Valverde, Vini, vici?Bayern-Rekordsaison droht an zwei Real-Stars zu zerschellen

Über den einen jubelt selbst Toni Kroos, der andere provoziert und schießt Tore am Fließband: Federico Valverde und Vini Junior sind die größten Bedrohungen für den FC Bayern im Champions-League-Viertelfinale. Real Madrid könnte den Münchnern sehr wehtun.
Veni, vidi, vici. So lief das zuletzt für Real Madrid ab, wenn die Königlichen auf den FC Bayern trafen. Sie kamen, sahen und siegten. In den vergangenen neun Partien setzte es für die Münchner sieben schmerzhafte Pleiten bei zwei Unentschieden. Und im Viertelfinale der Champions League (21 Uhr/Prime Video und im Liveticker auf ntv.de)? Die grandiose Spielzeit des deutschen Rekordmeisters könnte in nur 180 Minuten zerplatzen.
Federico Valverde, Vini Junior, vici? Die beiden Real-Überflieger lieferten zuletzt die großen Schlagzeilen und wollen im Hinspiel in Madrid für einen so schnellen und mühelosen Sieg gegen die Bayern sorgen wie Gaius Julius Caesar, dem der berühmte Spruch zugeschrieben wird, bei der Schlacht bei Zela (47 v. Chr.). "Lasst sie uns packen!", posaunt Vinicius vor der Partie und fügt auf der Abschlusspressekonferenz hinzu: "Ich glaube, dass es für uns eine schöne letzte Saisonphase wird."
Der FC Bayern dominiert zwar die Fußball-Bundesliga - die Meisterschaft ist quasi eingetütet - und wird nach nun bereits 100 Toren den Rekord von 101 Treffen (selbst aufgestellt in der Saison 1971/72) locker einstellen und ausbauen in den verbleibenden sechs Partien. Auch in der Champions League pflügen die Münchner durch den Wettbewerb, doch weil sie in diesem Jahr so stark wie lange nicht spielen, muss nach 2020 endlich der siebte Königsklassentitel her. "Nur" nationale Titel wären nicht genug.
Spielt Vini Jr. Kimmich wieder schwindelig?
Zerschellt also diese grandiose Saison, diese Supermannschaft - bei der Trainer Vincent Kompany absolute Ruhe und Abgeklärtheit ausstrahlt, Harry Kane ohne Pause trifft und Michael Olise zum Weltstar gereift ist - an Real Madrid? Es ist so denkbar, wie es tragisch wäre.
Chefcoach Álvaro Arbeloa erklärte auf der Pressekonferenz vor dem Duell selbstbewusst, ein Ausscheiden sei für ihn und seine Schützlinge kein Thema. "Wir denken nicht daran, in dieser Runde auszuscheiden. Ich verstehe, dass ihr (Journalisten) alle Szenarien durchgeht, aber für uns gibt es nur ein Ziel: Die Bayern zu schlagen. Darauf konzentrieren wir uns und daran glauben wir." Man wolle sich und den Fans "eine große Champions-Nacht" schenken.
Sportvorstand Max Eberl warnte am Montag kurz vor dem Abflug nach Madrid, die Münchner dürften vor der Atmosphäre im Estadio Santiago Bernabéu auf keinen Fall "Angst haben". Zuvor hatte er Real bereits als "Bestie" bezeichnet. Vini Junior ist in dieser Logik ihr schärfster Zahn. Einer, der den FCB bereits ein ums andere Mal aufschlitzte. Joshua Kimmich sah als Rechtsverteidiger im Halbfinale 2024 überhaupt kein Land gegen den Brasilianer, der beim 2:2 im Hinspiel beide Treffer erzielte und im Rückspiel (2:1) den späten Ausgleich einleitete.
Nach dem Aus von Trainer Xabi Alonso ist der oft aneckende 25-Jährige wieder zur Topform aufgestiegen. Zuletzt traf er in beiden Playoff-Spielen gegen Benfica Lissabon, erzielte beide Treffer beim 2:1-Auswärtssieg bei Manchester City und entschied das Madrider Derby gegen Atlético (3:2) mit zwei Toren fast im Alleingang. "Ich befinde mich in der Blütezeit meiner Karriere", sagte er selbst vor wenigen Tagen. Sein neuer Coach Arbeloa nannte ihn "unaufhaltsam".
