schon gespielt, allerdings jeweils mit überschaubarem Erfolg.

Rechts (links kommt nicht infrage) ist der Platz ohnehin durch seinen Münchner Teamkollegen Serge Gnabry besetzt, der ja von Löw eine Einsatzgarantie ausgesprochen bekam. Niemand sonst im Kader außer Neuer kann sich seines Platzes so sicher sein, wie der Flügelstürmer. Im Sturmzentrum ist die Lage dagegen etwas anders. Dort galt Timo Werner lange als Mann der Wahl. Doch kämpft der beim FC Chelsea mit Form und vor allem mit Konstanz. Das hatte auch Folgen für das DFB-Team, dort verzichtet Löw zuletzt auf Startelfeinsätze seines Stürmers.

Bei der EM wird er das allerdings kaum tun, denn eine richtig gute Alternative gibt es nicht. Die ist auch Müller nicht. Kevin Volland wäre eine, aber der spielt weiterhin keine Rolle, trotz einer wieder starken Saison, mittlerweile bei der AS Monaco. Auch der immer formstärkere Dortmunder Kapitän Marco Reus fühlt sich als Hängende Spitze oder Linksaußen wohler. Dort ist die Konkurrenz ohnehin groß: Leroy Sané ist gesetzt, dahinter bieten sich neben Reus auch die zuletzt nicht berücksichtigten Julian Draxler und Julian Brandt an.

Führungs- und Lautstärke von "Radio Müller"

Was indes für Müller spricht, für seine Unverzichtbarkeit im DFB-Team: Er bringt Führungs- und vor allem Lautstärke mit. Zwei Dinge die seit längerer Zeit vom Bundestrainer vermisst werden. Das Schweigen der Männer war im vergangenen Jahr zum großen Thema geworden. "Radio Müller" wäre die perfekte Lösung für dieses Problem. Sein 100. und bislang letztes Länderspiel (38 Tore) bestritt der 31-Jährige übrigens am 19. November 2018 in der Nations League gegen die Niederlande (2:2), ehe er im März 2019 gemeinsam mit Jérôme Boateng und Mats Hummels ausgebootet wurde. Damals wurde Müller für Gnabry eingewechselt, spielte Rechtsaußen - und das ohne erinnerungswürdigen Arbeitsnachweis.

Doch das ist nicht der Maßstab. Denn Müller kann als Rumtreiber noch eine Sache besser als vermutlich jeder andere Spieler in der Nationalmannschaft: Er kann ein gnadenlos effektives Pressing anleiten. Beim FC Bayern orchestriert er seit Monaten beeindruckend. Tja, bleibt nur noch die Frage: Wo soll er denn hin, der Thomas Müller?

Quelle: ntv.de

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