Fußball

Fußball-Zeitreise, 12.10.1974 Der Blitztor-Schütze, den sie verheizten

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In sieben Länderspielen für die deutsche Nationalmannschaft traf Ronald "Ronny" Worm fünf Mal. Links sein Duisburger Vereinskollege Bernard "Ennatz" Dietz.

(Foto: imago/WEREK)

Der Duisburger Ronny Worm gilt als der Schütze des ersten Blitztores der Fußball-Bundesliga. Heute vor 45 Jahren trifft er bereits nach knapp 14 Sekunden Spielzeit gegen den HSV ins Netz. Doch seine rasant begonnene Karriere gerät mit diesem Treffer langsam aber sicher aus dem Tritt.

Später haben sie noch einmal genau nachgemessen. 13,8 Sekunden sollen es auf den Punkt gewesen sein, an diesem 12. Oktober 1974 im Stadion des MSV Duisburg, die Ronny Worm brauchte, um den Ball im Kasten des HSV-Keepers Rudi Kargus unterzubringen. Das erste Blitztor der noch immer jungen Fußball-Bundesliga fiel relativ unspektakulär. Nach dem Anpfiff ging der Ball hinaus auf die rechte Seite zu Rudi Seliger. Der trieb die Kugel einige Meter nach vorne und flankte dann nach innen. Dort stand schon Ronald Worm, den alle stets nur Ronny riefen, und versenkte den Ball im Tor der Hanseaten. Am Ende des Tages hatte der MSV mit 2:0 gegen die Hamburger um Manni Kaltz und Georg Volkert gewonnen - und Ronny Worm war fortan für lange Jahre der Mann, der das schnellste Tor der Bundesliga-Historie geschossen hatte.

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380 Spiele absolvierte Worm in der Bundesliga. 119 Treffer erzielte er dabei - 71 für den MSV Duisburg, 48 für Eintracht Braunschweig.

(Foto: imago/Horstmüller)

21 Jahre jung war der gebürtige Duisburger damals - und dennoch fast schon ein alter Hase in der ersten Liga. Mit 18 Jahren hatte Worm beim 3:0-Heimsieg im April 1972 gegen den kommenden deutschen Meister FC Bayern München mit seinen zwei Treffern maßgeblich zum Erfolg des MSV beigetragen. Fortan beobachtete ganz Deutschland voller Neugierde die weitere Entwicklung des pfeilschnellen Stürmers.

Worm spielt für sechs Teams auf einmal

Doch das große Nachwuchstalent Ronny Worm wurde in diesen Tagen verheizt wie kaum ein Spieler vor ihm und ganz sicherlich keiner mehr nach ihm. Es gab in diesen Tagen Zeiten, da lief der junge Duisburger für sechs (!) verschiedene Mannschaften auf. Neben seinen Partien als Bundesliga-Profi stand Worm auch für die A-Jugend seines Klubs, die Amateurnationalelf, die Bundeswehrmannschaft, die Niederrhein-Auswahl und die des westdeutschen Fußball-Verbandes auf dem Platz.

Die Verschleißerscheinungen ließen nicht lange auf sich warten. Ronny Worm spielte nur noch unter Schmerzen. Seine Achillessehnen waren auf beiden Seiten so stark gereizt, dass eine Operation unumgänglich schien - doch Worm hatte Glück. Als er sich endlich nur noch auf die Bundesliga konzentrierte, regenerierte sich sein Körper wieder Stück für Stück. Doch die intensive Belastung dieser Anfangsjahre sollte ihn bis zu seinem Karriereende verfolgen. Worm blieb stets verletzungsanfällig.

Letzte Partie für den DFB wird zur Schmach

Und trotzdem biss er sich durch und spielte sich so sehr in den Fokus, dass er am 20. Dezember 1975 zu seinem Debüt im Trikot der A-Nationalelf kam. Doch seine zwei Treffer gegen die  Türkei und zwei weitere Tore im folgenden Länderspiel gegen Malta wurden für den jungen Ronny Worm zum Verhängnis. Ganz Deutschland glaubte fortan, einen neuen Gerd Müller gefunden zu haben. Diesen Ansprüchen sollte der MSV-Stürmer nie gerecht werden können. Eine besondere Schmach musste Worm schließlich im ersten Länderspiel unter dem neuen Bundestrainer Jupp Derwall hinnehmen. Es war gleichzeitig auch die letzte Partie des gebürtigen Duisburgers im Dress der Nationalmannschaft.

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Vor wenigen Jahren lud der MSV Duisburg Worm als Vereinslegende ein.

(Foto: imago/Christoph Reichwein)

Beim 4:3-Sieg am 11. Oktober 1978 in Prag gegen die Tschechoslowakei wurde Worm in der 71. Spielminute für Hansi Müller eingewechselt - und musste bereits 16 Minuten später für Klaus Allofs das Feld wieder räumen. Nur noch einmal sorgte Ronny Worm in der Folge für größere Schlagzeilen, als er zur Spielzeit 1979/80 den MSV für die damalige Rekordsumme von einer Millionen Mark verließ und innerhalb der Bundesliga zu Eintracht Braunschweig wechselte. Seine Bestmarke vom 12. Oktober 1974 wurde übrigens erst fast zwölf Jahre später im April 1986 von Lothar Matthäus unterboten. Der Bayern-Spieler benötigte für sein Tor gegen seinen Ex-Klub Borussia Mönchengladbach nur 13 Sekunden.

Platz zehn der Blitztor-Bestenliste

Mittlerweile steht der Treffer von Ronny Worm in der Hitparade der schnellsten Blitztore der Bundesliga auf Rang zehn. Die beiden Führenden in dieser Liste sind Spieler von Bayer Leverkusen. Nachdem Karim Bellarabi gleich am ersten Spieltag der Saison 2014/15 seine Mannschaft in Dortmund nach nur neun Sekunden in Führung geschossen hatte, legte sein heutiger Teamkollege Kevin Volland, damals noch im Trikot der TSG Hoffenheim, nur ein Jahr später nach. Am zweiten Spieltag nutzte er einen Fehlpass des Bayern-Profis David Alaba auf Jerome Boateng aus und schob die Kugel durch die Beine von Nationalkeeper Manuel Neuer ebenfalls nach nur neun Sekunden ins Tor. Volland soll bei seinem Treffer allerdings ganze 0,3 Sekunden schneller gewesen sein als Bellarabi.

Übrigens: Als das schnellste Tor überhaupt wird der Treffer des Engländers Marc Burrows aus dem Jahr 2004 gezählt. Der Spieler von Cowes Sports versenkte die Kugel nach unglaublichen 2,5 Sekunden im Kasten des Gegners. Knapp dreißig Jahre zuvor hatte Ronny Worm im Wedau-Stadion da noch fast eine Ewigkeit auf die Flanke seines Mannschaftskollegen Rudi Seliger warten müssen. Doch zur Ehrenrettung von Worm sei gesagt: Maßgeblichen Anteil an Burrows’ Blitztor soll damals die Natur gehabt haben. Eine Windböe trieb den Ball mit viel Power ins gegnerische Tor.

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Quelle: n-tv.de

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