Fußball

Tedesco muss sich sorgen Beim FC Schalke 04 läuft alles schief

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Da geht's lang. Aber wohin fürht der Schalker Weg? Domenico Tedesco.

(Foto: imago/Revierfoto)

Sie stehen zwar im Achtelfinale der Champions League, doch Fußball und Schalke, das passt derzeit nicht zusammen. Nach der Niederlage gegen Leverkusen trennt die Gelsenkirchener in der Liga nur ein Punkt vom Relegationsplatz. Die Chefs und die Fans werden langsam ungeduldig.

Es war schon eine besondere Stimmung, die der FC Schalke 04 heraufbeschwor. Am Abend vor der Schließung der letzten Zeche im Ruhrgebiet ließen die Knappen 14 Spieler mit den vierzehn Namen aller Gelsenkirchener Zechen auflaufen - auf jedem Trikot ein gewaltiges Stück Regionalvergangenheit. Die Hommage an die Industrie-Historie, die so viel mit diesem Klub zu tun hat, erzeugte Gänsehaut, und wohl selten erklang das Steiger-Lied, das in der Arena zur Folklore vor Spielbeginn gehört, so laut und mit so viel Inbrunst.

Und natürlich hatte es sich die Schalker Nordkurve, die eigentlich eine Stehgerade ist, an diesem Mittwochabend nicht nehmen lassen, mit einer Choreo in Schwarz und Weiß die letzten Bergleute des Reviers zu verabschieden. Da lag viel Wehmut in der Luft. "Bergbau und Schalke", sagte ein Fan, "datt is wie Zwiebeln und Mett".

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Tausend Feuer in der Nacht.

(Foto: REUTERS)

Das Gefühl von Wehmut war auch nach dem Spiel keinen Deut schwächer. Fußball und Schalke, das ist eine Verknüpfung, die in diesen Tagen und Wochen wenig kompatibel erscheint. Im Bundesligaspiel nach der Abschiedszeremonie unterlagen die Gastgeber Bayer 04 Leverkusen mit 1:2 und blieben zumindest eine Halbzeit lang alles schuldig. Dabei hatte es ihnen der Gegner, der nach Toren von Aleksandar Dragovic in der 26. und Lucas Alario in der 35. Minute die drei Punkte mit nach Hause nahm, nicht wirklich schwer gemacht.

"Das ist Hallenhalma"

Spitzenspiel, das war einmal. Es trafen sich zwei zutiefst verunsicherte Mannschaften, bei denen Anspruch und Wirklichkeit zum Ende des Jahres weit auseinanderklaffen. Erschreckend war vor allem, wie die Schalker Defensive die Gäste zum Toreschießen geradezu gebeten und selbst S04-Keeper Fährmann bei beiden Treffern tatkräftig mitgeholfen hatte. Aus der Abwehrmauer der vergangenen Saison ist längst ein Seiher geworden. "Das ist kein Fußball, das ist Hallenhalma", ereiferte sich ein Schalker User via Twitter.

Wie schon beim 1:2 im Derby gegen Dortmund und auch beim 1:1 in Augsburg wurde nun auch gegen die Werkself schmerzlich deutlich, wie wenig Qualität auf dem Platz steht, wenn die Knappen Fußball spielen. Man kann auch sagen: Die Schalker spielten unterirdischer als der tiefste Stollen der Zeche "Prosper Haniel". Dass Haji Wright, sozusagen die letzte Option für den Angriff, das letztlich bedeutungslose Anschlusstor für die Gelsenkirchener schoss (45.+2), spricht Bände. Der Mann, der in der vergangenen Saison an Sandhausen ausgeliehen und nur bedingt erfolgreich spielte, kickte zuletzt mit der Schalker Reserve in der Oberliga gegen Gegner wie Holzwickede, Erndtebrück, Rhynern und Schermbeck.

