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Rote-gelbe Farben im Dresdner Fanblock.
Rote-gelbe Farben im Dresdner Fanblock.(Foto: REUTERS)
Mittwoch, 02. November 2011

Eine Strafe wie ein Zwangsabstieg: DFB macht Dresden zum Bauernopfer

ein Kommentar von Roland Peters

Der DFB-Kontrollausschuss will Dynamo Dresden vom Pokalwettbewerb ausschließen, wegen der Randale in Dortmund. Der Verband sucht eine Plattform, darauf steht das Bauernopfer in Gestalt des Fußball-Zweitligisten. Die Strafe wäre völlig überzogen - und bräche Dresden das Genick.

Der Kontrollausschuss des DFB beantragt den Ausschluss von Dynamo Dresden aus dem DFB-Pokal in der kommenden Saison. Sollte das DFB-Sportgericht sich dafür entscheiden, rechnet der Fußball-Zweitligist mit fehlenden Einnahmen von mindestens 1,5 Millionen Euro. Der Klub hat seit langem ein Problem mit gewaltbereiten Anhängern, das ist bekannt. "Die Entwicklung ist erschreckend. Mit verbaler Gewalt wie Hassgesängen fängt es an, geht weiter über den gefährlichen Einsatz von Pyrotechnik bis zu direkter Gewalt", sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger nach der Partie bei Borussia Dortmund.

In der Tat, "direkte" Gewalt, gemeint ist hier wohl körperliche Gewalt, ist nicht tolerierbar. Zwei Polizisten wurden bei der Randale beim Deutschen Meister verletzt. Es ist selten, dass sich der Chef des größten Sportverbandes der Welt zu einem einzelnen Ereignis äußert. Doch warum die Aufmerksamkeit?

Öffentlichkeit wirkt

Weil das Spiel im Fernsehen übertragen wurde. Dort gab es trotz – oder wegen – der Spielunterbrechungen eine fantastische Einschaltquote für das Produkt DFB-Pokal. Öffentlichkeit wirkt. Nun verfallen Funktionäre und Politiker in Aktionismus: Forderungen kommen von allen Seiten, ein runder Tisch am 14. November, mit Stühlen für das Bundesinnenministerium und den entsprechenden Ressorts der Länder sowie den DFB soll Ergebnisse bringen oder als richtig abnicken.

Der Verein soll für seine Anhänger bestraft werden.
Der Verein soll für seine Anhänger bestraft werden.(Foto: REUTERS)

Der Deutsche Fußball-Bund sieht eine Plattform, ebenso die beteiligten Politiker. Der Verband will sich als handlungsfähig präsentieren, fürchtet wohl auch ein Stück weit um seine Autonomie, die Hoheit in den Stadien der Republik und das Wohlwollen der Entscheidungsträger gegenüber dem Volkssport Fußball. Aber der Verband handelt an falscher Stelle, mit einem falschen Signal. Und Dynamo Dresden ist das Bauernopfer.

Vor der Weltmeisterschaft 2006 wurde die Zahl der Polizisten in den Bundesligen signifikant erhöht. Um negative Presse zu vermeiden, und Beamten die Möglichkeit zur Übung ihres Verhaltens bei Sportereignissen zu geben. Das Fußball-Magazin "11 Freunde" hat kürzlich eindrucksvoll dargelegt, wie dieses Mehr an Einsatzkräften bei Fußballspielen vermutlich zu einem Mehr an Straftaten geführt hat.

Die Spirale in Richtung Eskalation dreht sich. Nun soll sie mit einer drakonischen, unverhältnismäßigen, ja, diskriminierenden Strafe gestoppt werden. Dem Fußball bringt das jedoch nichts, sondern eher den Innenpolitikern, die sich der DFB pressewirksam an seine Seite holt. Die nehmen das Angebot gerne an, um öffentlich über vermeintlich nötige Sicherheitsmaßnahmen und –versprechen ihr Profil zu schärfen.

Gebeutelt genug

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Verein Dynamo Dresden ist gebeutelt genug: von der Uefa-Pokal-Sperre zur Wendezeit, über das Desaster um den Bauunternehmer Jürgen Otto in den bislang letzten Jahren in der 1. Bundesliga, bis hin zum Knebel-Mietvertrag mit der Stadt, der den achtmaligen DDR-Meister auf Dauer nur in den oberen beiden Spielklassen überlebensfähig macht.

In anderen Fällen von Gewaltausbrüchen im Zusammenhang mit Fußballpartien passiert entweder nichts – oder es werden Geldstrafen ausgesprochen. Das Schlimmste waren bislang "Geisterspiele", bei denen den Fans weggenommen wird, wofür sie Wochenende für Wochenende durch Deutschland reisen: das Live-Erlebnis Fußball. Das wäre auch hier die richtige Maßnahme.

Der befürchtete Einnahmeausfall im Falle eines Ausschlusses aus dem deutschen Vereinspokal würde mehr als ein Drittel des Etats 2011/2012 für Spielerkader, Trainer und Betreuer betragen. Er käme fast einem Zwangsabstieg aus der 2. Fußball-Bundesliga gleich. Will das DFB-Sportgericht das? Dann soll es die beantragte Strafe gegen Dynamo Dresden aussprechen. Das Gewaltproblem löst sie nicht.

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Quelle: n-tv.de

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