Fußball

Rückzieher nach "Hausfrauen"-Kritik Blatter ruft beim IOC an

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Fifa-Boss Joseph Blatter und IOC-Präsident Jacques Rogge haben sich am Telefon ausgesprochen. Heißt wohl: Blatter hat sich entschuldigt.

(Foto: REUTERS)

Es hatte Unterhaltungswert, dass Fifa-Präsident Joseph Blatter dem IOC eine "Hausfrauen"-Politik und mangelnde Transparenz vorgeworfen hat. Nun entschuldigt sich der Schweizer. In Blatters Heimat erscheint derweil ein offener Brief an den "lieben Sepp". Titel: "Internationale Sportfunktionäre sind schwer korrupt".

Fifa-Präsident Joseph Blatter ist nach seinem Frontalangriff gegen das Internationale Olympische Komitee (IOC) zurückgerudert. In einem Telefongespräch mit IOC-Präsident Jacques Rogge hat der Chef des Fußball-Weltverbandes Fifa sich für seine Kritik an der "Hausfrauen"-Politik des IOC entschuldigt. "Wir können bestätigen, dass das Gespräch am Mittwoch stattgefunden hat", erklärte IOC-Sprecher Mark Adams. Über den "präzisen Inhalt" könne er keine Auskunft geben, dies sei eine "Sache zwischen den Beiden".

Rogge gab sich nach dem auch von der Fifa bestätigten, aber ebenfalls nicht weiter kommentierten Anruf seines unberechenbaren Funktionärskollegen versöhnlich und nahm das Friedensangebot an. "Der Vorfall ist nun erledigt", sagte der Belgier: "Die Beziehungen zur Fifa sind exzellent. Es war ein leichter Vorfall. Es ist Vergangenheit." Wie aus IOC-Kreisen verlautete, drückte Blatter in dem Gespräch sein Bedauern aus. Blatter betonte aber auch, dass die am Rande der Asienmeisterschaft in Doha von ihm gemachten pikanten Anwürfe falsch interpretiert worden seien.

Schwache Retourkutsche

Diese Aussage überrascht aus zwei Gründen: Einerseits folgten Blatters Lästereien unmittelbar auf ein Interview von IOC-Präsident Jacques Rogge in der "Süddeutschen Zeitung", in dem der Belgier Kritik an der WM-Vergabe an Katar und am Aufklärungswillen der Fifa in Korruptionsfragen geübt hatte: "Die Fifa hat nicht dieselben Regeln wie wir. Aber sie will ja nun eine Taskforce einsetzen, die Änderungen prüfen soll. Wir begrüßen das sehr, ich glaube, es ist notwendig." Andererseits waren, als Blatters vorgeblich falsch verstandene Aussagen fielen, Fifa-kritische Journalisten gar nicht zugelassen. Das berichtete der Fifa-kritische Journalist Jens Weinreich aus Doha.

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Blatter lästerte in Doha über Missstände im IOC. Dort nahm man die Lästereien gelassen auf.

(Foto: REUTERS)

Blatter hatte das IOC, dem er als Fifa-Präsident von Amts wegen seit 1999 angehört, am vergangenen Freitag als "einen Club" bezeichnet, der "keine Transparenz hat. Das IOC macht es wie eine Hausfrau. Sie erhält etwas Geld und gibt etwas Geld aus". Zugleich provozierte Blatter das IOC auch mit seiner Absichtserklärung, die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar im Winter auszutragen und damit in zeitlicher Nähe zu den  Winterspielen. Der harsche Angriff Blatters wird von IOC-Mitgliedern als gezieltes Ablenkungsmanöver nach den jüngsten Korruptionsvorwürfen gegen die Fifa sowie als Retourkutsche auf Rogges Aussagen angesehen.

Der IOC-Präsident hatte in der "Süddeutschen" schließlich nicht nur die Aufklärung der massiven Betrugsvorwürfe angemahnt. Er hatte auch angekündigt, dass die IOC-Ethikkommission auch Korruptionsvorwürfen gegen Fifa-Funktionäre nachgehen wird, die zugleich Mitglieder des IOC sind. Blatter hatte dieselben Vorwürfe als "alte Kamellen" abgetan und eine Prüfung ausgeschlossen.

Keine systematische Korruption in der Fifa

In einem Interview mit der Schweizer "Weltwoche" verstieg er sich Anfang Dezember 2010 zu der Aussage, es gebe keine "systematische Korruption" in der Fifa. Flankiert wurde das Interview in der Folge von weiteren Wortmeldungen in verschiedenen Mediengattungen. Der Tenor blieb derselbe und erregte den Unmut von Roland Büchel. Seit 2010 sitzt er im Schweizer Nationalrat. Bis zum Konkurs der Schweizer Sportrechte-Agentur ISL im Jahr 2001, die zwischen 1989 und 2001 mehr als 140 Millionen Schweizer Franken als Schmiergelder an Sportfunktionäre ausschüttete, war er dort im Marketing tätig.

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Replik auf vier Seiten: Roland Büchel kommentiert in seinem offenen Brief die Blatter-Behauptung, es gebe keine systematische Korruption in der Fifa.

Büchel kennt das Sportbusiness aus der Innenperspektive, er weiß Blatters Äußerungen einzuordnen. Im Dezember 2010 hat er eine parlamentarische Initiative an den Bundesrat eingereicht. Bis Ende 2011 fordert er von diesem Maßnahmen, mit denen die Korruption in internationalen Sportverbänden bekämpft werden soll. Bislang sind Sportfunktionäre vom Schweizer Korruptionsstrafrecht ausgenommen.

Als unmittelbare Reaktion auf Blatters Medienoffensive hat Büchel auch einen offenen Brief verfasst unter der Überschrift "Internationale Sportfunktionäre sind schwer korrupt" (als pdf). Die "Weltwoche" lehnte den Abdruck des Schreibens ab. Dafür erschien heute in der Schweizer "Wochenzeitung" ein Büchel-Porträt von Carlos Hanimann. Titel: "Der Mann in Blatters Nacken".

Quelle: n-tv.de, cwo/dpa/sid

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