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Plötzliche Demut beim FC Bayern Cuisance, das Mentalitäts-Fragezeichen

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Ein Typ mit einer "super Mentalität" oder übertrieben selbstbewusst - an Mickaël Cuisance scheiden sich die Geister.

(Foto: Pool via REUTERS)

Mickaël Cuisance könnte die Komplettlösung für alle offensiven Probleme des FC Bayern sein. Zumindest bringt der 20 Jahre alte Franzose alles mit, um die Zukunft des deutschen Meisters zu prägen. Das zumindest sagt der Sportdirektor. Bei Cuisances Ex-Klub reden sie dagegen anders.

Mickaël Cuisance ist sehr kreativ. Mickaël Cuisance hat eine sehr gute Technik. Mickaël Cuisance hat eine sehr gute Spielidee. Mickaël Cuisance spürt auch auf engem Raum keinen Druck. Und im linken Fuß von Mickaël Cuisance da ist so "richtig Musik drin". Das sagte Hasan Salihamidzic. Er ist - mittlerweile - stolzer Kaderplaner und Sportdirektor des FC Bayern. Vermutlich also ist dieser Cuisance ein Fußballer von Weltformat. Immerhin zehn Millionen Euro hat er gekostet. Das ist auf dem Transfermarkt 2019 allerdings eine eher mickrige Summe. Erst Recht für einen jungen Fußballer von vermutetem Weltformat. Wer das vermutet, das ist eine Frage, die diesen überraschenden Transfer von Borussia Mönchengladbach nach München begleitet. Wobei die Frage, die es zu beantworten gilt, eine andere ist: Was für eine Mentalität hat dieser junge Franzose?

In Mönchengladbach haben sie diese Frage für sich klar beantwortet. Cuisance hat eine Mentalität, die nicht zum Verein passt. "Für uns war der Transfer unabdingbar. Ich hatte den Eindruck, dass die Borussia für ihn zu klein geworden ist", erklärte Trainer Marco Rose. Der Spieler habe "einige Verhaltensweisen an den Tag gelegt, die er bei seinem neuen Arbeitgeber sicher nicht an den Tag legen wird". Konkreter wurde der neue Coach nicht.

Sportdirektor Max Eberl hatte in den Tagen vor dem Wechsel vielsagender erklärt: "Wir führen seit vielen Wochen Gespräche mit dem Spieler und seinem Management. Es ist überraschend für mich, dass die Unzufriedenheit so groß ist bei einem 19-Jährigen, dass er eine Stammplatz-Garantie fordert, die kein Spieler bei uns hat." Am Ende sei gar von der Seite des Spielers auf eine Art und Weise Druck ausgeübt, der "unangehm war." Noch überraschter war Eberl davon, dass Cuisance seinen Wunsch nach Spielzeit nun beim Rekordmeister sucht. "Das ist ja nicht meine Entscheidungsfindung. Ein junger Spieler muss spielen, und ich glaube, dass die Bayern einen hervorragenden Kader haben. Da wird es für einen jungen Spieler nicht einfacher zu spielen als bei uns." Sportlich aber, das betonte Eberl, bereue er den Abgang natürlich.

Von all diesen Ambitionen ist beim jungen Franzosen an diesem Dienstagmittag nichts mehr zu hören. Bei seiner Vorstellung als angestellter Fußballer in München sagt er in sehr kurzen Sätzen: "Ich bin glücklich bei Bayern München zu sein. Ich will hart arbeiten, gut trainieren, mich anpassen und alles geben, um mit der Mannschaft die Saisonziele zu erreichen." Den Gladbachern, denen sei er "dankbar" für die Möglichkeit, Bundesliga zu spielen. Und die Sätze von Rose und Eberl, die würden ihn auch nicht ärgern.

Eine "super Mentalität"

Sehr demütig ist das. Und so darf sich Salihamidzic in seiner zuvor wiederholt betonten Einschätzung der "super Mentalität" des Spielers bestätigt fühlen. "Ich möchte das auch nicht kommentieren. Wir haben ein sehr gutes Verhältnis zu Gladbach. Ich freue mich, dass er bei uns ist, alles andere ist Vergangenheit", sagte der Sportdirektor. Die Unzufriedenheit des Spielers, dessen Wechsel die Münchner übrigens am 20. Geburtstag Cuisances verkündeten, rührte vor allem aus der vergangenen Saison. In lediglich 14 Spielen wurde er eingesetzt. Nur ein einziges Mal spielte er von Beginn an. Er schoss ein Tor, zwei bereitete er vor. Trainer, Mitspieler und Fans nervte er nur allzu oft mit seinen egoistischen, manchmal arroganten Tricksereien.

