Fußball

Schweinsteiger beendet Karriere Der bodenständige Weltmeister sagt Adieu

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Gezeichnet: Bastian Schweinsteiger am 13. Juli 2014 nach dem WM-Finale in Rio.

(Foto: imago/Marca)

Kein deutscher Fußballfan wird je vergessen, wie Bastian Schweinsteiger im Finale der WM 2014 schmerzverzerrt und blutend auf dem Rasen lag - und immer wieder aufstand. Aus "Chefchen Schweini" wurde einer der beliebtesten deutschen Fußballer. Nun beendet er seine Karriere.

Es gab einmal in unserem Land die große Debatte, ob es bei uns noch so etwas wie Führungsspieler gäbe. Auch die Rolle von Bastian Schweinsteiger wurde damals kritisch unter die Lupe genommen. Die "Sportbild" sah den damaligen Spieler des FC Bayern in keiner besonders guten Position und taufte ihn deshalb "Chefchen Schweini". Nach dem Gewinn des WM-Pokals 2014 und der herausragenden und aufopferungsvollen Leistung Schweinsteigers im Finale gegen Argentinien musste das Magazin Abbitte leisten - und tat dies auch mit großer Geste. Nach dem 1:0 in Rio de Janeiro sagte Franz Beckenbauer: "Er wurde getreten, geschunden, krümmte sich schmerzverzerrt und blutend am Rasen, hat sich stets wieder zurückgekämpft wie ein Löwe, der sein Rudel verteidigt."

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Da ist das Ding: Schweinsteiger mit Lukas Podolski.

(Foto: imago/ActionPictures)

Acht Jahre zuvor bei der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland hatte bereits Brasiliens Fußball-Idol Pelé sein Herz an den sympathischen Jungstar, "der so heißt wie eine Whiskey-Marke. Swines Tiger", verloren. Nach dem Champions-League-Halbfinale 2012 in Madrid sagte Schweinsteiger männlich gereift: "Ich hab zum Spaß gesagt: Ich hab kurz vor meinem Elfmeter meine Eier vergessen oder verloren, aber sie dann rechtzeitig wiedergefunden."

Neun Jahre liegen zwischen diesem denkwürdigen Tag in Spanien und einer Sommernacht in München, die ebenfalls zur Legende wurde. Damals hatten nachts um zwei Uhr Sicherheitsleute Schweinsteiger im Whirlpool des FC Bayern an der Säbener Straße erwischt - wo er sich gerade mit einer weiblichen Begleitung vergnügte. Wie die Geschichte an die Medien gelangte, ist nie ganz aufgeklärt worden, aber Schweinsteiger reagierte schon in jungen Jahren klug und besonnen, als er den Journalisten eine Ausrede präsentierte, die noch heute jeder Fußballfan kennt: "Das war meine Cousine, der ich den Profi-Trakt zeigen wollte." Spannend und interessant zugleich, dass er kurz darauf sehr selbstbewusst und offenherzig Fotos von sich machen ließ - auf denen eine Blondine zu sehen war, die wohl große Ähnlichkeit mit seiner "Cousine" gehabt haben soll.

"Die Mädels waren begeistert"

Manager Uli Hoeneß schlug Alarm: "Dem Schweini wurde zu viel Puderzucker in den Hintern geblasen. Den klopfe ich nun wieder raus." Das scheint in den Folgejahren Wirkung gezeigt zu haben. Eines Tages stellte Hoeneß zufrieden fest: "Er ist ein sehr nachdenklicher junger Mann geworden, der alle Flausen aus dem Kopf hat: der nicht mehr morgens darüber nachdenkt, mit welcher Frisur er abends in welche Disco geht." Dass er das Feiern nicht gänzlich verlernt hatte, merkte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge im Sommer 2013 an: "Bastian hat nach dem DFB-Pokalsieg einen Klub in Berlin aufgetan. Dort haben wir ausgiebig gefeiert. Einige hatten da sicher mehr als 1,8 Promille. Bastian hat zu später Stunde seinen nackten Oberkörper präsentiert, die Mädels waren begeistert."

