Fußball

Ex-Profi Michael Schulz gesteht "Auf dem Platz war ich früher geisteskrank!"

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(Foto: imago sportfotodienst)

Der Ex-Dortmunder Michael Schulz verdiente sich in seiner Karriere den Spitznamen "Rambo". Nun erzählt er, dass er auf dem Platz regelrecht "geisteskrank" agiert hätte. Auch "Dummheiten" abseits des Platzes konnte er gut - und hat einen Rat für BVB-Profi Jadon Sancho.

Wer Michael Schulz nicht mehr live im Stadion erlebt hat, dem sei gesagt: Ende der achtziger, Anfang der neunziger Jahre hallte immer wieder ein Schlachtruf durch die Arenen der Republik. Egal, was dieser ungelenkig wirkende Verteidiger aus Dortmund auch anstellte, die gegnerischen Fans waren sich in ihrem Urteil über den blonden Hünen bereits einig. Lautstark skandierten sie: "Schulz, du Sau!". Wie Recht sie in ihrem Urteil hatten, verriet der ehemalige deutsche Nationalspieler in dieser Woche in seinem Podcast "Die Vorstopper" (zusammen mit Radio 91.2-Moderator Mathias Scherff): "Ich war damals auf dem Platz echt geisteskrank."

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Im Zweikampf hatten die Gegenspieler meist das Nachsehen: Michael Schulz in Rambo-Aktion.

Die Geschichte, die Schulz zu diesem erstaunlichen Resümee brachte, war folgende: Am 16. September 1990 fühlte er sich in einer Partie gegen den 1. FC Köln vom Schiedsrichtergespann wieder einmal benachteiligt und so marschierte Schulz nach dem Spiel schnurstracks zum Linienrichter Gerhard Paulus. Was dann passierte, schildert er so: "Ich bin ihm dann auf den Füßen gestanden und habe ihm schön die Sechzehner-Stollen reingedreht. Der Paulus war auch gefühlt nur einen Meter siebzig groß und dann habe ich nach unten geguckt und gesagt: "Ich hau dir auf die Fresse, du blinde Nuss!" Er wollte dann über meine Schulter zum Schiri rufen: 'Hilfe!' Ich weiß gar nicht mehr, wer der Schiri war: 'Walter, Hilfe!' Ich habe mich natürlich sofort danach entschuldigt und Gott sei Dank hat er es auch angenommen. Bei der Sportgerichtsverhandlung ging es dann darum - und wir sprechen jetzt bei dem Strafmaß um einen Unterschied von einem halben Jahr -, ob man, wenn man so große Füße hat wie ich und dicht bei einem steht, zufällig jemandem auf den Füßen stehen kann oder nur mit Absicht. Und diese Frage wurde abschließend damit beantwortet, dass es auch zufällig gewesen sein kann. Das hat mich gerettet."

Tatsächlich kam Michael Schulz in diesem Fall mit einer Strafe von nur acht Wochen davon. Den Schiri, den Gerhard Paulus damals zu Hilfe rufen wollte, war übrigens der spätere Schiedsrichtersprecher Manfred Amerell.

"Der Schulz tritt die ganze Bundesliga kaputt"

Erst spät war der gebürtige Friese Schulz zum Profi geworden. Im fortgeschrittenen Alter von 26 Jahren feierte er in Kaiserslautern sein Debüt in der Bundesliga. Nach zwei eher beschaulicheren Spielzeiten auf dem Betzenberg wechselte er 1989 zur Borussia nach Dortmund. Und dort nahm das Verhängnis seinen Lauf. Bereits am zweiten Spieltag der Saison 1990/91 sorgte Schulz für einen denkwürdigen Eklat. In der 28. Minute der Partie seines BVB beim KSC schickte Schiedsrichter Werner Föckler den Dortmunder mit Gelb-Rot vom Platz. Und als Schulz gerade wutschnaubend den Rasen im Karlsruher Wildparkstadion verlassen wollte, sah er am Spielfeldrand einen Eimer stehen, der "einfach umgetreten werden musste". Der Fotograf Bodo Goeke schoss damals das "Sportfoto des Jahres" und Trainer Horst Köppel machte den Scheibenwischer.

Ein Freund schenkte Schulz anschließend das Buch "Stressbewältigung durch innere Entspannung" (ein Klassiker für Wirtschaftsmanager), doch schon einige Wochen später flog Schulz in Nürnberg wieder vom Platz. Joachim Philipkowski vom 1. FCN kannte nach dem Spiel keine Gnade: "Der Schulz tritt die ganze Bundesliga kaputt; da muss sich der DFB etwas einfallen lassen." Doch nicht alle Nürnberger reagierten so zimperlich. Schulz' Gegenspieler präsentierte sich als echter Kerl, als er tapfer argumentierte: "Um Gottes Willen, so schlimm ist der Schulz auch wieder nicht. Gut, er hat mir auf den Oberschenkel getreten und schon am Anfang gefragt: 'Hast du was genommen?'" Aber das sei doch nicht weiter der Rede wert, meinte Uwe Wolf nach Spielschluss ziemlich entspannt und bewahrte den Dortmunder so vor Schlimmerem.

"Dich kriegen wir auch noch!"

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1998 interviewte Michael Schulz Andreas Möller für die Sat1-Sendung "ran".

(Foto: imago/Sauer)

Doch auch abseits des grünen Rasens sorgte "Rambo", wie ihn die Presse taufte, immer wieder mit seinen Dummheiten für Aufreger. Exemplarisch erzählt Michael Schulz eine Geschichte aus der Saison 1989/90: "Ich war wohl mal wieder gesperrt - auf jeden Fall musste ich nicht am Abschlusstraining teilnehmen. Andi Möller ist damals voll in die Kritik geraten, weil er trotz aller Beteuerungen zum BVB einen Wechsel anstrebte. Und ich in meiner Sperrphase, in der ich manchmal auch nicht zu ganz witzigen Scherzen aufgelegt war, habe dann von unserem Zeugwart Bomber Wiegandt das schöne, lange Kuchenmesser genommen, es mit Tape an Möllers Kabinenhaken befestigt, einen Totenkopf gemalt und draufgeschrieben: 'Dich kriegen wir auch noch!' Das ist dann nachmittags, als die Jungs zum Training kamen, nicht so gut angekommen - schon gar nicht beim Andi. Was ihn dazu veranlasste, erstens nicht zum Training zu gehen und zweitens nicht spielen zu wollen. Das hatte schließlich wiederum eine Geldstrafe für mich nach sich gezogen!"

Im Podcast nimmt Michael Schulz auch Stellung zu den immer wieder kursierenden Geschichten rund um den BVB-Jungstar Jadon Sancho: "Ich weiß nicht, von wem er beeinflusst wird, aber da oben laufen bei ihm noch nicht alle Stränge in die richtige Richtung." Als Profi, der auch schon mit echten Diven wie Mario Basler zusammen gespielt hat, rät er Sancho dringend, seine kleinen Aussetzer recht schnell in den Griff zu kriegen. Als abschreckendes Beispiel, wie eine Karriere schnell ins Straucheln geraten kann, nennt Schulz Ousmane Dembélé. Rückblickend auf seinen eigenen Werdegang meint der ehemalige Nationalspieler: "Ich bin nicht stolz auf all die Geschichte, aber da sind wir wieder beim Thema Sancho. Ich habe viele Dummheiten gemacht, aber ich habe Gott sei Dank rechtzeitig daraus gelernt."

Quelle: ntv.de