Fußball

Blutleer im Derby auf Schalke Der BVB erschreckt, Favre wackelt weiter

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Was ist nur los? Jadon Sancho.

(Foto: imago images/Revierfoto)

Der BVB hat großes Glück, dass er beim Revierderby auf Schalke mit einem torlosen Remis davonkommt. Leidenschaft, Wille und Zielstrebigkeit bringt vor allem der ungeliebte Rivale ins Spiel. Trainer Lucien Favres Posten in Dortmund wackelt weiter.

Die Szene gegen Ende des Revierderbys war stilgebend für dieses Fußballspiel: Dortmunds eingewechselter Offensivspieler Thorgan Hazard führte auf der rechten Außenbahn den Ball, wo ihn Schalkes Bastian Oczipka vehement unter Druck setzte. Hazard drehte ab, orientierte sich nach hinten, wo Amine Harit dazukam, was den Belgier noch weiter in die Defensive trieb. Schließlich kam noch Suat Serdar dazu, eroberte den Ball und leitete den Gegenangriff der Gelsenkirchener ein. Hazard wusste sich nur zu helfen, indem er seinem Widersacher von hinten in die Beine grätschte, wofür er die Gelbe Karte sah.

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Gelb für den Hasen: Thorgan Hazard.

(Foto: REUTERS)

Viele Jäger sind des Hasen Tod, sagt der Volksmund zu solch einem Szenario. Man kann es auch so auf den Punkt bringen: Schalke agierte galliger, griffiger, zielstrebiger und mit wesentlich mehr Leidenschaft als der Rivale, der sich seit Wochen damit beschäftigen muss, dass er immer dann in ernste Schwierigkeiten gerät, wenn der Gegner mit grimmiger Entschlossenheit und physischer Präsenz zu Werke geht. Die 177. Auflage des ewig jungen Klassikers an diesem neunten Spieltag der Bundesliga ging zwar mit einem torlosen Remis zu Ende, doch auch wenn es für jede Mannschaft einen Zähler gab, durften sich die Gastgeber vor 61.873 Besuchern in der Schalker Arena am Ende einer kämpferisch geführten doch spielerisch weitgehend dürftigen Partie als klarer Punktsieger fühlen.

Der BVB hatte mehrere Male Glück, dass er ohne Gegentor davonkam. Ein Kopfball von Salif Sané an die Unterkante der Latte, ein Schuss von Serdar an den Innenpfosten, eine knifflige Szene in der zweiten Hälfte, als Hazard der Ball nach einem Eckball an den Arm sprang und es durchaus einen Strafstoß hätte geben können. Das Schicksal zeigte sich überaus gnädig mit den zaudernden Gästen, die es über 90 Minuten versäumten, das Spiel mit dem notwendigen Willen an sich zu reißen.

"Unter Druck haben wir Probleme"

Ins bis zu diesem Samstag letzte Treffen der sich in inniger Abneigung gegenüberstehenden Klubs gingen die Dortmunder noch mit unfassbaren 42 Punkten Vorsprung, mittlerweile begegnen sich die Ruhrgebietsprotagonisten auf Augenhöhe. Borussias Aushilfstorhüter Marvin Hitz, der für die erkrankte Stammkraft Roman Bürki in die Mannschaft gerückt war, fand für die Verteilung der Kräfte eine überraschende Erklärung: "Das Schalker Glück in den Zweikampfsituationen hat ihnen vor dem Tor gefehlt." Die Sichtweise hatte der Schweizer exklusiv, denn was hat es mit Glück zu tun, wenn der Gegner immer wieder den Ball gewinnt, weil er mit größerem Willen und Überzeugung agiert?

Schalke - Dortmund 0:0

FC Schalke 04: Nübel - Kenny, Stambouli, Salif Sane, Oczipka - Mascarell - Caligiuri (84. Schöpf), Serdar - Harit - Burgstaller (90.+1 Kabak), Matondo (80. Kutucu). - Trainer: Wagner
Borussia Dortmund: Hitz - Piszczek, Weigl, Hummels, Guerreiro - Witsel, Delaney (74. Akanji) - Sancho, Reus, Hakimi (86. Brandt) - Mario Götze (58. Hazard). - Trainer: Favre
Schiedsrichter: Felix Brych (München)
Zuschauer: 61.873 (ausverkauft)

Da war die Deutung der Dinge bei Hitz Kollegen am anderen Ende des Spielfelds schon wesentlich stimmiger: Schalkes Kapitän Alexander Nübel, der das Spiel auf der Linie seines Tores vor sich sah, brachte das harmlose Dortmunder Ballgeschiebe mit einem bemerkenswerten Statement auf den Punkt. Es mache es einer Abwehr "schon leichter", konstatierte der vom FC Bayern umworbene Torhüter, "wenn vom Gegner keiner in die Box will". Mit dieser Aussage konfrontiert, konstatierte Favre: "Uns fehlten die Durchschlagskraft und die richtigen Bewegungen". Und weiter: "Unter Druck haben wir Probleme, den Ball zu halten. Sie erobern die Bälle zu leicht, wir brauchen mehr Läufe in die Tiefe."

Das war ebenso richtig wie selbstkritisch analysiert. Alles in allem präsentiert sich die Borussia mal wieder meilenweit von den eigenen Ansprüchen entfernt. Immerhin haben sie vor Saisonbeginn in Dortmund das Ziel ausgegeben, den Dauermeister aus München endlich vom Thron stoßen zu wollen. Doch der von Selbstzweifeln getriebene Favre scheint immer weniger der richtige Mann zu sein, um solch hehre Vorsätze in die Tat umzusetzen.

"Das ist natürlich viel zu wenig"

Viel Lobenswertes fand der Schweizer nicht am Auftritt seiner kickenden Belegschaft. Stattdessen lobte er den Gegner über den grünen Klee. Schalke habe "extrem aggressiv" agiert, "das ist die beste Mannschaft in der Bundesliga, was die Zweikämpfe betrifft. Und dann noch die vielen intensiven Läufe." Ungewollt benannte der Übungsleiter damit alles, was seine Mannschaft an diesem Nachmittag nicht auf den Platz gebracht hatte.

Erschreckend blutleer beim 0:2 in der Champions League bei Inter Mailand und drei Tage später ohne Überzeugung und Ausstrahlung beim Revierderby. Das mit vielen Millionen verstärkte Starensemble von Borussia Dortmund erlebt einen Herbst, der viele Fragen aufwirft. Kapitän Marco Reus brachte den erneut dürftigen Auftritt auf den Punkt: "Das ist natürlich viel zu wenig, was wir nach vorne machen. Uns fehlt die Leichtigkeit, das Spielerische, was uns ausmacht."

Kein Zweifel, die Nullnummer hat Favres Position beim börsennotierten Fußballunternehmen nicht verbessert. Der Schweizer bleibt unter besonderer Beobachtung, die Diskussionen um den angezählten Trainer werden an Dringlichkeit zunehmen. Favre registriert die für ihn immer brisantere Gemengelage sehr genau und versucht, sich davon nicht mehr als nötig beeinträchtigen zu lassen. Auf Nachfrage sagte der 61-Jährige: "Ich habe kein großes Interesse, darüber zu sprechen."

Quelle: n-tv.de