Fußball

Fußball-Zeitreise, 12. 1. 1949 Der Gentleman-General Hitzfeld feiert

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Meisterfeier mit dem BVB: Ottmar Hitzfeld am 18. Mai 1996.

Zweimal gewinnt er die Champions League, mit Borussia Dortmund und dem FC Bayern. Nach einer ereignisreichen Zeit als Fußballspieler und Trainer beendet Ottmar Hitzfeld nach der WM 2014 seine Karriere. Heute feiert die Bundesliga-Legende aus Lörrach ihren 70. Geburtstag.

Der Mann, den sie in seiner Karriere "General" und "Gentleman" nannten, soll bereits im Kindergarten gesagt haben: "Schwätze kann ich noch nicht so gut, dafür kann ich kicken". Ottmar Hitzfeld wusste also schon früh, wohin seine Reise im Leben einmal gehen soll. Und diese Zielstrebigkeit hat seine Laufbahn und sein Auftreten in der Öffentlichkeit stets geprägt. Karl-Heinz Rummenigge hat einmal gesagt: "Wenn man sich in Oberammergau einen Trainer schnitzen lassen müsste, es käme Ottmar Hitzfeld heraus."

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Prost: Hitzfeld 1998 auf dem Münchner Oktoberfest.

(Foto: imago/Sven Simon)

Auch ein Satz von Udo Lattek spiegelt die Außenwirkung des erfolgreichen Übungsleiters sehr gut wider: "Ich habe gehört, dass Ottmar Hitzfeld gesagt hat, ich würde ihn im Biertrinken schlagen. Dessen bin ich mir sicher." Es gab nur einen kleinen Ausrutscher, der dem Image Hitzfelds für einen Moment einen Knacks verpasste. Doch gemeinsam mit seinem Präsidenten und erfahrenen Medienmann Franz Beckenbauer schaffte der gebürtige Lörracher die Seitensprung-Affäre mit einer Brasilianerin schnell wieder aus der Welt. "Bunte"-Reporter Paul Sahner sah die Geschichte damals nüchtern aus der Sicht des PR-Profis: "Da haben sich die zwei Seitenspringer zusammengesetzt und überlegt, wie man relativ gut wieder von der Bühne runterkommt. Beckenbauer ist eben ein Libero. Der beherrscht das Spiel und hält den Gegner in Schach."

Ein Mann, der in diesem speziellen Themenbereich sicherlich auch die eine oder andere pikante Story auf Lager hätte, sagte einmal etwas Stimmiges über Ottmar Hitzfeld. Der Weltmeister Lothar Matthäus hat einige Zeit unter dem Mann trainiert, der seinen Vornamen einem anderen Weltmeister, nämlich Ottmar Walter, zu verdanken hat: "Ich werde nie das Standing eines Ottmar Hitzfeld haben, den ich als Trainer und Mensch respektiere. Hitzfeld war dafür nicht so ein guter Spieler wie ich." Das stimmt wohl. Aber Hitzfeld hat dafür wahrscheinlich einen Hauch mehr Gespür für Ironie abbekommen. Nachdem er versehentlich seinen Wagen auf dem Parkplatz von Lothar Matthäus abgestellt hatte, meinte der Bayern-Trainer süffisant: "Ich dachte, er kommt mit dem Hubschrauber."

Haferbrei für Andreas Möller

Den Grat zwischen General und Gentleman beschreiben zwei Zitate von Hitzfeld sehr gut. Einerseits die Orientierung am Glauben: "Jesus hat für mich eine wichtige Vorbildfunktion: Er ist den gradlinigen Weg gegangen und hat nie versucht, auf krummen Wegen sein Ziel zu erreichen. Offenheit und Gerechtigkeit zeichneten ihn aus. So möchte ich auch handeln." Und andererseits der harte Disziplinfanatiker: "Von einem Profi verlange ich, dass er sich stark fühlt. Sonst soll er sich ins Bett legen und von Omi pflegen lassen."

