Fußball

Wie läuft's bei ... Polter? Der Union-Groll ist längst verflogen

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Er trifft wieder. Er spielt wieder. Polter in den Niederlanden.

(Foto: imago images/ANP)

Sebastian Polters Abschied vom 1. FC Union Berlin ist fad. Suspendiert, nicht mehr gebraucht. Der Stürmer findet in den Niederlanden eine neue Aufgabe beim Fußball-Erstligisten Fortuna Sittard. Und knüpft im Pokal-Derby direkt an alte, heroische Zeiten an.

Sebastian Polter. Dieser Name wird auf ewig mit dem 1. FC Union Berlin verbunden sein. Ob sie es beim Fußball-Bundesligisten wollen oder nicht. Auch sein Gesicht bleibt. Denn ein Bild vom Jubel des Stürmers am 2. November 2019 ist zum "Sportfoto des Jahres" gewählt worden. Der 2. November 2019 - der Tag des ersten Berliner Bundesliga-Derbys seit Jahrzehnten. Der Tag, an dem Polter in die Union-Historie eingeht. Denn er ist derjenige, der in diesem brisanten Duell das einzige Tor schießt. 1:0 per Elfmeter in der 87. Minute, das Stadion An der alten Försterei explodiert im Jubel - es ist die Zeit mit Fans im Stadion vor der Corona-Pandemie. "Das macht einen stolz, davon erzählt man den Kindern. Dieses Erlebnis mit den Fans und dem ganzen Verein werde ich immer mitnehmen und nie vergessen", sagte Polter kürzlich rückblickend dem RBB.

Ausgerechnet Polter, ohnehin schon ein Publikumsliebling, krönte sich auch noch zum Derby-Helden. Schon von 2014 bis 2015 spielte er in Berlin, kehrte im Januar 2017 nach Stationen in Mainz und bei den Queenspark Rangers zurück nach Köpenick. In seiner zweiten Amtszeit schoss er in 60 Spielen 25 Tore - und das trotz eines halbjährigen Ausfalls wegen eines Achillessehnenrisses im Jahr 2018. Und trotz nur noch sporadischer Einsätze nach dem Aufstieg in die Bundesliga, weil Trainer Urs Fischer Sebastian Andersson den Vorrang gab.

Im Sommer 2020 endete die Zusammenarbeit mit einem Knall: Polter wurde aufgrund von "unsolidarischem Verhalten" in der Covid-19-Pandemie suspendiert, es wird gemunkelt, er habe sich nicht auf einen Gehaltsverzicht einlassen wollen. Der Vertrag lief aus, es wurde ein unschönes Ende für den Stürmer in Berlin. Der Eindruck, den er bei den Fans hinterlässt, dürfte aber deutlich positiver sein: Nach seinem Abschied spendete er der inklusiven Fan-Initiative "Eisern trotz(t) Handicap" 10.000 Euro.

Sittard mit großen Plänen - und kleinen Erfolgen

Sein Geld verdient Polter jetzt in den Niederlanden. Der 29-Jährige unterschrieb im August einen Vertrag bei Fortuna Sittard. "Es waren lange und intensive Gespräche, vor allem mit Trainer Kevin Hofland. Von Anfang an hat er mir das Gefühl gegeben, dass ich ein wichtiger Spieler in der Mannschaft werden kann. Die Tatsache, dass er letzte Woche speziell für mich nach Berlin gekommen ist, hat dieses Gefühl noch verstärkt. Letztendlich hat mich das Projekt von Fortuna Sittard überzeugt. Der Verein hat große Pläne und ich möchte ein Teil davon sein", hatte Polter sich in der Pressemitteilung zitieren lassen.

Die großen Pläne aber müssen offenbar noch ein bisschen warten. Auf dem Papier nämlich ist es ein Abstieg, denn der Klub direkt an der Grenze - Polter wohnt immer noch in Deutschland - beendete die Saison 2019/20 auf Platz 16 der ersten Liga. Der drohende Abstieg war nur aufgrund des Saisonabbruchs vom Tisch. Und es geht ähnlich mies weiter: Nach zwölf Spieltagen hat Sittard gerade einmal neun Punkte auf dem Konto, nur zwei Siege stehen zu Buche.

Zwei Siege, an denen auch Polter beteiligt ist, denn der Stürmer schoss für seinen neuen Klub bereits fünf Tore, zuletzt einen Doppelpack gegen Heracles Almelo. Es war das erste Mal seit dem Jahr 2001, dass Sittard wieder zwei Spiele in Folge in der Eredivisie gewinnen konnte - und der erste Auswärtssieg seit fast zwei Jahren. "Wir sind wirklich glücklich, wir machen jetzt einen wichtigen Schritt in der Tabelle", sagte Co-Trainer Sjors Ultee laut "Voetbal International" nach dem Sieg, der Sittard von 16 auf 14 brachte.

"Auch hier hat es also schoon funktioniert"

Dieser Meilenstein für den Klub zeigt die geschrumpften Ansprüche Polters. Doch er spielt wieder. Anders als zuletzt bei Union ist er Stammspieler, stand in dieser Saison bislang 1081 von 1170 Minuten auf dem Platz. Davon 90 beim Pokal-Sieg gegen Roda JC Kerkrade - wie bei Union gegen Hertha ein Derby, gerade einmal 25 Kilometer trennen die Klubs. Ein Tor und eine Vorlage trug Polter zum Einzug in die nächste Runde bei: "Auch hier hat es also schon funktioniert mit dem Derby-Dasein. Da bin ich natürlich auch stolz drauf", sagte Polter dem RBB.

Stolz ist er auch, was sie bei dem Klub schaffen, der ihm die "schönste" Zeit seiner Karriere einbrachte: beim 1. FC Union. "Ich verfolge das sehr genau. Allgemein gucke ich jedes Spiel von Union, wenn ich nicht gerade selbst spiele - und sehe die sehr gute und geschlossene Mannschaftsleistung, die das Team bisher zeigt", lobt Polter via RBB. "Ich muss noch einmal mehr sagen, was für tolle Arbeit das Trainerteam mit Urs Fischer dort leistet. Es ist sehr lobenswert - auch dass man als Verein weiterhin so auf dem Boden bleibt."

Quelle: ntv.de

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