Doch als die Gastgeber in einer besseren zweiten Hälfte die Chancen zum Ausgleich hatten, vergaben die Spieler sie gleich reihenweise, die beste davon Konoplyanka nach 72 Minuten. Die Mixtur, mit der Domenico Tedesco im vorletzten Spiel der Hinserie die Wende schaffen wollte, war gründlich unterdosiert. "Wir wollten heute nicht mit dem Kopf durch die Wand und haben versucht, die Dinge spielerisch zu lösen", sagte der Trainer. "Wenn sich dann kleinere Schlampigkeiten einschleichen, dann muss man das den Spielern nachsehen."

"Ich mache mir sehr viel Sorgen"

Wie klein diese Schlampigkeiten wirklich waren, ist Interpretationssache. Sicher ist: Für den Trainer wird es ungemütlich. 15 Punkte aus 16 Spielen, dabei nur 17 Treffer erzielt: Das ist eine schlimme Bilanz. Die Schalker Hochglanzkicker sind im dreckigen Abstiegskampf angekommen. Das spürten auch die 61.548 Besucher, die trotz Erfolglosigkeit monatelang tapfer ruhig geblieben waren, deren Gleichmut nun aber dahin zu sein scheint. Sie pfiffen. Und sie schimpften. Auf ihre Stars, die nach der Blamage die Nähe zu ihren Fans und den Kumpels auf der Nordtribüne suchten. Und auf den Coach, dessen Zukunft mehr und mehr zur Disposition steht. Nur noch wenige trauen ihm die Wende zum Besseren zu. "Ich mache mir sehr viel Sorgen", gab Tedesco zu. Um seine Frau, seinen Nachwuchs und natürlich auch um Schalke. "Aber um mich mache ich mir nun wirklich keine Sorgen."

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Schalker Offensive-Malaise: Nabil Bentaleb im Kopfballduell mit dem Leverkusener Jonathan Tah.

(Foto: imago/Pakusch)

Um seinen Job darf er allerdings schon bangen, auch wenn Manager Christian Heidel sagt, er wolle "nicht über einen Trainer diskutieren, den wir vor vier Monaten noch gefeiert haben". Fakt ist: Schalke tritt auf der Stelle, sowohl in der Tabelle als auch in der spielerischen Entwicklung. Immer mehr kristallisiert sich heraus, dass Platz zwei und die Qualifikation zur Champions League in der vergangenen Saison wohl eher Zufallsprodukt als signifikant für die Auferstehung der Gelsenkirchener war. Die Schalker spielen schlecht, trotz vermeintlich hochkarätiger Zugänge wie Suat Serdar, Omar Mascarell, Sebastian Rudy, Mark Uth und Salif Sané. Der Unmut der Chefs, allen voran des Aufsichtsrats-Vorsitzenden Clemens Tönnies, entzündete sich auch an der Person des Managers und an dessen Transferpolitik. Heidel verantwortet in seinem dritten Schalker Jahr bereits die zweite Murks-Saison.

Die Dinge sind mächtig in Schieflage geraten. Klar, dass die starken Worte des Chefs, der seinem Manager nach Dortmunder Vorbild gern einen oder zwei Berater zur Seite stellen möchte, bei diesem gar nicht gut ankamen. Dabei wartet viel Arbeit auf ihn. Ziemlich sicher nämlich, dass die Schalker angesichts ihrer Offensive-Malaise in der Winterpause personell nachlegen. Die Situation ist brenzlig: Den Champions-League-Achtelfinalisten trennt nur noch ein Punkt vom Relegationsplatz. Auf dem steht der VfB Stuttgart, der von Tedescos Vorgänger Markus Weinzierl trainiert wird. Und am letzten Spieltag vor der Winterpause geht es nun am Samstag (ab 15.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) nach Stuttgart. Nicht auszudenken, was passiert, wenn auch das in die Hose geht. Dann wird die Schwermut in dieser gebeutelten Stadt möglichweise in Trübsal umschlagen.

Quelle: n-tv.de

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