Fußball

Kurt - von 4. Liga in den Fokus? Bayerns Ex-Supertalent wagt kuriosen Neustart

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Sinan Kurt wagt wieder einmal einen Neustart.

(Foto: imago images/foto2press)

Der FC Bayern war einst so fasziniert, dass er für Sinan Kurt drei Millionen Euro an Borussia Mönchengladbach überwies. Doch der damals 18-Jährige konnte die Erwartungen nie erfüllen - und stürzte sportlich ab. Nach langer Zeit ohne Verein zieht es nun in die Niederungen des türkischen Fußballs.

Sinan Kurt galt einmal als eines der größten deutschen Fußball-Talente. 2014 verpflichtete ihn der FC Bayern München für rund drei Millionen Euro von Borussia Mönchengladbach. In München, an der Säbener Straße, sollte der flexible Offensivspieler zum Star reifen. Doch es folgte ein Absturz nach dem nächsten. In seiner Vita tauchen Namen von Klubs auf, die selbst Liebhabern kaum bekannt sein dürften. Zuletzt war der 26-Jährige sogar mehr als ein Jahr auf Jobsuche. Zum zweiten Mal in seiner Karriere. Nun wagt er den nächsten Neuanfang. In der Türkei. In Liga vier. Beim Klub Karaman FK findet Kurt eine neue sportliche Heimat - mit großen Ambitionen.

"Ich werde hier härter arbeiten und zu meiner alten Stärke und Leistung zurückfinden", bekannte Kurt bei seiner Vorstellung beim Spitzenreiter, der es auch mithilfe von Kurt in die Süper Lig schaffen will. "Wir möchten mit deutschen Tugenden und türkischem Herzblut langfristig in die erste türkische Liga. Hierfür bringen wir unsere Erfahrungen aus Deutschland ein und versuchen derzeit, unseren Heimatverein nachhaltig im türkischen Profifußball zu etablieren. Hier zählen auch Transfers von deutsch-türkischen Talenten wie Sinan Kurt dazu", sagt Karamans Ehrenpräsident Mehmet Ali Han, der auch beim Regionalligisten Berliner AK diesen Posten innehat.

Hätte er einen österreichischen Pass ...

Kurt, das war einmal ein Hypespieler in Deutschland, der wilde Träume beflügelte. Doch so groß der Hype war, so krachend folgte der Absturz. Eine besonders bittere Wende nahm seine Karriere im Frühsommer 2020. Mit einem "ins Kreuzeck gehauenen" Elfmeter gegen die Young Violets in der letzten Minute verhalf Kurt seinem damaligen Arbeitgeber, dem österreichischen Zweitligisten WSG Tirol zum Aufstieg. "Hätte er das nicht gemacht, hätten wir den Titel nicht geholt", sagte Manager Stefan Köck damals über Kurt.

Die WSG stieg auf und der Spieler ab. Sportlich. Aber warum eigentlich? "Aufgrund der Ausländerbeschränkung ist es schwierig beziehungsweise nicht möglich, dass wir ihn bei uns behalten", erklärte Köck bei laola1.at. "Viele Punkte haben für Sinan gesprochen und hätte er einen österreichischen Pass, wäre er wahrscheinlich noch bei uns." Er habe, so sagte der Manager, immer wieder seine Klasse gezeigt und sei als Typ super und angenehm gewesen. Mit all den Urteilen, die der Spieler mit sich rumschleppt, können sie in Wattens nichts anfangen. "Ich kann von dem Jungen nur das Beste sagen, er hat null Star-Allüren gehabt, er ist ein toller Mensch", sagte Köck.

Schillernde Vita, wilde Eskapaden

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Nicht überall wurde er in seiner Laufbahn, die sich mit den Stationen Borussia Mönchengladbach, FC Bayern und Hertha BSC fantastisch liest, mit so warmen Sätzen verabschiedet wie in Wattens. Bei der Borussia, wo er von 2007 bis 2014 die gesamte Jugend durchlief, waren sie massiv verärgert, weil Kurt dem Flirt aus München - begleitet von Misstönen und Vorwürfen - erlag. In München, wo Kurt unter Coach Josep Guardiola tatsächlich einmal für 44 Minuten (!) in der Bundesliga spielen durfte (eingewechselt für Gianluca Gaudino), haderten sie mit den Extravaganzen - teurer Helikopterflug und eingeflogene Friseure - des jungen Fußballers.

Nach anderthalb bitteren Jahren beim Rekordmeister wechselte er zur Hertha. Eine abermals unrühmliche Zeit. "Wenn du einen jungen Spieler immer wieder motivieren musst und immer wieder über Mentalität heulen musst, dann haben wir ein Problem", sagte Coach Pal Dardai im August 2017. Es waren Worte, die verhallten. Im Januar 2018 wurde er sogar aus dem Mannschaftstraining verbannt. Über seine Zeit bei der alten Dame sagte Kurt im April 2019 zur "Sport Bild": Es sei ja "kein Geheimnis, dass ich mit dem Trainer kein gutes Verhältnis hatte. Ich hatte den Kopf nicht frei, weil ich wusste, dass es keine Ebene zwischen dem Trainer und mir gab." Das habe ihm den Spaß genommen. Den will er nun wieder finden. In den Niederungen des türkischen Fußballs.

Quelle: ntv.de, tno/mli

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