Fußball

Fußball-Zeitreise, 4.1.2015 Damenbesuch versüßt öde Trainingslager

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Franz Beckenbauer hat ganz besondere Erinnerungen an einen Besuch in der Sportschule.

(Foto: imago/Sven Simon)

Vor fünf Jahren sorgt der MSV Duisburg für Schlagzeilen, als bekannt wird, dass der Verein kurzfristig sein Hotel umgebucht hat. Der Grund ist ein schöner und absolut nachvollziehbarer - wenn man denn einmal alte Trainingslager-Geschichten Revue passieren lässt!

400 leicht bekleidete Damen in einem einzigen Hotel? Eigentlich eine durchaus angenehme Vorstellung. Doch das sah der Teammanager des MSV Duisburg Anfang Januar 2015 komplett anders. Als er Wind davon bekam, dass russischen Models im selben Hotel in Antalya zeitlich parallel zum Trainingslager der Meidericher einen Schönheitswettbewerb abhalten wollten, disponierte der gute Mann sofort um. Denn er hatte so seine Befürchtungen: "Wir wollen uns ja in aller Ruhe auf die Frühjahrsserie vorbereiten können." Was genau die Ruhe hätte stören können, führten zwar weder der Teammanager noch der Sportdirektor Ivica Grlic genauer aus - doch alte Hasen der leichten Fußball-Unterhaltung können so manche Trainingslager-Geschichte erzählen, bei denen schnell klar wird: Die Sorgen der MSV-Offiziellen kamen nicht aus dem luftleeren Raum.

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Bochum-Trainer Rolf Schafstall hatte seine ganz eigene Meinung. Zumindest, was die eigene Frau betraf.

(Foto: imago/Oliver Hardt)

Bereits im Jahr 1984 wusste der neue Teamchef der Nationalmannschaft, Franz Beckenbauer, präzise was zu tun ist, um negative Erlebnisse zu vermeiden. Neben rein sportlichen Aspekten seien vor allem die ausschweifenden Damenkontakte in der Vergangenheit der Grund dafür gewesen, warum man beim DFB die Auswahl der Unterkünfte von nun an ändern wolle, erzählte Beckenbauer. Statt in große Hotels sollte es fortan wieder in Sportschulen gehen. Der neue Teamchef formulierte seine Beweggründe zwar zurückhaltend, aber dennoch eindeutig: "Weil Sportschulen für die intensive Vorbereitung einer Mannschaft besser geeignet sind. Man kann dort mit den Spielern ruhiger und ungestörter arbeiten." Allerdings musste der "Kaiser" anschließend bei einer der nächsten Fragen, als es darum ging, wo Beckenbauer seine jetzige Frau kennenge- lernt habe, schmunzelnd eingestehen: "Das passt ja: in einer Sportschule. Sie war dort Angestellte im Büro."

Nicht nur Spieler treiben es bunt

Durchaus nicht ungewöhnlich, dass nicht nur die Spieler bei Trainingslageraufenthalten dazu neigen, über die Stränge zu schlagen. Das zeigt auch eine andere pikante Geschichte. Rolf Schafstall war damals Coach des VfL Bochum, als ein Dokumentarfilmer von ihm wissen wollte, warum man denn nicht die eigenen Frauen zum Arbeiten mit in die Sonne nähme ("Da gibt es ein bisschen gemeinsame Zeit und auch ein schöneres Klima").

Schafstall reagierte auf diese Idee fast schon brüskiert: "Nein, ich mein’, das ist überzogen. Wir haben da einen knallharten Job. Von uns wird etwas verlangt, wir müssen Punkte machen, müssen in der Tabelle etwas erreichen. Wir wollen in der Bundesliga, gerade wir, speziell der VfL Bochum, bleiben. Da sind dann alle anderen Dinge Nebensächlichkeiten. Frauen gehören eben an den heimischen Herd, dürfen zu Hause bleiben, und wir Männer wollen dann schon ganz gerne unter uns sein!"

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Dass das allerdings nur für die eigenen Frauen galt, berichtete Jahre später ein Sportmagazin aus dem Boulevardbereich. Schafstall war kurz zuvor in Düsseldorf entlassen worden - offenbar weil man ihm vorwarf, heimlich eine Affäre ins Trainingslager eingeschleust zu haben. Raus kam die Geschichte, weil die Frau des Vizepräsidenten einen Tag vor dem Team angereist war und für sich und die Kinder ein Zimmer mit angeschlossenem Nachbarraum verlangt hatte. Der war jedoch bereits an die Masseure vergeben, die dort ein Behandlungszimmer einrichten wollten. Als daraufhin die Frau wütend den kompletten Belegungsplan durchging, fiel ihr ein "Herr Krüger" auf, den niemand kannte und der sich recht bald als "Frau Krüger" herausstellte. Delikat: Diese Dame war der Mannschaft bereits von anderen Auswärtspartien bekannt. Kurz darauf wurde Trainer Schafstall entlassen, und in Düsseldorf begann eine öffentliche Schlammschlacht.

"Westerland ist schon ein heißes Pflaster"

Übrigens: Bevor Schafstall in den 80er-Jahren Trainer beim VfL Bochum wurde, hatte der Klub ganz neue Wege bestritten und war mit den Frauen und Kindern der Spieler im Sommer 1978 zwei Wochen lang ins Trainingslager auf Sylt gefahren. "Wer nicht fortschrittlich, nicht modern genug denkt, der kommt nicht weiter", verkündete der stolze Präsident Ottokar Wüst damals. Hinter vorgehaltener Hand gab er anschließend aber auch noch einen anderen Grund für den Familienausflug preis: "Westerland ist schon ein heißes Pflaster. Da ist es besser, wenn die Herren unter der Obhut ihrer Damen stehen!" Wie weise. Doch wie wir heute wissen: Durchgesetzt hat sich das nicht.

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Duisburgs Peter Közle nutzte die Nächte im Trainingslager nicht nur zur Erholung.

Abschließend noch einmal zurück zum MSV Duisburg und den 400 Models, die im Januar 2015 parallel mit den Spielern im Hotel verweilen sollten. Die vorauseilende Prophylaxe der Meidericher Verantwortlichen in allen Ehren - doch auch die Offiziellen wussten damals, dass man alles ohnehin nie verhindern kann. Viele Jahre zuvor hatte genau dies ein anderer MSV-Profi bewiesen. Damals kletterte der attraktive Jungprofi Peter Közle gerne mit ein paar Mitspielern nach den harten Übungseinheiten des Nachts über den Zaun der Hotelanlage und fuhr in die Stadt - wie er einmal recht offenherzig erzählte: "Wir sind immer erst so gegen fünf Uhr morgens wieder ins Hotel zurück. Beim ersten Mal hatte ich ein paar Bierchen zu viel. Da musste ich mir vor dem Schlafengehen noch einmal alles durch den Kopf gehen lassen. Eine Stunde später stand nämlich schon der Morgenlauf auf dem Programm. Eine ziemlich harte Kiste war das!"

Közle schmunzelte beim Gedanken an das damalige Trainingslager und die Geschichten, die rund um die intensiven Einheiten passierten: "Früher waren solche Storys mehr oder weniger die Regel. Heute soll das alles etwas schwieriger sein. Aber die Erinnerung an den Abfahrtstag damals, die kann mir keiner mehr nehmen. Als wir im Bus zum Flughafen saßen, hat dem Trainer das Hotelpersonal gewunken - und mir diese kleine, süße Portugiesin aus der Kneipe in der Altstadt."

Quelle: ntv.de