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Wie ein Verstoß gegen die Grundsätze des Trainers aussehen kann, mussten die Dortmunder Profis im BVB-Trainingslager 1996 erfahren. Immer wieder hatten die Spieler ihrem Coach die Ohren vollgejammert, wie kaputt sie seien. Nach drei Tagen hatte Ottmar Hitzfeld schließlich ein Einsehen und schenkte dem Team einen freien Nachmittag. Alle Mann sollten sich mal tüchtig ausruhen. Doch der Plan von Andreas Möller und seinen Kollegen war ein anderer: Man ging gemeinsam zum Wasserskilaufen. Nicht gerade die Art von körperlicher Entspannung, die sich Hitzfeld für seine Spieler vorgestellt hatte. Deshalb war es gut, dass man sich heimlich auf den Weg gemacht hatte. Dumm nur, dass der Trainer irgendwann an diesem Nachmittag an den Wasserskiläufern mit einem Motorboot vorbeiraste. Möller erinnert sich: "Das Training am nächsten Vormittag war grausam!"

Über die andere Seite des Menschen Hitzfeld konnte Möller auch eine persönliche Geschichte erzählen: "Mir ging es wegen einer Magenschleimhaut-Entzündung sehr schlecht. Ottmar Hitzfeld nahm mich - meine Frau Michaela war damals bei ihren Eltern in Frankfurt - jeden Mittag mit zu sich nach Hause. Seine Frau kochte mir Haferbrei und andere Schonkost. Dabei führten der Trainer und ich sehr offene Gespräche über meine Rolle im Fußball, die mir sehr weitergeholfen haben."

"Ohne Erfolg ist alles nichts"

Dass Hitzfeld als Spieler selbst nicht immer ein Musterknabe war, erzählte er einmal dem Schweizer "Sonntagsblick". Im Februar 1980 war er Profi in Lugano. Bei einem feucht-fröhlichen Polterabend eines Freundes starteten sie zu später Stunde eine verrückte Aktion. Als ein Partyteilnehmer in einen Laden ging, um Zigaretten zu kaufen, entdeckten sie plötzlich, dass der Schlüssel draußen steckte. Sie drehten ihn um und amüsierten sich köstlich. Was sie nicht ahnen konnten: Nur zwei Tage zuvor war der Ladenbesitzer überfallen worden und geriet in Panik.

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Der Profi. Hitzfeld 1978 im Trikot des VfB Stuttgart.

(Foto: imago sportfotodienst)

Er rief die Polizei, die mit Maschinenpistolen im Anschlag für Ordnung sorgte. Hitzfeld erinnert sich: "Die italienische Polizei nahm uns nicht ab, dass wir nur einen Scherz machten. Wir wurden in Handschellen abgeführt und kamen in eine Zelle!" Und dort kamen sie nicht mehr so leicht raus. Niemand glaubte ihnen, dass es nur eine Schnapsidee gewesen war.

Es blieb ihnen nichts anderes übrig, als den Luganos Klubpräsidenten anzurufen und ihm alles zu beichten. Erst kurz vor elf Uhr am nächsten Morgen traf die Polterabend-Truppe um Hitzfeld am Standesamt ein - gerade noch rechtzeitig. Hitzfeld ("Der Erfolg ist nicht alles, aber ohne Erfolg ist alles nichts") war in seiner Karriere ein Liebling der Medien. Seine Meinung war geschätzt und gefragt. Doch er selbst konnte sich auch an den Pressevertretern reiben. Kritischen Fragen begegnete er sehr spitzfindig: "Ein Trainer entscheidet vor dem Spiel, und ein Journalist schreibt
nach dem Spiel." Ein harmloser Satz, wenn man dagegen ein Zitat von TV-Kommentator Marcel Reif stellt: "Herr Hitzfeld, ich bin bereit, Ihnen zum Weiterkommen zu gratulieren, wenn Sie den Zuschauern Ihr Mitgefühl ausdrücken für die Art und Weise, wie es denn zustande gekommen ist."

Ein besonders inniges Verhältnis pflegte Hitzfeld zu Uli Hoeneß, den er höchstens einmal aus gesundheitlichen Gründen an Spieltagen von sich fernzuhalten versuchte: "Ich habe mit dem Rücken ein bisschen Probleme, wenn der Uli mir bei den Toren immer um den Hals fällt." Vor seinem tränenreichen Abschied bei den Bayern sagte Hoeneß: "Beim Ottmar Hitzfeld ist das ja nicht so wie beim George Bush, wo alle froh sind, wenn der endlich weg ist." Nach dem Ausscheiden mit der Schweiz bei der WM 2014 beendete Hitzfeld seine Karriere. Aber wer weiß? Für Uli Hoeneß würde er vielleicht noch einmal eine Ausnahme machen und auf die Trainerbank zurückkehren. Heute feiert er aber erst einmal seinen 70. Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch, Ottmar Hitzfeld!

Quelle: n-tv.de

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