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"Alle hatten Spaß" in EM-Quali DFB-Team feiert Umbruch, Sorg vermisst Löw

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Da schau her: Das DFB-Team ist wieder richtig in der Erfolgsspur.

(Foto: dpa)

Wer hätte das gedacht: Mit Marcus Sorg auf der Bank gewinnt die deutsche Fußball-Nationalelf in der EM-Qualifikation hoch gegen Estland und dazu noch die Zuneigung des Publikums. Doch der Ersatzmann betont, dass Joachim Löw selbstverständlich der Mann sei, der vorangehe.

So viel gute Laune gab es schon lange nicht mehr. Profis, die 90 Minuten lang Freude am Spiel zeigten und acht Tore schossen, ein Publikum, das begeistert war, das auch zeigte und am Ende mitsang, als nach der Partie das wohl immer noch unvermeidliche "Oh, wie ist das schön" durch die Lautsprecher tönte. Joshua Kimmich lag schon richtig, als er nach dieser Sause sagte: "Alle hatten Spaß - bis auf den Gegner."

Deutschland - Estland 8:0 (5:0)

Deutschland: Neuer - Kehrer, Ginter, Süle, Schulz (46. Halstenberg)– Kimmich, Gündogan, Goretzka - Sané, Gnabry, Reus
Estland: Lepmets - Kams, Vihman, Teniste, Mets, Pikk - Dmitrijev (59. Käit), Pur, Tamm, Vassiljev - Zenjov (71. Ojaama)
Schiedsrichter: Ali Palabiyik (Türkei)
Zuschauer: 26.050 in Mainz (ausverkauft)
Gelbe Karten: - Tamm
Tore:
1:0 Reus (10.), 2:0 Gnabry (17.), 3:0 Goretzka (20.), 4:0 Gündogan (27., FE), 5:0 Reus (37.), 6:0 Gnabry (62.), 7:0 Werner (79.), 8:0 Sané (88.)

Mit 8:0 (5:0) hat die deutsche Fußball-Nationalmannschaft am Dienstagabend vor 26.050 Zuschauern im ausverkauften Mainzer Stadion gegen Estland gewonnen. Damit kommt sie nach dem 3:2 in den Niederlanden Ende März und dem 2:0 in Weißrussland am Samstag auf neun Punkte aus den ersten drei Qualifikationsspielen zur ersten pankontinentalen Europameisterschaft im Sommer kommenden Jahres. Dass das DFB-Team in der Gruppe C trotzdem nicht auf Platz eins steht, liegt daran, dass Nordirland ein Spiel mehr absolviert und die auch noch alle gewonnen hat.

Ein bisschen komisch ist der Spielplan schon, den sich die Uefa da ausgedacht hat. Die Niederländer zum Beispiel haben erst zweimal gespielt. Aber wie sagte es Aushilfstrainer Marcus Sorg: "Es ist wie es ist. Wir haben keinen Einfluss auf die Regularien." Das war aber das einzige, was er zu bemängeln hatte. Ansonsten war er, der den sportverletzten Bundestrainer Joachim Löw in Borissow und nun in Mainz vertrat, "erleichtert, sehr zufrieden und auch ein wenig stolz" dass die Spieler "nach einer langen, kräftezehrenden Saison" das alles so prima gemacht "und den Menschen Freude bereitet" hatten. "Wir wollten der Ursprung für die Begeisterung sein, das ist uns in der ersten Halbzeit sehr gut gelungen." Dann dennoch nach der Pause nicht nachzulassen, das sei "nicht selbstverständlich".

Sie chippten und tricksten, dribbelten und passten, dass es eine helle Freude war. Marco Reus erzielte zwei Treffer, den zum 1:0 in der 10. und den zum 5:0 in der 37. Minute, Serge Gnabry besorgte das 2:0 (17.) und das 6:0 (62.). Zudem trafen Leon Goretzka zum 3:0 (20.), Ilkay Gündogan per Foulelfmeter zum 4:0 (26.), der eingewechselte Timo Werner zum 7:0 (79.) und schließlich noch Leroy Sané zum 8:0 (88.). Das mit der Freude, das war Sorg sehr wichtig, mehrmals betonte er das. Dazu muss man wissen, dass in der jüngeren Vergangenheit der wichtigsten deutschen Fußballmannschaft nicht immer alles so rund lief und die Menschen ganz und gar nicht erfreut waren.

