Fußball

"Scheißfragen, das ist Wahnsinn" Toni Kroos rastet im ZDF-Interview aus

72fbba432c6d1842d9f7ab2d6249ae4d.jpg

Gewann zum fünften Mal die Champions League: Toni Kroos.

(Foto: REUTERS)

Real Madrid gewinnt im Stade de France gegen den FC Liverpool die Champions League. Für Weltmeister Toni Kroos ist es bereits der fünfte Triumph. Er strahlt vor Glück, ehe er zum Interview kommt. Am ZDF-Mikrofon eskaliert die Lage, Kroos ist kaum noch zu beruhigen.

Als Real Madrid sein Fußball-Märchen zu Ende geschrieben, als das Happy End den Königlichen zum siebten Mal den Henkelpott beschert hatte, da stand Weltmeister Toni Kroos einsam auf dem Rasen und lächelte. Er lächelte ungläubig vor sich hin. Zwar wusste der ehemalige Nationalspieler nur zu gut, wie es sich anfühlt, der König von Europa zu sein, aber dieser fünfte Erfolg, herausgearbeitet gegen Jürgen Klopps FC Liverpool (1:0, Vinicius Junior, 59. Minute) im Finale der Champions League, war etwas ganz Besonderes. Zum ersten Mal war in Paris nun die gesamte Familie dabei. Ein historischer Moment, der den sonst eher kühlen Greifswalder sichtlich bewegte.

Darüber sprach der Mittelfeldmann nur wenige Minuten nach Abpfiff im Interview mit ZDF-Reporter Nils Kaben - ehe die Situation auf dem Feld des großartigen Stade de France emotional komplett eskalierte. "Das muss ganz bestimmt erst mal ein paar Tage sacken. Ich habe diesen Pokal einige Male gewonnen, aber das ist für mich ein ganz besonderer Tag, weil alle meine Kinder (Anmerk. d. Red.: drei) diesmal im Stadion sind." Das Glück währte in diesem Moment nur kurz, denn das Gespräch drehte sich schnell aufs Analytische - und Kroos war fassungslos.

"Weiß direkt, dass du aus Deutschland kommst"

"Du hattest 90 Minuten Zeit, dir vernünftige Fragen zu überlegen, dann stellst du mir zwei so Scheißfragen - das ist Wahnsinn", bellte der 32-Jährige aufgebracht ins Mikrofon. Er war gefragt worden, warum sein Team gegen die furiosen, aber oft nicht zwingenden Reds an diesem Samstagabend, der mit einem wilden Einlass-Chaos begonnen hatte, derart in Bedrängnis geraten war. "Das ist doch nicht überraschend", schimpfte Kroos, "das ist hier das Finale! Ganz schlimm, ganz schlimm, wirklich". Die Kamera hatte schon weggeschwenkt, da war der Streit auf dem Rasen noch immer zu hören: "Du stellst erst zwei negative Fragen. Da weiß man direkt, dass du aus Deutschland kommst." Nach 45 Sekunden brach Kroos das Interview völlig genervt und wütend ab.

Tatsächlich war Madrid in Paris nicht die bessere Mannschaft. Die Königlichen waren sogar klar unterlegen, aber was heißt das schon? Nix. Dieses unglaubliche Team von Real hatte in dieser Spielzeit etwas geschafft und nun vollendet, das ihm niemand zugetraut hatte. Über Paris St. Germain, über den FC Chelsea und Manchester City war es ins Finale eingezogen und hatte dort der Wucht des FC Liverpool standgehalten. Mit einem einzigartigen Heldenfußball, befreit von jeder Innovation. Getrieben von Leidenschaft, Mentalität und dem Selbstverständnis, eben Real Madrid zu sein, ein europäischer Gigant, der allen Abgesängen trotzt.

Gegen alle Abgesänge

Die Mannschaft wird seit Jahren nah an den Abgrund geschrieben, aber abstürzen wollen die alten Helden nicht. Dieses Ensemble ist immer noch und stets in der Lage, eine Partie mit seiner so bemerkenswerten Qualität auf allen Schlüsselpositionen zu entscheiden. Matchwinner an diesem Abend war Torwart Thibaut Courtois, der die Liverpooler mit überragenden Paraden mehrfach verzweifeln ließ. Auch Abwehrchef David Alaba, der im Sommer 2021 nach zwölf Jahren beim FC Bayern zu den Königlichen gewechselt war, hielt furios dagegen und seine Riege hinten zusammen. Dass niemand mehr über seinen legendären Vorgänger Sergio Ramos spricht - was für eine unglaubliche Leistung des Österreichers, der mit seinem Wechsel alles richtig gemacht hat.

Mehr zum Thema

Aber auch Kroos lieferte wieder einmal bemerkenswert ab. Es waren seine vielen kleinen, cleveren Pässe, die seiner Mannschaft den Druck gegen das rote Pressingmonster nahmen. Kroos warf sich auch in jedes Duell und zog gerade in der Schlussphase wichtige Fouls, um den Königlichen Momente des Durchschnaufens zu gönnen. Auch Casemiro als ultrafleißiger Abräumer und Luka Modrić als phasenweise genialer Spielgestalter mit seiner unglaublichen Ruhe am Ball, lieferten den Königlichen wichtige Heldenmomente. Ein Halleluja des Ewigkeits-Trios. Und Karim Benzema? Der derzeit beste Stürmer der Welt? Der ackerte und rannte, glänzte aber nicht. Ein Tor erzielte er zwar, es war allerdings auf eher komplizierte Weise Abseits (wie sie hier nachlesen können).

Für Kroos war es nun eben der fünfte Triumph in der Königsklasse, damit schloss er zu Rekordhalter Cristiano Ronaldo auf. Übrigens hatte er schnell wieder seinen Frieden mit der Situation gemacht, im Interview mit den Kollegen von DAZN war er dann ganz entspannt. ZDF-Experte Per Mertesacker, der mit Kroos 2014 in Brasilien gemeinsam Weltmeister geworden war, äußerte nach seinem Interview Verständnis: "Ich habe es auch schon erlebt, wo mir nach einem positiven Ausgang negative Fragen gestellt wurden." Mertesacker hatte sich während der WM vor acht Jahren nach dem Achtelfinalsieg gegen Algerien verärgert über Fragen geäußert und den im deutschen Fußball inzwischen legendären Satz gesagt: "Ich lege mich jetzt erst mal drei Tage in die Eistonne."

Quelle: ntv.de, tno

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen