Fußball

War's das für die Ära Guardiola? CL-Bann ist für Man City ein Desaster

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Herrje, der Europa-Bann trifft Josep Guardiola und seine Citizens hart - mit derzeit kaum abzusehenden Folgen.

(Foto: imago/Jan Huebner)

Das mit aberwitzig vielen Millionen aufgepeppte Manchester City wird von der überraschend konsequenten Uefa für zwei Jahre vom Europapokal ausgeschlossen. Dieser Bann stellt den Verein vor gewaltige Probleme - sportlich und finanziell.

Manchester City verlassen? Daran verschwendet Josep Guardiola keinen Gedanken, das hat er in den vergangenen Wochen mehrfach betont. Gefragt wurde er immer wieder, weil zu befürchten steht, dass der katalanische Star-Trainer nach vier Jahren in England die Lust an seiner Arbeit verlieren könnte. Länger als vier Jahre war er schließlich noch nie bei einem Klub, zudem wurden Guardiola und City in der Premier League von Klopps entfesseltem FC Liverpool zu Statisten im Titelkampf degradiert. Und trotzdem hatte der Perfektionist Guardiola stets seine Loyalität betont. Sein Fokus, der Fokus des Klubs und auch der seiner Besitzer aus Abu Dhabi liegt trotz der jüngsten beiden Rekordmeisterschaften ohnehin nicht auf der Premier League. Er gilt dem Premieren-Triumph in der Champions League, der den Klub vom Ruch des Geldadels befreien und unter den Großen des europäischen Fußballs etablieren soll.

Doch auf dem Weg zur ersehnten Königsklassen-Erlösung wartet im Achtelfinale eine höchst komplizierte Aufgabe, das Schwergewichts-Duell mit Rekordsieger Real Madrid. Und sollte der Kampf mit einem City-Knockout enden, könnte es für Guardiola eng werden und sein Rauswurf drohen - fürchtete zumindest Guardiola. "Wenn wir sie nicht schlagen, kommt der Vorstand oder der Sportdirektor und sagt: Das ist nicht gut genug, wir wollen die Champions League, ich werde dich entlassen", sagte der 49-Jährige gerade erst zu Sky Sports. Wahrscheinlich ist eine Entlassung nicht. Folgenreich wäre das Aus dennoch.

Sein unfreiwilliges Exit-Szenario hat Guardiola für sich gezeichnet, bevor die Europäische Fußball-Union (Uefa) den Citizens mit einem historischen Urteil schmerzhaft in die CL-Titelträume grätschte - und ein weiteres Exit-Szenario möglich scheinen lässt, das für City weitaus mehr als den Verlust seines Trainerstars und Aushängeschildes bedeuten könnte. Am Freitag verkündete die Uefa ihre überraschende weil überraschend konsequente Entscheidung, dass die "Skyblues" zwei Jahre aus der Champions League ausgesperrt werden. Der Grund: eklatante Verstöße gegen das Financial Fairplay (FFP), das von City mit geheimen Millionenzahlungen aus Abu Dhabi jahrelang sabotiert wurde. Es ist das erste Mal, dass die Uefa die seit 2011 geltenden FFP-Regeln gegen einen aktuellen Großklub und Champions-League-Dauergast konsequent anwendet.

Vorwürfe gegen Paris St. Germain, aber keine Beweise

Für den europäischen Fußball ist die bislang härteste verhängte FFP-Strafe ein abschreckendes Signal, obwohl sie durch die Football-Leaks des "Spiegel" erst nachträglich zustande kam und City die FFP-Prüfungen zunächst ohne CL-Bann überstanden hatte - wie übrigens auch Paris St. Germain, das die Regeln ebenfalls seit Jahren ad absurdum zu führen scheint, gegen das die Financial-Fairplay-Ermittler bislang aber nichts Belastbares vorzuweisen haben.

Für Manchester City ist der Schuldspruch weit mehr als ein Signal. Er ist ein Wirkungstreffer, der den Klub nachhaltig verändern, ihn perspektivisch wieder schrumpfen könnte, wenn Citys angekündigter Einspruch vor dem Sportgerichtshof Cas erfolglos bleibt. Die neben der Europapokal-Sperre verhängte Geldstrafe von 30 Millionen Euro klingt angesichts des aberwitzigen Reichtums von City-Eigentümer Scheich Mansour bin Zayed Al Nahya zunächst nach Peanuts. Sie dürfte, wenn sie vom Klub bezahlt werden muss, die Bilanz schwer belasten, da dem Verein durch den CL-Bann weitere enorme Einnahmeverluste drohen.

In englischen Medien wurden die Verluste an Antrittsgeldern, Prämien, TV- und Sponsoren-Einnahmen für zwei Jahre ohne Königsklassen-Fußball auf 200 Millionen Euro hochgerechnet. Viel Geld für einen Klub, der einen Champions-League-Kader ohne Champions-League-Millionen finanzieren und dabei die FFP-Regularien einhalten muss. Zudem könnte Man City auch die Premiere der Klub-WM 2021 verpassen, bei der allen Teilnehmern fast 50 Millionen Dollar Antrittsgeld garantiert sind - und der Gewinner auch noch 115 Millionen Dollar Siegprämie erhalten soll.

Verlust der sportlichen Attraktivität

Was den Verein als Marketing-Vehikel eines Öl-Staats mindestens ebenso hart trifft, ist die Verbannung aus dem europäischen Rampenlicht. Sie raubt City zumindest temporär jede internationale sportliche Attraktivität, was für einen Starcoach wie Guardiola und kickende Megastars wie einen Kevin de Bruyne, einen Raheem Sterling, einen Ilkay Gündogan oder Leroy Sané zum K.-o.-Kriterium werden und City langfristig sportlich schwächen könnte. Denn sie alle arbeiten bei City für üppige Millionengehälter, aber auch für Titel, für internationale Reputation. Anreize, die auch anderswo geboten werden. Auf der Insel sowieso, aber auch in Spanien bei Real Madrid und dem FC Barcelona, bei Juventus Turin, beim FC Bayern und natürlich bei Paris St. Germain.

Was die Sperre tatsächlich für die Zukunft von Guardiola und den Topspielern bei City bedeutet, lässt sich schwer voraussagen. Denkbar ist, dass sich einige Stars und der Trainer - ähnlich wie beim Zwangsabstieg von Juventus Turin - aus Trotz zu City bekennen und mindestens eine weitere Saison bleiben, zumal ein Königsklassen-Start für den Verein in der kommenden Saison auch bei einer Bestätigung der Sperre nicht ausgeschlossen ist. Er wäre nämlich dann möglich, wenn über Citys angekündigten Einspruch vor dem Cas beim Start der neuen Champions-League-Saison noch nicht entschieden ist, was angesichts der Dauer vorheriger Cas-Verfahren durchaus realistisch erscheint.

Sicher ist, dass City seinen auf die Königsklasse ausgelegten Star-Kader bei einer Bestätigung der Sperre reichlich ausdünnen müsste - schon um angesichts der drastischen Einnahmeverluste auch seine Ausgaben zu reduzieren. Der Vertrag von Guardiola läuft noch bis 2021, angeblich hat der Spanier aber bereits für den Sommer 2020 eine Ausstiegsklausel - und könnte sich durchaus für eine neue Aufgabe bei einem ähnlich ambitionierten Verein mit CL-Startrecht entscheiden.

Ein Szenario, das Guardiola laut ESPN aber vor allem für einige Stars befürchtet, das für die Uefa aber ein anderes Horror-Szenario nicht bannen würde. Das nämlich, dass City in dieser und/oder eventuell auch der nächsten Saison tatsächlich zum ersten Mal den Titel im Uefa-Premiumwettbewerb Champions League gewinnt - und dann als erster Verein der Wettbewerbsgeschichte seinen Titel nicht verteidigen darf, weil er eigentlich gar nicht hätte teilnehmen dürfen. Es wäre historische Fußball-Ironie - nach einem historischen Urteil.

Quelle: ntv.de