Fußball

Fußball-Zeitreise, 22. 12. 1949 Burgsmüller, der nackige Paradiesvogel

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(Foto: imago/Horstmüller)

Im hohen Fußballeralter von 38 Jahren wird Manfred Burgsmüller mit dem SV Werder Bremen zum ersten Mal deutscher Fußballmeister. Er gilt als einer, der auffällt, sein Selbstbewusstsein ist legendär. Heute feiert der Mann aus Essen seinen 69. Geburtstag.

Als Manfred Burgsmüller einmal zu den Gründen einer Sprunggelenkoperation gefragt wurde, antwortete er ohne mit der Wimper zu zucken: "Vor rund 25 Jahren hat mich der Schwarzenbeck umgegrätscht." Was für eine herrliche Antwort. Es kann eben nicht schaden, wenn man ein gutes Gedächtnis und ein lockeres Mundwerk hat. Heute feiert einer der größten Paradiesvögel in der über fünfzigjährigen Geschichte der Fußball-Bundesliga seinen 69. Geburtstag. Ein Magazin schrieb einmal über Burgsmüller: "Er ist ein guter Ehemann, ein zärtlicher Vater und ein exzellenter Fußballspieler".

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Das hört sich alles sehr sanft und liebevoll an. Hätte man hingegen den ehemaligen Trainer von Borussia Dortmund, Carl-Heinz Rühl, nach seinem ganz besonderen Erlebnis mit Manni im April 1979 gefragt, so hätte man sicher sein können, dass er eine etwas andere Personenbeschreibung von Burgsmüller geliefert hätte. In den damaligen schwarz-gelben Frühlingswirren hatte der junge Stürmer maßgeblich mit dafür gesorgt, dass Rühl seinen Posten bei der Borussia aufgeben musste. Burgsmüller soll damals gegenüber dem Vorstand gesagt haben: "Wenn der hier weiterarbeitet, dann steigen wir ab." Am Ende der Saison wurde Dortmund Zwölfter und Burgsmüller von nun an in der Fußball-Szene "Trainerkiller" genannt.

"Gewerkschaftsboss im Verein"

Das populäre Lästermaul der Liga, Max Merkel, ging ein Stück weiter und bezeichnete den mehrmaligen Torschützen des Monats als "Gewerkschaftsboss im Verein". Das hat Burgsmüller nie gerne gehört, aber gleichzeitig öffentlich dargestellt, wie er sich eine vernünftige Zusammenarbeit wünscht: "Ein Trainer muss sehen, dass er mit mir klarkommt. Die meisten sind dabei gut gefahren." Und nachgeschoben noch folgende, leicht modifizierte Äußerung zum gleichen Thema: "Die Trainer, mit denen ich gut ausgekommen bin, sind auch heute noch im Geschäft. Die anderen sind verschwunden."

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Auf einer Wellenlänge: Burgsmüller und Otto Rehhagel.

(Foto: imago/Laci Perenyi)

Wen Manni Burgsmüller damit insbesondere meinte, ist leicht zu erraten. Mit Bremens Trainer Rehhagel funkte er stets auf einer Wellenlänge und mit ihm erfüllte sich der Stürmer im hohen Fußballeralter noch den großen Traum von der Meisterschaft. Aus dieser Zusammenarbeit resultierte auch der denkwürdige Satz des Europameister-Coachs Rehhagel: "Es gibt keine jungen oder alten Spieler, nur gute und schlechte."

Eigentlich sollte der Mann aus Essen 1985 von Oberhausen zurück nach Dortmund, doch die an sich geheimen Verhandlungen zogen sich. Einem Journalisten, der ihn direkt auf den möglichen Transfer und einen Kontakt zu Borussias Präsidenten Reinhard Rauball, der sein Geld als Rechtsanwalt verdiente, ansprach, entgegnete er: "Eine Verkehrssache, wegen zu hoher Geschwindigkeit." Als die Umstehenden lächelten, ergänzte grinste Burgsmüller und sagte: "Ja, okay, wir haben uns unterhalten."

Doch statt zum BVB wechselte Burgsmüller vom Zweitligisten Rot-Weiß Oberhausen zum SV Werder Bremen - persönlich beobachtet und verpflichtet von Rehhagel: "Mit Bart und Schlapphut verkleidet bin ich nach Oberhausen gefahren, hab mich auf einen Stehplatz gestellt. Die Fans neben mir schwärmten von Manni. Der war körperlich noch hundertprozentig drauf. Dazu diese Leichtfüßigkeit, die Spielintelligenz. Frau Burgsmüller ist damals vom Hocker gefallen, doch dem Manni habe ich etwas geschenkt, das ist einmalig. Der wollte aufhören und wurde zwei Jahre später Deutscher Meister. Sein erster Titel."

"Würdest du dich nackt fotografieren lassen?"

Dass die beiden miteinander so gut zurechtkamen, lag vermutlich daran, dass sie bei der Arbeit Spaß hatten. So wettete Burgsmüller einmal mit Rehhagel darum, dass er beim Sprinttraining schneller sei als Rune Bratseth. Als Lohn sollte sich der Gewinner eine schöne Krawatte aussuchen dürfen. Burgsmüller sprach sich mit dem Norweger ab, gewann das Duell und kaufte sich eine Krawatte für 600 Mark. Zähneknirschend zahlte Rehhagel und bemerkte erst am Gejohle der Spieler, dass er veräppelt worden war.

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Ein Rebell wollte er nicht sein.

(Foto: imago sportfotodienst)

"Ein Engel bin ich bestimmt nicht. Ein Rebell aber auch nicht", sagte Burgsmüller irgendwann einmal und beschrieb sich damit schon sehr passend. Vor allem war und ist der gebürtige Essener aber einer, der nicht auf den Mund gefallen ist. Als der Leser des "Fußball-Magazin", Roland M. aus 8930 Schwabmünchen, ihn offenherzig fragte - "Würdest du dich nackt fotografieren lassen?" - entgegnete Burgsmüller: "Fürs Familienalbum schon, für andere Zwecke nicht." Die passenden Worte zum heutigen Geburtstag hat schon vor vielen Jahren Rehhagel gefunden: "So einen Mann muss ich lieben. Ich will das mal mit der Oper vergleichen. Manni war bis zuletzt ein großartiger Sänger. Etwas älter zwar, aber noch immer mit einer sehr guten Stimme. Und er hat uns so herrliche Arien gesungen." In diesem Sinne: Alles Gute zum Geburtstag und Glück auf!

Quelle: n-tv.de

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