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Partie nach dem DFB-Pokalsieg 2013: Jupp Heynckes mit Schweinsteiger.

(Foto: imago sportfotodienst)

Weniger begeistert waren die Dortmund-Fans nach der WM 2014. Auf einem Video aus einer Kneipe konnte man einen ziemlich fröhlich wirkenden Schweinsteiger erkennen, der lautstark den Klassiker "BVB Hurensöhne" intonierte. Als das Filmchen im Netz kursierte, meldete er sich via Videobotschaft: "Ich möchte mich dafür bei den Fans von Borussia Dortmund, Verantwortlichen und Spielern entschuldigen. Ich möchte nichts schönreden. Es ist ein bekannter Fan-Song, aber mit dem Schimpfwort möchte ich niemanden beleidigen." Wer Späße über andere macht, muss selbstverständlich auch Späße über sich selbst ertragen. Und die fanden bei dem Mann aus dem oberbayrischen Kolbermoor vor allem über den Namen statt. Komiker Guido Cantz hat im Karneval einmal folgende Pointe ausprobiert: "Schweinsteiger. Heute ist das ein Nationalspieler. Früher war das ein Hobby im Hunsrück." Und ebenfalls in der fünften Jahreszeit erzählte ein Comedian folgenden Witz auf der Bühne: "Der Name Schweinsteiger wurde aus Rücksicht auf den Islam verbannt - er wird jetzt Nutztierkletterer genannt."

Schweinsteiger scheint bei all dem Trubel um seine Person stets ein recht normaler Mensch geblieben zu sein. Sein Förderer Hermann Gerland war einmal ganz gerührt von einer Aktion des Nationalspielers: "Nach dem Finale in der Champions League kam Bastian Schweinsteiger an und wollte mir seine Medaille schenken. Und warum? Weil er dachte, ich würde als Co-Trainer keine eigene bekommen." Auf seinem Weg vom "Chefchen Schweini" zum Weltmeister hat Schweinsteiger durch seine sympathische Art viele Fans gewonnen.

"Ihnen auf jeden Fall ein großes Vergeltsgott"

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Lustig, lustig.

(Foto: imago sportfotodienst)

Eines Tages hat sich einmal ein Vater eines kleinen Jungen über Facebook überschwänglich bei ihm bedankt: "Lieber Bastian Schweinsteiger, meinem 5-jährigen Sohnemann haben Sie am Freitag einen wunderschönen Moment geschenkt: als der Mannschaftsbus zur Abfahrt bereitstand, gaben Sie noch freundlicherweise Autogramme und bemerkten den kleinen Raphael an der Schranke, wie er zu Ihnen aufschaute. Sie strichen ihm über den Kopf und fragten, ob es ihm gut geht. Er war natürlich zur Salzsäule erstarrt und konnte nichts entgegnen. Er hat sich aber unendlich darüber gefreut und weigert sich seitdem strikt sich die Haare waschen zu lassen. Ihnen auf jeden Fall ein großes Vergeltsgott, dass Sie trotz aller Erfolge so ein lebensfroher, sympathischer und bodenständiger junger Mann geblieben sind!" Besser kann man Schweinsteigers Außenwirkung nicht beschreiben.

Doch eine Sache hat der Vater des kleinen Jungen vergessen: Schweinsteiger hat auch einen formidablen Sinn für Humor, der dafür sorgen wird, dass man sicherlich auch in Zukunft noch viel von ihm hören wird. So war einmal ein brasilianischer Journalist sehr angetan von dem Beinamen "Fußballgott", den die Fans Schweinsteiger verpasst hatten. Doch der Mann aus Kolbermoor wusste die Sache mit einem Augenzwinkern einzuordnen: "Die Südkurve in München nennt immer mal wieder einen anderen Spieler Fußballgott. Vor mir war das Carsten Jancker. Ich weiß nicht, ob Sie den kennen." Nun beendet Bastian Schweinsteiger mit 35 Jahren seine Karriere als Fußballer. Glück auf!

Quelle: n-tv.de