Fußball

Derby endet doppelt bitter Der HSV ist zurück im Zweitliga-Alptraum

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Daniel-Kofi Kyereh (Mitte) entschied das Hamburger Derby wenige Minuten vor dem Abpfiff.

(Foto: imago images/Baering)

Der Hamburger SV marschiert nach einer traditionellen Herbstkrise lange aussichtsreich durch die Zweite Liga. Doch spätestens mit der bitteren Niederlage im Stadtderby zum Abschluss des 23. Spieltags ist klar: Es könnte wieder bitter enden. Denn der HSV ist jetzt wieder im Hintertreffen.

Der FC St. Pauli hat den großen Nachbarn Hamburger SV gedemütigt und seine Siegesserie ausgebaut. Die Kiezkicker gewannen am Montagabend in der 2. Fußball-Bundesliga das 105. Stadtderby mit 1:0 (0:0) und verhinderten damit die Rückkehr des Aufstiegsfavoriten HSV an die Tabellenspitze. Die Mannschaft von Trainer Daniel Thioune bleibt auf dem vierten und damit ersten Nichtaufstiegsplatz hängen.

"Der Moment fühlt sich gerade beschissen an", gestand Thioune bei Sky. Auf die führenden Teams VfL Bochum und Holstein Kiel (je 45 Punkte) hat der HSV nun drei Zähler Rückstand. St. Pauli rückte nach fünf Siegen in Serie auf Platz elf vor. Das Tor im Derby erzielte Daniel-Kofi Kyereh (88. Minute). HSV-Kapitän Tim Leibold musste nach einer Roten Karte in der Nachspielzeit vom Platz. "Die Enttäuschung ist riesengroß", sagte der Sünder bei Sky. "Wir haben ein richtig, richtig gutes Spiel gemacht. Wir wollten unbedingt gewinnen."

Mit Schwung startete der HSV in die Partie, die mit einem Feuerwerk von Silvester-Ausmaßen vor dem Stadion eingeleitet worden war. Mittelfeldakteur Sonny Kittel hämmerte schon nach 60 Sekunden einen Freistoß aus 30 Metern Entfernung an den Querbalken. Zehn Minuten später eine Neuauflage: Wieder Freistoß, wieder Kittel. Diesmal wehrte Dejan Stojanovic den Ball zur Ecke ab. Es schien, als wollte der HSV dem Nachbarn zeigen: Am Millerntor sind wir der Chef! Nach 15 Minuten übernahm aber der Hausherr das Kommando. Guido Burgstaller (23.) und Omar Marmoush (28., 29.) hatten die Führung auf dem Fuß und verlagerten das Kräfteverhältnis auf die Seite des FC St. Pauli.

Pauli-Fans mit breitem Grinsen

Der FC St. Pauli, der damit die inoffizielle Stadtmeisterschaft gewann (Hinspiel 2:2), untermauerte seine Rolle als Team der Stunde in der 2. Liga. Mit 15 Punkten aus sechs Spielen sind die Braun-Weißen, die in der Hinrunde auf Abstiegskurs waren, beste Rückrunden-Mannschaft. In der separaten Wertung hat der HSV im gleichen Zeitraum lediglich sechs Zähler geholt und findet sich auf Platz 14 wieder. Der Derby-Sieg bedeute für jeden St.-Pauli-Fan, "dass er mit breitem Grinsen zur Arbeit geht", sagte Trainer Timo Schultz stolz.

In der Hinrunde Abstiegskandidat, in der Rückrunde eines der dominierenden Teams in der Liga - St . Pauli demonstrierte Selbstbewusstsein und beeindruckte den Stadtrivalen. Die Platzherren hatten auch nach dem Seitenwechsel weiterhin Vorteile, wenngleich die großen Szenen des ersten Durchgangs fehlten. Nur kurz währte die Freude über einen zugesprochenen Foulelfmeter nach Grätsch-Attacke von Gideon Jung gegen St. Paulis Rodrigo Zalazar (52.). Schiedsrichter Deniz Aytekin nahm seine Entscheidung nach Konsultation mit dem Kölner Video-Keller zurück. Als sich beide mit dem Remis abzufinden schienen, leitete Zalazar mustergültig eine Attacke ein und Kyereh vollendete. "Überragend, absolut geil! Die St.-Pauli-Fans werden das sehr genießen", sagte Abwehrspieler Philipp Ziereis.

Quelle: ntv.de, ter/dpa