Kroos findet Valverde einfach nur "brutal"
Die Champions-League-Träume von Pep Guardiola und Manchester City zerstörte aber ursprünglich ein anderer: Federico Valverde. Der Real-Kapitän erzielte beim 3:0-Hinspielsieg in nur 22 Minuten alle drei Tore. Eines schöner als das andere. Atemberaubend. Der 27-Jährige lieferte das Spiel seines Lebens ab - und wohl die beste Leistung eines Spielers in der gesamten Königsklassen-Saison. Dass die Königlichen am Wochenende eine peinliche Pleite auf Mallorca verkraften mussten, lag auch daran, dass Valverde gesperrt fehlte.
Der Nationalspieler Uruguays bezeichnet sich selbst als "Kämpfer" und hat bei den Königlichen nicht nur die Nummer 8 vom 2024 in Rente gegangenen Toni Kroos übernommen, sondern ist auch in seiner Rolle aus Autorität und Spielgestalter geschlüpft. Nur torgefährlicher: Drei Tore und vier Assists stehen in der Champions League in elf Partien zu Buche, vier Treffer und sieben Vorlagen in LaLiga. Darüber hinaus hilft er mit seinem enormen Einsatzwillen seiner Mannschaft auch dann aus der Patsche, wenn seine Mitspieler körperlich bereits am Ende sind, und kann bis zu fünf verschiedene Positionen auf dem Feld problemlos und meisterhaft spielen.
Aus "Respekt" vor Kroos wollte Valverde dessen Trikotnummer zunächst nicht übernehmen. "Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte jeder, der so viel erreicht und dem Verein seinen Stempel aufgedrückt hat, verdient, dass seine Rückennummer zurückgezogen wird, so wie es in der NBA üblich ist - damit diese Nummer für immer in Ehren gehalten wird und Toni der Letzte ist, der sie trägt", sagte er einst. Doch die DFB-Legende gab ihr Einverständnis, und Valverde wuchs in seiner tragenden Rolle zum vielleicht wichtigsten Real-Akteur.
Kroos selbst adelte seinen ehemaligen Mitspieler jüngst und sagte, Valverde habe Real "in einer bis dahin maximal mittelmäßigen Saison […] auf die Schultern" genommen. Seit des City-Spiels "fliegt er über die Plätze", sagte Kroos als Co-Kommentator bei der Übertragung seiner Icon League. "Es ist wirklich brutal, was er im Moment spielt."
Besonderes Spiel für Bayern-Youngster Karl
Das Trend-Adjektiv "brutal" benutzte auch Deniz Undav, als er nach dem Ghana-Sieg der DFB-Elf den Bayern-Youngster Lennart Karl beschrieb. Für den 18-Jährigen, der am Samstag mit seinem 3:2-Siegtreffer tief in der Nachspielzeit die Münchner in Freiburg rettete, wird das Duell am Abend ein ganz besonderes. Der Dribbelkünstler sorgte für Aufregung, als er im Januar verriet, irgendwann unbedingt bei seinem Lieblingsverein Real Madrid spielen zu wollen.
Ob Karl statt Vini Jr. oder Valverde der Partie seinen Stempel aufdrücken und die Bayern-Saison zur Vergoldung führen kann? Oder entscheidet der wiedergenese Superstürmer Kylian Mbappé das "Spiel der Spiele" (Karl-Heinz Rummenigge)? Mit großen Namen (Arbeloa sagte vor der Partie, sein Team habe "die besten Spieler der Welt") und potenziell noch größeren Geschichten lockt das Viertelfinale die Massen vor die Bildschirme. Bei den Buchmachern ist Bayern München knapper Favorit.
Das liegt möglicherweise auch daran, dass Harry Kane am Ostermontag wieder trainierte. Ob der sich mit einer Sprunggelenkverletzung herumplagende Erfolgsgarant in der Startelf steht, entscheiden die Münchner spontan gen Abend. Wenn einer der madrilenischen Bestie die Zähne ausreißen und die Bayern zum ersehnten Triple führen kann, dann der Engländer. Kane hat zehn Tore in der laufenden Königsklassen-Saison erzielt, nur ein gewisser Mbappé kommt auf mehr (13).
Kane zurück, böse Erinnerungen
Allerdings war Kane auch beim Halbfinal-Aus 2024 angeschlagen ins Rückspiel gegangen. Beim Stand von 1:0 wurde er ausgewechselt und musste hilflos zusehen, wie seine Kollegen den Final-Einzug noch verspielten. Böse Erinnerungen. "Diese Nacht", sagte der Stürmer kürzlich, "war wirklich schwer zu verkraften, wir waren so nah dran ..."
Der FC Bayern wird alles tun, damit es diesmal anders läuft. Damit diese Supersaison nicht an Real Madrid zerschellt. Damit es nicht wieder heißt: Valverde, Vini, vici.