Fußball

Sechswöchige Testphase Bundesliga findet wieder vor Zuschauern statt

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Im DFB-Pokal gab es in einigen Ländern bereits eine geringe Anzahl an Fans in den Stadien - das ändert sich nun.

(Foto: imago images/Jan Huebner)

Die Zeit der Geisterspiele ist vorerst vorbei: Die Bundesländer verständigen sich auf eine 20-prozentige Auslastung der Bundesliga-Stadien zum Saisonstart. Die Regelung gilt auch für andere Sportarten.

Die Bundesländer haben sich rechtzeitig zum Start der Fußball-Bundesliga an diesem Wochenende auf einheitliche Regeln zur Fan-Rückkehr geeinigt. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aus Teilnehmerkreisen verständigten sich die Chefs der Staatskanzleien auf einen sechswöchigen Testbetrieb mit Zuschauern unter Corona-Bedingungen. Die Grenze liegt bei 20 Prozent der jeweiligen Stadion-Kapazität - 1000 Zuschauer dürfen auf jeden Falls ins Stadion oder in die Halle. Denn die Regeln gelten nicht nur für Fußball, sondern etwa auch für Handball- oder Basketballspiele.

Nach diesen Informationen soll es wegen der anhaltenden Corona-Pandemie wichtige Einschränkungen geben. So sollen unter anderem keine Tickets für Fans der jeweiligen Gastmannschaften ausgegeben werden. Die Tickets werden nur personalisiert verkauft, damit eine Nachverfolgung von Infektionsketten gewährleistet wird. Vorzugsweise soll es darum vollständig digitale Lösungen im Rahmen des Ticketings geben.

Entsprechend den jeweils geltenden Landesregeln muss ein Abstandsgebot von 1,5 Metern eingehalten werden. Dies werde "insbesondere durch eine Reduktion der maximalen Zuschauerauslastung, eine Entzerrung der Besucherströme durch eine Segmentierung bei Ein- und Auslass, ein Verbot des Ausschanks und Konsums von alkoholhaltigen Getränken sowie ein Zutrittsverbot für erkennbar alkoholisierte Personen" erreicht, heißt es in dem der dpa vorliegenden Beschluss. Es werden allerdings keine Zuschauer zu Veranstaltungen zugelassen, wenn die 7-Tages-Inzidenz pro 100.000 Einwohner am Austragungsort größer oder gleich 35 und das Infektionsgeschehen nicht klar eingrenzbar ist. Am Wochenende war der DFB-Pokal eine Art Testlauf für entsprechende Hygienekonzepte.

Söder hofft auf Balance

Die jeweils zuständigen Sportverbände sollen den Testbetrieb wissenschaftlich begleiten. Dabei solle besonders auf die Problematiken der Aerosole, Verkehrslenkung, des Ticketing, Einlass und Verlassen des Stadions und die Unterschiede zwischen Hallen- und Freiluftsport eingegangen werden. Spätestens Ende Oktober soll nach dem Beschluss über die Erkenntnisse aus dem Probebetrieb und über die Überführung in einen Dauerbetrieb entschieden werden.

"Es soll eine Art Experiment werden, ein Probestart", kündigte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder an. Vor der Sitzung hatte er seine Forderung nach einer gemeinsamen Linie erneut bekräftigt. "Es kommt darauf an, dass wir eine einheitliche Regelung bekommen", sagte Söder am Rande einer Klausurtagung der CSU-Fraktion im Landtag in München. Alles andere wäre "für die Liga und die Akzeptanz sehr schwierig". Zudem gehe es nicht nur um Fußball, sondern auch um Volleyball, Handball, Basketball oder Eishockey. "Ich sage Ihnen ganz offen, ich hätte noch ein halbes Jahr ohne Zuschauer locker aushalten können", sagte Söder. Er spüre aber "den tiefen Wunsch vieler Menschen danach". Deswegen müsse man die Wünsche und die Sicherheitsinteressen in eine vernünftige Balance bringen.

Kampf ums Produkt Bundesliga

Bei aller internationalen Bewunderung für den gelungenen Neustart im Mai muss die Bundesliga weiter um die Attraktivität ihres Produkts kämpfen. Mäßige TV-Quoten bei den Geisterspielen am Saisonende sind ebenso ein Warnzeichen wie der heikle Konflikt mit den Ultras im Ringen um die Zukunft des Fußballs. Auch deshalb drängten die Liga-Macher zuletzt vehement darauf, schon zum Saisonstart die Arenen wieder zumindest für ein paar tausend Zuschauer zu öffnen. Groß ist die Sorge vor einer durch Corona beschleunigten Abkehr der Fans.

Von Normalität aber wird die Liga noch länger weit entfernt sein, wie auch die jüngsten Beschlüsse zum "Sonderspielbetrieb" zeigten: Gästefans bleiben in den Stadien verboten, bei einer regional entflammten Infektionslage können Spiele kurzfristig in andere Arenen verlegt werden, die Prüfung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Clubs im Lizensierungsverfahren wird vorerst ausgesetzt, statt drei sind weiterhin fünf Auswechslungen erlaubt. Alles, damit der Ball wieder rollen kann. "Trotz dieser Unsicherheiten können wir ja nicht ängstlich verharren", sagte DFL-Chef Seifert und betonte: "Es braucht Mut, unter diesen Rahmenbedingungen überhaupt zu starten mit dem festen Glauben, dass wir diese Saison zu Ende spielen können."

Quelle: ntv.de, mba/dpa