Fußball

Klopp schämt sich, "Kacke dampft" Der BVB will jetzt den FC Bayern ärgern

Wer wissen will, wie man im Fußball gegen einen extrem defensiven Gegner gewinnt, der muss sich nur das Pokalspiel des BVB beim FC St. Pauli anschauen. Trainer Klopp ist dennoch peinlich berührt.

Die Krise bekommt Jürgen Klopp nicht aus dem Kopf. "Wenn solche Liebesbekundungen notwendig sind, dann ist die Kacke wirklich am Dampfen." Was war passiert? Zuerst einmal hatten die Fußballer von Borussia Dortmund an diesem kühlen Dienstagabend in Hamburg den Zweitligisten FC St. Pauli mit 3:0 (2:0) besiegt und damit das Achtelfinale des DFB-Pokals erreicht. Das kennt man in dieser Saison sonst nur aus der Champions League. "Passt", kommentierte der Trainer des BVB die Tatsache, dass seine in der Bundesliga arg erfolglose Mannschaft doch noch Spiele auf nationaler Ebene gewinnt, und das gar souverän.

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"Eine geile Atmosphäre. Ich bin selten einmal so extrem ausgepfiffen worden, als ich den Rasen betreten habe": Dortmunds Trainer Jürgen Klopp.

(Foto: picture alliance / dpa)

Was ihn allerdings peinlich berührte, war die Zuneigung einer Servicekraft in Diensten der der Gastgeber. Die in Gelb und Schwarz gekleidete Dame nutzte die Pressekonferenz nach der Partie zu einem Solo-Auftritt, der in dem Geständnis mündete: "Ich liebe Jürgen Klopp. Nicht als Mann, aber als Trainer der Borussia." Der löste die Situation auf, indem er die Frau erst umarmte und dann alles unterschrieb, was sie ihm hinhielt. Und sonst? War er durchaus angetan von der Stimmung im mit 29.063 Zuschauern ausverkauften Stadion am Millerntor. "Eine geile Atmosphäre. Ich bin selten einmal so extrem ausgepfiffen worden, als ich den Rasen betreten habe." Aber dafür war’s nach dem Schlusspfiff ja umso herzlicher.

Die 90 Minuten zwischen Pfeifkonzert und Liebesbekundung ließen keine zwei Meinungen zu. Die Dortmunder haben ihre Aufgabe gegen defensive und vor allem in der ersten Halbzeit mutlose Hamburger souverän gelöst. Wer jüngst die deutsche Nationalmannschaft gesehen hat, wie sie sich bei der Niederlage in Polen und beim Unentschieden gegen Irland in der Qualifikation zur Europameisterschaft quälte, konnte nun in Hamburg sehen, wie sich solche Abwehrriegel knacken lassen. Auch wenn es nur gegen spielerisch limitierte St. Paulianer ging - die Dortmunder nahmen die Sache ernst, eroberten aggressiv den Ball, ließen ihn und den Gegner laufen, spielten konsequent immer wieder über die Flügel und blieben auch dann ruhig und konzentriert, als es mit dem Toreschießen nicht sofort klappte.

"Nicht mit maximal breiter Brust"

Ihre Geduld wurde schließlich belohnt, oder besser: Sie belohnten sich selbst. Den Treffern von Ciro Immobile nach einer guten halben Stunde und Marco Reus eine Minute vor dem Ende der ersten Halbzeit gingen feine Kombinationen voraus, die an bessere Zeiten der Borussia erinnerten. Nach der Pause passierte dann nicht mehr allzu viel, auch wenn die Gastgeber sporadisch andeuteten, dass sie nun doch gewillt waren, die Möglichkeit eines Torerfolges in Betracht zu ziehen. Das half aber auch nicht. Stattdessen traf Shinji Kagawa kurz vor dem Ende der Partie zum 3:0 für den BVB und das Ding war endgültig durch.

Es war kein glanzvoller Sieg, aber selbstbewusste Dortmunder haben nach zuletzt vier Niederlagen in der Liga in Hamburg wenig falsch gemacht. In der Viererabwehrkette mit den Innenverteidigern Mats Hummels und Neven Subotic nutzen die Außenverteidiger Erik Durm auf der linken und Sokratis Papastathopoulos auf der rechten Seite ihre Arbeitslosigkeit in der Defensive, um munter, mitunter griechisch wild, das Angriffsspiel anzukurbeln. Davor agierte Sebastian Kehl als Souverän im defensiven Mittelfeld, flankiert von Henrikh Mkhitaryan und Kevin Großkreutz. Und vorne sorgten in diesem 4-3-2-1-System Kagawa, der überragende Reus und Mittelstürmer Immobile für die Tore. Das passte in der Tat.

Nach dem Abpfiff ließen sie und ihr Trainer sich vor der Nordtribüne gerne und ausführlich von den 3000 Fans aus der Heimat feiern. "Wir wollten weiterkommen, das ist gelungen. Es war sicher nicht alles perfekt, aber das ist in der momentanen Lage auch wurscht", sagte Sebastian Kehl hinterher. Kollege Mats Hummels assistierte: "Wir haben verdient gewonnen. Nur das Weiterkommen entscheidet." Und was ist nun mit der Krise? Klopp konstatierte: "Wir haben nicht mit maximal breiter Brust gespielt und mussten uns einiges erkämpfen." Aber: "Das Entscheidende war, dass wir das Spiel komplett angenommen haben. Das war heute ein Schritt in die richtige Richtung." Dumm nur, dass am Samstag wieder ein Ligaspiel ansteht, und dann auch noch beim souveränen Tabellenführer in München. Doch Kevin Großkreutz ficht das nicht an: "Wir sind ein Team und halten auch in schlechten Zeiten zusammen. Jetzt wollen wir die Bayern ärgern." Sollte das gelingen, dürfte selbst sein Trainer die Krise für einen Moment vergessen.

Quelle: n-tv.de

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