Fußball

Überheblich, arrogant, unvorbereitet Bayerns Elfmeter-Desaster war verdient

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Nicht so gut gelaufen für die Bayern.

(Foto: imago/MIS)

War Bayerns Elfmeterschmach im DFB-Pokal-Halbfinale gegen den BVB nur Pech? Nein! Der FC Bayern ist vor allem aus Arroganz und Überheblichkeit gescheitert.

Nach dem desaströsen Elfmeterschießen des FC Bayern gegen Borussia Dortmund im Halbfinale des DFB-Pokals ist viel von Ausrutschern, Pech und verlorenem Roulettespiel die Rede. Dabei hat man klar sehen können: Der FC Bayern war einfach nicht auf dieses Elfmeterschießen vorbereitet – physisch wie psychisch. Weder die Schützen, noch Torwart Manuel Neuer waren dafür präpariert und haben folglich ohne Plan und ohne Idee agiert. Trotz der großen Bedeutung dieses K.o.-Spiels wurde Elfmeterschießen im Vorfeld offenbar nicht thematisiert. Eine Ursache dafür ist, dass der FC Bayern wohl nicht im Entferntesten davon ausging, dass sich der deutsche Klassiker erst im Elfmeterschießen entscheiden könnte. Als es dann doch so kam, hat der deutsche Rekordmeister eine gewisse Arroganz gezeigt.

Man darf sich dabei nicht davon irritieren lassen, dass Philipp Lahm und Xabi Alonso ausgerutscht sind. Dortmunds Ilkay Gündogan hat genau den gleichen Anlauf und die gleiche Ecke gewählt und ist eben nicht ausgerutscht. Das Versagen der Bayern ist keinesfalls Pech, sondern drückt aus, dass die Gastgeber nicht auf das Elfmeterschießen eingestellt waren.

Die Krönung dieses geschichtsträchtigen Elfmeterschießens war, dass Manuel Neuer nach drei verschossenen Strafstößen seiner Kollegen und dem stark gehaltenen Schuss von Mats Hummels aus seinem Tor heraustrat und selbst an den Elfmeterpunkt trat, als wollte er demonstrieren: Ich zeig’ Euch Feldspielern mal wie das geht! Das ist kein Selbstbewusstsein mehr, sondern Überheblichkeit. Wütend mit vollem Tempo auf das Tor zu schießen, hätten viele Spieler in Deutschland gekonnt. Der Ball sprang dann von der Latte zu ihm zurück, als wolle Fußball sagen: "Mit dieser Überheblichkeit funktioniert dieses Spiel nicht."

Dortmund war vorbereitet

Schon vor dem Anpfiff des Halbfinales war der FCB arrogant aufgetreten. Es sollten ja im Vorfeld zum Abschied von Jürgen Klopp sogar Blumen überreicht werden. Das suggerierte: Wir spielen noch einmal ein schönes Halbfinale gegen den BVB; aber daran, dass wir nach Berlin fahren, gibt es keinen Zweifel. Bayern ist zwar auch deswegen so stark, weil Spieler und Verantwortliche den Slogan "mia san mia" leben und auch in der Körpersprache ausdrücken. Doch es ist nur ein schmaler Grat, zwischen Willen oder Überzeugung und Arroganz.

Elfmeterschießen etwa kann man trainieren – genau wie Pässe, Flanken, Zweikämpfe. Es gibt mehr als 100 sportwissenschaftliche Publikationen darüber, wie man die Chancen für Schützen und Torhüter optimieren kann. Eine Technik zur Körpersprache und Wahrnehmung hat zum Beispiel Dortmunds Torhüter Mitchell Langerak angewandt. Er hat das Elfmeterschießen ständig verzögert, um den Schützen in dieser Stresssituation zu belasten. Das allein kann durchaus ein paar Prozentpunkte ausmachen. Dortmund war auf das Elfmeterschießen eingestellt.

Dabei hatte Bayern München in den vergangenen Wochen viele positive Erfahrungen gesammelt: das gewonnene Pokal-Viertelfinale gegen Leverkusen im Elfmeterschießen, das legendäre Rückspiel gegen Porto in der Champions League und der frühzeitige Deutsche Meistertitel. Dazu sind diverse Spieler wie Thiago, Martinez oder Robben nach Verletzungen zurückgekehrt. Doch ein gewisses Niveau an Selbstbewusstsein sollte man nie überschreiten. Das sollten Trainer und Funktionäre stets im Blick behalten. Elfmeterschießen gilt es zu üben, sowohl physisch, als auch vom Kopf her. Das habe ich beim FC Bayern an diesem Abend nicht erkannt.

Professor Daniel Memmert leitet das Institut für Kognitions- und Sportspielforschung an der Deutschen Sporthochschule Köln. Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte liegen im Bereich der Sportspielforschung, hier geht es um Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Kreativität, Spielintelligenz und Motivation. Er besitzt Trainerlizenzen in den Sportarten Fußball, Tennis, Snowboard sowie Ski-Alpin und ist Herausgeber und Autor von Lehrbüchern zu modernem Fußballtraining. Seine neueste, populärwissenschaftliche Veröffentlichung - gemeinsam mit Bernd Strauss und Daniel Theweleit - heißt: "Der Fußball. Die Wahrheit. Fußballspiele werden im Kopf entschieden".

 

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Quelle: n-tv.de

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