Fußball

Champions League in Gefahr Borussia Dortmund "stinkt gewaltig"

Seit drei Spielen ist Borussia Dortmund sieglos, doch das ist nicht der größte Grund für schwarzgelbe Sorgen. Denn bei der Niederlage in Mönchengladbach legt die andere Borussia eine Schwachstelle des BVB offen. Die dringend geschlossen werden muss, um die Saisonziele nicht zu gefährden.

Grundsätzlich gibt es zur Verteidigung von Standardsituationen im Fußball zwei Herangehensweisen: Manndeckung und Raumdeckung. Entweder orientiert sich die Defensive also an ihren Gegenspielern und daran, das Eins-gegen-Eins zu gewinnen. Oder aber der Raum vor dem eigenen Tor wird so aufgeteilt, dass jeder Verteidiger dafür zuständig ist, dass in seinem Teil dieses Raumes niemand zum Abschluss kommt. Zwar gibt es auch Mischformen beider Varianten, Borussia Dortmund scheint derzeit aber etwas ganz eigenes zu testen: die Nicht-Verteidigung von gegnerischen Standards.

Bei der 2:4 (2:2)-Niederlage gegen Borussia Mönchengladbach wurde das zum wiederholten Male in dieser Saison bestraft, weshalb Kapitän Marco Reus anschließend im ZDF misslaunig mitteilte: "Wir machen immer die gleichen Fehler", verbunden mit der ebenso eindeutigen wie offensichtlichen Erkenntnis: "Wenn wir das nicht abstellen, wird es schwierig, ein Spiel zu gewinnen." Gegen Gladbach blieb der BVB zum dritten Mal in Folge sieglos und rutschte zum Auftakt des 18. Spieltages aus den Champions-League-Plätzen heraus. Eine Konsequenz aus der (erneut) besorgniserregenden Defensivleistung.

Beim 0:1 durfte Nico Elvedi einen Freistoß von Jonas Hofmann am Fünfmeterraum frei stehend einköpfen, ein schwarzgelbes Trikot war weit und breit nicht zu sehen. Erling Haaland konterte zwar mit einem Doppelpack, doch nur vier Minuten nach der Führung durfte sich erneut Elvedi aussuchen, wie er den Ausgleich erzielen möchte. Torwart Roman Bürki ließ einen Freistoß von Lars Stindl nach vorne klatschen, der erste grobe Fehler in dieser Situation. Der zweite grobe Fehler: Kein Dortmunder Verteidiger hinderte Elvedi daran, diesen Abpraller in aller Ruhe einzuschieben. Während Gladbach jubelte, dominierten beim BVB einmal mehr fragende bis verzweifelnde Gesichter.

Einfach abwesend

Das 2:3 durch Ramy Bensebaini war dann ausnahmsweise mal kein Standard-Gegentor, wie es allein bei den Niederlagen gegen den 1. FC Köln und den 1. FC Union Berlin insgesamt vier gegeben hatte. "Standardsituationen sind in Spielen auf Augenhöhe oft spielentscheidend", sagte nach dem Abpfiff der Favre-Nachfolger und Hoffnungsträger Edin Terzic , dessen Verpflichtung jedoch ohne sicht- und spürbaren Effekt zu bleiben scheint. Zumindest keinen positiven: Marcus Thurams Tor zum 2:4 diente zur Illustration des gewaltigen Dortmunder Problems.

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Thuram köpft ein, Dortmund guckt zu.

(Foto: Pool via REUTERS)

Denn während der Angreifer am Fünfmeterraum mit dem Kopf vollendet, stehen hinter ihm mit Manuel Akanji, Julian Brandt und Jude Bellingham gleich drei Dortmunder, die ihn daran hätten hindern sollen, sich bei diesem Eckball freizulaufen. Der vierte ist Emre Can, der zwar mit Thuram hochspringt, dessen Treffer aber nicht mehr verhindern kann. Alle anderen - potenziellen - Gegenspieler stehen mindestens zwei Meter von Thuram entfernt. Was im Amateurfußball noch als "unter Druck gesetzt" gelten mag, ist in der Bundesliga deutlich näher an "ungehindert".

Da hilft es dann eben auch nichts, wenn die Offensive phasenweise brilliert und sich eine Chance nach der anderen herausspielt, wie auch Sportdirektor Michael Zorc schonungslos festhielt: "Wenn du drei Tore durch Standardsituationen fängst, wo du einfach nicht da bist, dann braucht man sich über das Ergebnis am Ende keine Gedanken machen." Das ist das Besorgniserregende: Der BVB lässt sich nicht von der Klasse seiner Gegner überrumpeln, sondern ist einfach abwesend in diesen von Terzic als "spielentscheidend" bezeichneten Situationen.

Champions League in Gefahr

Seit zwei Wochen ist Borussia Dortmund sieglos. Das ist für gewöhnlich im Januar kein großes Problem, allerdings war der Rückrundenauftakt diesmal eben nicht das erste Spiel des Jahres, sondern bereits das fünfte. Auf Siege gegen Wolfsburg (2:0) und das überzeugende 3:1 in Leipzig folgten ein glückliches 1:1 gegen gefühlt schon als Absteiger feststehende Mainzer und danach zwei Pleiten - 1:2 in Leverkusen und 2:4 in Gladbach - gegen Konkurrenten im Kampf um die Champions-League-Plätze.

"Das müssen wir schnellstmöglich in den Griff bekommen", sagte Terzic und meinte damit zwar die Standardsituationen, seine Aussage lässt sich jedoch auch problemlos auf die Saison der Dortmunder übertragen. Denn mit defensiven Darbietungen wie in den vergangenen Wochen - erinnert sei auch an das 1:5 gegen Stuttgart - ist der BVB nicht nur definitiv kein Meisterschaftskandidat, sondern muss auch um die Qualifikation zur Champions League kämpfen.

"Das kann sich innerhalb von zwei, drei, vier Wochen wieder ändern", formulierte Julian Brandt seine Hoffnung auf Besserung. Dafür ist es allerdings unausweichlich, dass der Offensivspieler und seine Mannschaft diese eklatanten Fehler so schnell wie möglich abstellen. Diese gehen längst über vereinzelte Aussetzer hinaus, das Problem scheint viel mehr systemisch zu sein, zumindest so weit sich das von außen beurteilen lässt.

Bis das passiert, also bis Borussia Dortmund wieder anfängt, Standardsituationen auf Bundesliga-Niveau zu verteidigen, gilt daher das, was der als erster seiner Mannschaft ausgewechselte Kapitän Reus über die aktuelle Lage sagte: "Das stinkt gewaltig." Um im Bild zu bleiben: Wenn der BVB nicht zeitnah herausfindet, woher dieser Gestank kommt und wie er sich beseitigen lässt, droht eine ernüchternde Rückrunde ohne Qualifikation für die Champions League.

Quelle: ntv.de

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