Fußball

Ende eines Traditionsvereins Bei Rot-Weiß Erfurt gehen die Lichter aus

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Der Steigerwaldstadion in der Landeshauptstadt.

(Foto: imago images/Bild13)

Vor knapp 30 Jahren beendete RWE die letzte DDR-Oberliga-Saison überraschend als Dritter. Das qualifizierte die Thüringer für die 2. Bundesliga und den Europapokal. Nun ist der Klub zum wiederholten Mal pleite und kann die Spielzeit nicht mehr beenden. Neues Ziel ist die Oberliga.

Das erhoffte Fußball-Wunder ist ausgeblieben. Der frühere DDR-Oberligist Rot-Weiß Erfurt zieht endgültig die Notbremse und meldet seine Mannschaft nun auch aus der Regionalliga ab. Insolvenzverwalter Volker Reinhardt musste diese Entscheidung treffen, nachdem Verhandlungen mit einem Investor trotz Absichtserklärung erfolglos verlaufen waren. Es ist die zweite Pleite innerhalb von zwei Jahren. 2018 hatte die damalige Insolvenz den Abschied aus Liga 3 zur Folge.

"Die Spieler der Mannschaft haben große Geduld bewiesen. Die meisten von ihnen wollten bleiben und haben bis heute abgewartet. Sie müssen jetzt noch vor Ende der Transferperiode die Möglichkeit zu einem Vereinswechsel bekommen", sagte Reinhardt. "Ich danke allen Spielern, dass sie diese auch für sie belastende Situation solidarisch mitgetragen haben und wünsche ihnen allen eine erfolgreiche sportliche Zukunft."

Neue Tabelle in Regionalliga

Damit fällt nicht nur das Spiel am Samstag gegen Tabellenführer FC Energie Cottbus aus. Die gesamte Tabelle der Regionalliga wird sich verändern, da die Spiele mit Erfurter Beteiligung annulliert werden. Auch zum Halbfinale im Thüringen-Pokal wird RWE nicht antreten. "Der FC Rot-Weiß Erfurt ist ein Traditionsverein im Osten, verkörpert für seine zahlreichen und leidenschaftlichen Fans seit 54 Jahren Identifikation und Stolz. Das sollte nicht so zu Ende gehen", sagte Cottbus-Präsident Matthias Auth.

Stattdessen konzentriert man sich in Erfurt auf einen Neustart im Sommer in der Oberliga. Auch der Nachwuchsbereich, der Spieler wie Marco Engelhardt und Clemens Fritz hervorbrachte, soll erhalten bleiben.

In den vergangenen Tagen hatte es bereits ein emotionales Auf und Ab in Erfurt gegeben. Am Freitag hatte Reinhardt zunächst angekündigt, die Mannschaft am Montag vom Spielbetrieb abmelden zu wollen. Zuvor hatte der Club die Dezember-Gehälter nicht zahlen können, weil ein Investor Zahlungen nicht geleistet hatte. Auch Gespräche mit neuen Geldgebern waren erfolglos verlaufen.

Nur zwei Tage später keimte Hoffnung auf. Reinhardt teilte am Sonntag überraschend mit, dass Gespräche mit einem Investor vielversprechend gelaufen seien und bereits eine Absichtserklärung unterzeichnet worden war. Trotzdem drängte die Zeit. Bis zum Ende der Wechselperiode am Freitag musste eine Entscheidung gefällt werden, damit Spieler sich notfalls nach einem neuen Verein umsehen können.

1991 noch im Uefa-Pokal

Diesen Weg müssen die Profis nun gehen. Bereits zu Beginn der Woche hatten Morten Rüdiger (Lübeck), Rico Gladrow (Cottbus), Kapitän Lukas Novy (unbekannt) und Selim Aydemir (Menemenspor) den Club verlassen. Nun suchen weitere Spieler innerhalb kürzester Zeit einen neuen Verein.

In RWE verliert der Fußball-Osten einen seiner bekanntesten Vereine vorerst in die Bedeutungslosigkeit. Einst rühmte man sich, Gründungsmitglied der 3. Liga zu sein. Doch mit riskanten wirtschaftlichen Manövern, um die Rückkehr in die 2. Bundesliga zu schaffen, begann der Abstieg. Obendrein hatte der Verein im Schnitt stets nur wenige Tausend Zuschauer. Zu einem Benefizspiel im November 2017 gegen Zweitligist Dynamo Dresden waren nur 2000 Interessierte ins heimische Steigerwaldstadion gekommen.

In den Spielzeiten 1953/54 und 1954/55 war der Club noch als SC Turbine Erfurt DDR-Meister. Von 1977 bis 1991 spielten die Thüringer ununterbrochen in der DDR-Oberliga. Ausgerechnet in der letzten Saison errang der FC Rot-Weiß unerwartet den dritten Platz. Das qualifizierte zum Gang in die 2. Bundesliga - und zur Teilnahme am Uefa-Pokal. Dort war dann in der zweiten Runde gegen den späteren Pokalsieger Ajax Amsterdam unter Trainer Louis van Gaal Schluss.

Quelle: ntv.de, jwu/dpa