"Ich bin kein Bundestrainer"

Das hatte sich vor ziemlich genau einem Jahr angedeutet, als die DFB-Elf am 2. Juni 2018 nicht nur in Klagenfurt ein Unwetter überstehen musste, sondern auch - Stichwort: dunkle Wolken - mit 1:2 in Österreich verlor. Nur hat das seinerzeit kaum einer erkannt, nicht die Trainer, nicht die Spieler. Und auch die nicht, die darüber berichteten, auch nicht nach dem mühevollen 2:1 über Saudi-Arabien wenige Tage später in der letzten Partie vor der Weltmeisterschaft. Sind ja nur Testspiele, hieß es. Was dann in Russland folgte, war ein Desaster, Aus in der Vorrunde und die hässliche Affäre um und mit Mesut Özil. Danach hatten viele, man muss es so sagen, die Schnauze voll von der Nationalelf. Es hat dann ein bisschen gedauert, das Team stieg im Herbst vergangenen Jahres aus der Eliteklasse der Nations League ab, aber nach dem ernüchternden 0:3 in den Niederlanden Mitte Oktober hat der Bundetrainer dann nicht mehr nur von Umbruch geredet, sondern auch etwas dafür getan.

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Hätte gerne wieder "den Jogi" an seiner Seite: Aushilfs-Bundestrainer Marcus Sorg.

(Foto: imago images / Jan Huebner)

Als er dann Anfang März den Weltmeistern Thomas Müller, Jérôme Boateng und Mats Hummels mitteilte, dass er ohne sie plant, war klar, dass Löw es ernst meint. Er will es noch einmal wissen, noch einmal eine Mannschaft mit jungen Spielern so weit entwickeln, dass sie um Titel mitspielen kann. Deshalb sagte sein Assistent Sorg auch auf die Frage, ob es eine Bedeutung für ihn habe, als der Bundestrainer in die Historie einzugehen, der aus zwei Spielen mit sechs Punkten und 10:0 Toren herausgeht: "Ich gehe nicht in die Geschichtsbücher ein, weil ich bin kein Bundestrainer."

Viel mehr geht nicht

So radikal soll der Umbruch dann doch nicht sein. Dabei wäre Sorg bestimmt ein guter Chef, zum Königsmörder aber taugt er nicht - was ja nicht gegen ihn spricht. Es war ihm wichtig, zu betonen, dass er nur eingesprungen ist, für den Mann, "der vorangeht, an dem sich alle orientieren". Es sei alles gut gelaufen, er kenne ja auch seine Spieler, aber: "Er hat gefehlt." Gleich nach der Fragerunde mit den Journalisten werde er Löw anrufen und berichten.

*Datenschutz

Der dürfte das Spiel zu Hause in Freiburg am Fernsehen gesehen haben und so zufrieden sein wie sein Assistent. Und auch wenn beide wissen dürften, dass ein spielerisch so limitierter und heillos überforderter Gegner wie die Esten nur bedingt als Gradmesser für die sportliche Leistungsfähigkeit der eigenen Mannschaft taugt, bleibt ja die Erkenntnis, dass sie das Beste daraus gemacht hat. Viel mehr geht nicht.

Sorg formulierte das so: "Jeder Sieg hilft bei der Entwicklung einer Mannschaft. Das tat jetzt richtig gut." Wie das mit dem Umbruch weitergeht, wird dann im September zu sehen sein. Am 6. des Monats steht das Heimspiel gegen die Niederlande an. Und am 9. spielt die deutsche Mannschaft gegen Nordirland. Und, wie geht's aus? Auch da blieb Sorg so zurückhaltend wie stets: "Wir wollten uns in der Qualifikation souverän präsentieren, das ist uns bisher gelungen. Aber Prognosen anzugeben, das ist immer schwer." Doch die Laune, die ist erst einmal sehr gut bei der deutschen Mannschaft und bei denen, die zu ihr halten. Und das ist in diesen Zeiten viel wert.

Quelle: n-tv.de

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