Fußball

Triumph über Milan und Trapattoni Als Magdeburg Europa eroberte

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Die Väter des Erfolgs: Heinz Krügel und Jürgen Sparwasser.

(Foto: imago/Horstmüller)

Vor 40 Jahren erlebt Magdeburg ein Fußball-Märchen: Der Underdog kämpft sich bis ins Finale des Europapokals der Pokalsieger vor - und trifft dort auf den großen AC Mailand. Es wird der erste Teil eines legendären Jahres für den DDR-Fußball.

Die Namen des Gegners hätten kaum klangvoller sein können: Gianni Rivera, Romeo Benetti, Karl-Heinz Schnellinger. Trainer war ein gewisser Giovanni Trapattoni - gerade mal 35 Jahre alt. Dennoch setzte sich am 8. Mai 1974 der 1. FC Magdeburg im Pokalsieger-Cup gegen den AC Mailand mit 2:0 durch. In weißen Bademänteln feierten die Spieler in Rotterdam den einzigen Fußball-Europapokaltriumph der DDR.

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Die Kapitäne Manfred Zapf (links) und Gianni Rivera vor dem Anpfiff.

"Wir waren krasser Außenseiter, vor allem aus Sicht der Mailänder", sagt Magdeburgs Stürmer-Legende Jürgen Sparwasser im Rückblick: "Intern war uns aber klar, dass wir uns nicht verstecken brauchten. Immerhin hatten wir im Halbfinale Sporting Lissabon weggeputzt. Außerdem waren einige Stars von Milan wie Schnellinger über ihrem Zenit."

Niersbach: Erfolg "verdient"

Vater des Erfolges war Trainer Heinz Krügel. Der gewiefte Stratege meinte vor dem Erstrundenspiel gegen NAC Breda in Rotterdam zu seinen Spielern: "Schaut Euch das Stadion gut an. Zum Endspiel sind wir wieder hier." Und tatsächlich schafften die Kicker aus der Elbestadt die Rückkehr nach De Kuip.

"Er konnte jemanden mit außergewöhnlichen Methoden gut motivieren. Die Ansprache vor dem Finale war die kürzeste, die ich je erlebt habe", sagt Sparwasser. Gerade mal zehn Minuten redete der 2008 verstorbene Krügel auf seine Schützlinge ein. Fünf davon auf Helmut Gaube. Der Ersatzspieler rückte in die Mannschaft und sollte Milans Superstar Rivera ausschalten. "Das war eine der Entscheidungen, die uns zum Sieg führten", sagt Sparwasser.

Auch DFB-Präsident Wolfgang Niersbach hat beste Erinnerungen an das Spiel. "Der 1. FC Magdeburg hat ein beeindruckendes Spiel gezeigt und völlig verdient gewonnen", schrieb Niersbach in einem Gastbeitrag für die Magdeburger "Volksstimme". Niersbach war damals als Reporter für den Sportinformationsdienst im Einsatz und sah das 1:0 durch ein Eigentor von Enrico Lanzi (43.) und den zweiten Treffer von Mittelfeld-Stratege Wolfgang Seguin aus spitzem Winkel (73.). Nur 4641 Zuschauer verfolgten die Begegnung im Stadion - bis heute Minusrekord für ein Europapokal-Finale.

"Als Ausrede zählen nur Tod und Krankenhaus"

Auch für Schnellinger ging der Sieg in Ordnung. "1973/74 waren wir im Umbruch und hatten auch in der Serie A eine schwierige Saison", erinnert sich der heute 75-Jährige im Fachmagazin "Kicker". Der viermalige WM-Teilnehmer war im Abschiedsmodus und wusste schon vor dem Spiel, dass er zurück nach Deutschland zu Bundesliga-Aufsteiger Tennis Borussia Berlin wechseln würde.

Das wohl Einmalige am Triumph der Magdeburger bis heute ist, dass sämtliche Spieler des Siegers aus einem Bezirk stammten. "Wir treffen uns heute noch einmal im Jahr und feiern drei Tage die dritte Halbzeit", berichtet Sparwasser. Auch zum 40. Jahrestag sehen sich die Helden von Rotterdam mit ihren Frauen in Magdeburg wieder. "Als Ausrede nicht zu kommen, zählen nur Tod und Krankenhaus", sagt der heute in der Nähe von Frankfurt/Main beheimatete Sparwasser.

Bayern zu stark

Ein besonderes Bonbon wurde den Magdeburgern allerdings verwehrt. Eigentlich hätten sie im europäischen Supercup gegen den Landesmeister-Sieger Bayern München antreten müssen, doch das Spiel kam nicht zustande. "Das hatte die Partei so festgelegt. Die dachten, wir hätten keine Chance", sagt Sparwasser. Der Zufall wollte es, dass beide Teams dann doch in der darauf folgenden Saison gegeneinander spielten. Im Achtelfinale des Landesmeister-Cups führte Magdeburg schon 2:0 in München, ehe man 2:3 verlor. "Im Rückspiel haben wir dann dummerweise alles auf eine Karte gesetzt und zu ungeduldig gespielt", erinnert sich Sparwasser. Die Partie ging mit 1:2 verloren und das Aus war besiegelt.

Dass DDR-Teams gegen die BRD auch erfolgreich sein konnten, dafür hatte Sparwasser wenige Monate zuvor persönlich gesorgt. Bei der WM-Endrunde in Westdeutschland war es der gebürtige Halberstädter, der die DDR-Auswahl am 22. Juni im Hamburger Volksparkstadion mit seinem Treffer in der 77. Minute zum 1:0-Sieg führte. Ein Sieg für die Geschichtsbücher und die Krönung des wohl legendärsten Jahrs des DDR-Fußballs.

Quelle: n-tv.de, Nikolaj Stobbe, sid

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