Kane jubelt vor Real-DuellOldie Neuer patzt, aber auf die Bayern-Youngster ist Verlass

Er kann nicht mitspielen, aber der späte Bayern-Sieg macht Harry Kane sehr glücklich. Seine jungen Teamkollegen Tom Bischof und Lennart Karl treffen in seiner Abwesenheit. Vor dem Duell mit Real Madrid in der Champions League ist die Hoffnung groß.
Harry Kane jubelte beim Münchner Drama-Sieg aus der Ferne mit. "Wow, wow, wow", kommentierte der angeschlagene Stürmerstar des FC Bayern das spektakuläre 3:2 (0:0) seiner Fußball-Kollegen beim SC Freiburg in der App "Cleats Club": "Ich liebe dieses Team." Kane fehlte den Münchnern am Samstag. 80 Minuten lang hatte sich das auch durchaus bemerkbar gemacht, ehe zwei Youngster doch noch für eine furiose Aufholjagd und die Wende sorgten.
Dank Tom Bischof und Lennart Karl machten die Bayern nicht nur den nächsten Schritt Richtung Meistertitel in der Bundesliga, sondern holten sich auch einen gewaltigen Energieschub für den anstehenden Königsklassen-Kracher. "Ich freue mich brutal darauf", sagte Bischof über das Viertelfinal-Hinspiel in der Champions League bei Real Madrid am Dienstag (21 Uhr/Amazon Prime und im ntv.de-Liveticker). "Wir glauben daran, dass es funktioniert", sagte Sportvorstand Max Eberl nach der Achterbahnfahrt im Europa-Park Stadion über die Einsatzchancen des leicht am Sprunggelenk lädierten Kane im Giganten-Duell mit den Madrilenen.
Bischof findet es "brutal"
Gegen Freiburg hatte es sogar ohne den Engländer, der diese Saison schon 48 Pflichtspieltore für die Bayern erzielt hat, funktioniert. Der Rekordmeister brauchte zwar einen gewaltigen Kraftakt und viel Moral, um die drei Punkte am Ende aus dem Breisgau mitzunehmen. Keeper Manuel Neuer parierte zweimal stark, sah beim zwischenzeitlichen 0:2 aber nicht gut aus. Sein Klärungsversuch geriet zu kurz, Höler traf mit einem abgefälschten Schuss zum zwischenzeitigen 2:0 für den heimstarken Underdog. Trainer Vincent Kompany war dennoch bester Laune. "Nicht jeder Sieg ist Champagner-Fußball", sagte der Belgier. Im Rausch waren die Bayern trotzdem.
"Brutal" fühle sich dieser Erfolg an, meinte Doppeltorschütze Bischof. Mit zwei platzierten Schüssen hatte der 20-Jährige zum 1:2 (81.) und zum 2:2 (90.+2) getroffen. Tief in der Nachspielzeit legte Karl noch das 3:2 nach (90.+9).
Das sei das "perfekteste Spiel" als Vorbereitung auf Real gewesen, erklärte Bischof. "Das schweißt uns brutal zusammen." Bei allem Respekt vor Freiburg müsse man gegen das spanische Starensemble dann aber "noch eine Schippe drauflegen", sagte der deutsche U21-Kapitän. "Drei, vier vielleicht sogar."
Kimmich lobt Mentalität
Als Torjäger war Bischof bei den Bayern bislang nicht in Erscheinung getreten. Die Treffer in Freiburg waren seine ersten für die Münchner - und offenbar auf Ansage gefallen. "Vor dem Spiel hat Jo noch zu mir gesagt: Kannst du jetzt mal bitte auf die Kiste schießen?", berichtete Bischof von einem Gespräch mit Mittelfeldspieler Joshua Kimmich. Im Training habe er schon oft aufs Tor geschossen, im Spiel sei ihm das bisher noch nicht so gelungen.
Er freue sich "extrem" für den jungen Kollegen, sagte Kimmich später. Bischof habe sich mit dem Doppelpack "belohnt" - auch nach dem kleinen Rückschlag in der Länderspielpause. "Ein anderer wäre vielleicht enttäuscht gewesen, dass er nicht bei der A-Nationalmannschaft dabei ist. Der Tom ist vom Charakter her anders, fährt zur U21 und will da dann das Maximum herausholen. Diese Einstellung und Mentalität zeichnen ihn aus", lobte Kimmich seinen Mitspieler.
Bischof wird sich weiter ins Zeug legen müssen, will er Bundestrainer Julian Nagelsmann in den verbleibenden Wochen der Saison noch von einer Nominierung für die WM im Sommer überzeugen. Offensiv-Ass Karl indes ist für das Mega-Event in den USA, Kanada und Mexiko inzwischen fest eingeplant.
Ein Tor fehlt noch zum Rekord
"Sehr, sehr krass" und "unbeschreiblich" sei sein Gefühl nach dem Siegtor in Freiburg gewesen, sagte der 18-Jährige. Die Gelbe Karte, die er für das Ausziehen seines Trikots kassiert hatte, nahm er gern in Kauf. "Ich hatte schon die ganze Zeit im Kopf, mein Trikot auszuziehen", erklärte Karl. Sein Gefühl, irgendwann noch ein Tor zu schießen, hatte sich letztlich bestätigt.
Schwach gespielt - und trotzdem gewonnen. Im 13. Pflichtspiel in Serie blieben die Bayern unbesiegt. Sie nähern sich weiter der nächsten Meisterschaft. Und ihrem Tor-Rekord. Ein Treffer fehlt ihnen noch, um ihre bisherige Bundesliga-Bestmarke von 101 Toren aus der Saison 1971/72 zu egalisieren. Eine Sache für Serienknipser Kane? Im Zweifelsfall gibt's ja noch die Münchner Youngster.