Wie ein Absturz fühlte sich das offenbar für ihn an. Denn sein Debütjahr in Deutschland zuvor war so vielversprechend. 27 Mal war er aufgelaufen. Er bereitete zwei Treffer vor, war gar "Spieler der Saison". Gerne verlängerte er den Vertrag bis 2023. "Es bedeutet mir sehr viel, und ich bin sehr zufrieden bei dem Klub, der mir die Möglichkeit gegeben hat, Profi zu werden, verlängert zu haben. Es liegt jetzt an mir, die Geschichte weiter zu schreiben, mich weiter zu verbessern und weiter hart an mir zu arbeiten", sagte Cuisance damals.

Gearbeitet hat er fortan allerdings vor allem an seinem Image. Und das nicht sehr positiv. Während die "Bild"-Zeitung über die Außendarstellung bei Instagram und Co. schrieb, dass Cuisance sich als "Schnösel inszeniert", sorgte er im August des vergangenen Jahres wegen Fahrens ohne Führerschein für Aufregung - ein paar Tage später postete er trotzdem ein Foto am Steuer. Gegen den Strafbefehl legte er Einspruch ein. Erst sieben Monate später, einen Tag vor der Verhandlung, lenkte er ein, zog den Einspruch zurück und akzeptierte die Strafe von 10.500 Euro. Fahren ohne Führerschein, Vergangenheit bei Borussia Mönchengladbach, ein sehr guter Fußballer - das hat's alles schon gegeben. Allerdings ist sein Vorgänger Marco Reus weit weniger bekannt für übertrieben großes Selbstbewusstsein.

Anders als die in den vergangenen zwei Transferphasen ebenfalls für einige Millionen Euro verpflichteten Talente Alphonso Davies (10 Millionen) und Fiete Arp (drei Millionen) soll Cuisance nicht erst schrittweise an die neue Aufgabe herangeführt werden. "Er hat gezeigt, dass er sich in der Bundesliga durchsetzen kann", sagte Salihamidzic. Es war eine voreilige Antwort auf die Frage an den Fußballer, woher dessen Glaube komme, sich in München durchzusetzen. Bloß keine mentalitätsschadene Antwort riskieren. Und so sagte der Sportdirektor noch: "Da braucht man sich keine Sorgen machen. Er ist mutig und zeigt, was für ein Spieler er ist. Natürlich hat er das gesunde Selbstvertrauen, sich hier durchzusetzen." Das erwartet Salihamdizic aber natürlich auch von Davies und Arp. "Sie sollen die Zukunft des FC Bayern sein."

Gibt der FC Bayern Sanches doch noch ab?

Die neue Nummer elf

Mickaël Cuisance bekommt beim FC Bayern die Nummer elf. Zuvor haben diese Trikot beim FC Bayern unter anderem James Rodriguez, Douglas Costa, Xherdan Shaqiri, Ivica Olic, Lukas Podolski, Ze Roberto, Stefan Effenberg und Bixente Lizarazu getragen.

Ein bisschen weniger gilt das fortan wieder für Renato Sanches. Der Portugiese, einer von sehr vielen Positionskonkurrenten für Cuisance im nun üppig besetzten Mittelfeld, ist unzufrieden mit seinen Einsatzzeiten. Im Supercup bei Borussia Dortmund (0:2) durfte er nur rund 20 Minuten ran. Sein Pokalspiel bei Energie Cottbus (3:1) war trotz guter Leistung nach gut einer Stunde beendet. Und gegen Hertha BSC zum Start der neuen Bundesliga-Saison bekam er nicht einmal 480 Sekunden. "Fünf Minuten wie heute (Anmerk. d. Red.: Mit Nachspielzeit waren es acht Minuten), das ist nicht genug für mich", sagte er am Freitagabend nach dem 2:2-Unentschieden gegen Berlin. "Die Situation ist nicht gut für mich - weil es zum zweiten Mal dasselbe ist bei mir. Ich habe den Klub erneut gebeten, zu einem anderen Verein wechseln zu dürfen. Doch sie haben mich nicht gehen lassen." Der Wunsch besteht aber immer noch. Das betonte Sanches.

Und eine Transferwende beim unzufriedenen Europameister scheint nicht ausgeschlossen. Salihamidzic legte sich nun bei der Vorstellung des französischen Junioren-Nationalspielers auf Nachfrage nicht mehr fest, dass der 22 Jahre alte Sanches sicher beim Rekordmeister bleibt. "Renato hat am Anfang der Saison gleich drei Einsätze gehabt. Deswegen habe ich seine Äußerung nicht so richtig verstanden." Wie es nun weitergeht? "Wir lassen uns auf dem Transfermarkt bis zum 2. September alle Optionen offen. Mehr möchte ich nicht sagen." Auch Mickaël Cuisance dürfte das aufmerksam registriert haben.

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Quelle: n-tv.de

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