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Ein nicht gegebenes Tor für Aue sorgte am letzten Spieltag der zweiten Eklat - und endete vorm Sportgericht.
Ein nicht gegebenes Tor für Aue sorgte am letzten Spieltag der zweiten Eklat - und endete vorm Sportgericht.(Foto: imago/Jan Huebner)
Donnerstag, 17. Mai 2018

Erzgebirge scheitert vorm DFB: Aue bleibt nur noch die sportliche Rettung

Der "Schiri-Skandal" von Darmstadt ist vorerst vom Tisch. Erzgebirge Aue lässt zwar nichts unversucht, um in der Relegation gegen Karlsruhe nicht antreten zu müssen. Der DFB zeigt jedoch keine Einsicht. Die Veilchen müssen es nun doch auf dem Platz richten.

Über die Politik wollte Hannes Drews im Existenzkampf kein Wort mehr zu viel verlieren. Der "Schiri-Skandal" von Darmstadt, der Einspruch, der Einspruch nach dem Einspruch - all das hilft dem Trainer von Erzgebirge Aue nicht weiter. "Jeder hat gesehen, was in Darmstadt passiert ist. Da machen wir einen Haken hinter", sagte der 36-Jährige. Denn für ihn kann es nur eines geben: Das Relegations-Hinspiel am Freitag (18.15 Uhr) beim Karlsruher SC.

Die Ruhe und den Fokus des Coaches hat der abstiegsbedrohte Zweitligist auch bitter nötig. Denn im Hintergrund gärte immer noch das Unbehagen über die Schiedsrichter-Fehlentscheidungen aus dem letzten Saisonspiel bei Darmstadt 98 (0:1). Am Donnerstagnachmittag wurde am Ende einer mündlichen Verhandlung vor dem Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in der Zentrale in Frankfurt am Main auch der zweite Einspruch der Sachsen gegen die Wertung der Partie abgewiesen.

Weitere Schritte erst nach der Relegation

"Wir würden ihnen gerne helfen, können aber nicht. Wenn wir heute anders entschieden hätten, würde der DFB von der Fifa bestraft. Die Richter des Fußballs sind die Schiedsrichter. Wir sind Richter in zweiter Instanz", sagte Verhandlungsleiter Hans E. Lorenz. Gegen die Entscheidung kann Aue Berufung beim Bundesgericht einlegen. Aue-Präsident Helge Leonhardt teilte jedoch mit, erst nach der Relegation darüber zu entscheiden. "Ich möchte mich mit der Mannschaft auf die Spiele konzentrieren und danach sehen wir weiter", sagte der 59-Jährige.

Der erste Einspruch war am Mittwoch abgelehnt worden, wogegen der Verein umgehend erneut protestierte. Die Chancen der Auer auf Erfolg tendierten am Donnerstag ohnehin gegen Null, es ging ihnen vor allem darum, gehört zu werden. Um den Spagat zwischen grünem Tisch und grünem Rasen zu schaffen, herrschte im Erzgebirge in diesen belebten Tagen Arbeitsteilung. Drews bereitete die Mannschaft akribisch auf das Duell mit dem Drittligisten aus Baden vor, Leonhardt führte den Protest beim DFB an.

Salomonischer Weg scheitert ebenfalls

Die Spieler sollen die Nebengeräusche "aus den Köpfen kriegen", hatte Leonhardt zuvor gefordert, "um den Rest kümmern sich Richter, Experten und Rechtsanwälte." Und er selbst. An einen Erfolg vor dem Sportgericht glaubte zwar selbst Leonhardt nicht mehr, aber der Unternehmer wollte dem Verband am Donnerstag zumindest einen Vorschlag unterbreiten.
Aue und Karlsruhe sollten in der kommenden Saison in der 2. Liga spielen, die für ein Jahr aufgestockt wird. Dafür steigen am Ende der Spielzeit drei Teams direkt ab, eines muss in die Relegation. "Das wäre für mich ein salomonischer Weg", hatte Leonhardt am Mittwoch gesagt. Ein utopisches Szenario, das nun erstmal vom Tisch ist. Das Sportgericht hätte eine Aufstockung ohnehin nicht veranlassen können, wie Lorenz mitteilte.

Um gegen Karlsruhe im Nachsitzen den Klassenerhalt zu schaffen, muss Aue all den Ärger herunterschlucken, "und eine Trotzreaktion zeigen auf das, was vorgefallen ist", sagte Drews. Er habe in den vergangenen Trainingseinheiten gemerkt, "dass der Schalter umgelegt wurde".
Daran, dass es am Freitag mit dem zuständigen Referee Sascha Stegemann erneut zu Diskussionen kommen könnte, verschwendete Drews keinen Gedanken: "Alles, was die Schiedsrichter machen, können wir sowieso nicht beeinflussen."

Quelle: n-tv.de