Fußball

Kaben verteidigt Kroos-Interview "Ach du liebe Güte, was ist denn jetzt los?"

Das Interview mit Toni Kroos rückt ZDF-Journalist Nils Kaben ins Rampenlicht. Seine Fragen gefallen dem fünfmaligen Champions-League-Sieger so wenig, dass er das Gespräch abbricht. Kaben erklärt nun seine Sicht auf den Eklat vom Samstagabend.

ZDF-Journalist Nils Kaben hat mit Unverständnis auf die Reaktion von Toni Kroos im gemeinsamen Interview reagiert. "Ich habe die Frage auch gar nicht als Kritik empfunden, oder als negativ konnotiert. Das als Anlass zu nehmen, sie als 'Scheißfrage' zu bezeichnen und zu gehen …, ich weiß nicht", sagte er dem "Spiegel". Der frühere Nationalspieler von Real Madrid hatte das von Kaben geführte Interview nach dem Gewinn der Champions League gegen den FC Liverpool (1:0) abgebrochen.

"Mein erster Gedanke war: Ach du liebe Güte, was ist denn jetzt los? Habe ich eine blöde Bemerkung gemacht, die rechtfertigt, dass jemand so heftig reagiert?", so Kaben. "Aber ich musste dann erst einmal weitermachen, da ich noch zwei andere Spieler zu interviewen hatte, David Alaba und Reals Torhüter Thibaut Courtois." Doch er sei noch immer der Meinung, keine unangemessene Frage gestellt zu haben und habe sich auch bei seinen Kollegen rückversichert.

Gleichzeitig sagte Kaben auch: "Die Frage kann ich besser formulieren. Ganz klar. Aber jeder hatte ja das Spiel gesehen." Seiner Meinung nach war es gerechtfertigt, dass er gefragt hatte, ob Kroos überrascht gewesen sei, weil Real so in Bedrängnis geraten war. "Kroos hätte die Frage auch als Vorlage dafür nutzen können, darauf hinzuweisen, dass Real sich schon durch den ganzen Wettbewerb immer in schwierigen Situationen gerettet hatte. Dass das nun einmal die Stärke von Real ist."

Kaben findet seine Frage berechtigt

Der 32-Jährige hatte Kaben vorgeworfen, "90 Minuten Zeit" gehabt und stattdessen "Scheißfragen" gestellt zu haben. Kaben erklärte, wie sein Job während eines Spiels abläuft: "Ich sitze während des Spiels hinter dem Tor und bereite mich natürlich auf alle Eventualitäten vor. Aber wenn es dann losgeht, weiß ich gar nicht, mit wem ich gleich sprechen werde. Ob die Fragen auf Englisch, Deutsch oder Spanisch gestellt werden. Ob mir ein Gewinner oder ein Verlierer vor die Nase läuft. Außerdem kann sich ein Spiel kurz vor Ende drehen." Von daher überlege er sich die Fragen "erst in den letzten Minuten vor dem Interview".

Die Aufregung bei Twitter überrasche ihn derweil "schon lange nicht mehr. Da achten ja regelmäßig Menschen nicht ganz so penibel auf ihren Tonfall und auf angemessene Ausdrucksweise". Trotzdem habe er sich Gedanken gemacht, ob er dazu beigetragen habe, dass das Interview "blöd ausging": "Und wir sind ganz deutlich zu dem Schluss gekommen, dass man sich als Spieler so nicht benehmen sollte. Da hätte ich mich als Journalist schon schwer danebenbenehmen müssen, damit der Interview-Gast einfach geht." Private Fragen, die nicht aufs Spielfeld gehörten, seien etwa ein Grund. "Aber eine sachliche Frage zum Spielverlauf so ins Persönliche zu kippen, geht nicht."

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Er kenne Kroos anders, sagte Kaben. Spieler könnten zudem sicher sein, dass er respektvoll mit ihren Leistungen umgehe, gleichzeitig forderte aber auch er Respekt für seinen Job ein. Die Erwartungen an die Medien, nur die Fans zu repräsentieren, sei "nicht unsere Aufgabe". Dass Sportler durch Social Media selbst die Chance hätten, ihre Sicht der Dinge mitzuteilen, mache es nicht einfacher. "Unser Job ist es zwar auch nicht, immerzu in den schönsten Wein Wasser zu kippen. Doch wenn der Spielverlauf so deutlich ist wie zwischen Real und Liverpool, dann darf man das in einer Frage ansprechen", machte Kaben deutlich.

Der ZDF-Journalist arbeitet auch in anderen Sportarten, etwa beim Biathlon. Fußballer nähmen eine Sonderrolle ein, stellt er fest. Sie sind "viel mehr nachgefragt", erklärte er. "Dadurch können sie sich quasi aussuchen, mit wem sie wann und worüber reden." Dass sich aufgrund des Interviews am Samstagabend eine Front verhärtet hat, fürchtete Kaben nicht: Ich glaube, dass Toni Kroos und ich drei Sätze darüber wechseln werden, wenn wir uns das nächste Mal begegnen. Und dann ist auch wieder gut."

Quelle: ntv.de, ara

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