Fußball

Der "Mord" am FC Barcelona Der frustrierteste Lionel Messi, den es je gab

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Mehr Bildsprache geht nicht.

(Foto: AP)

So eine Demütigung hatte Lionel Messi in seiner Karriere wohl noch nie erlebt: Mit dem FC Barcelona geht er im Viertelfinale der Champions League gegen den FC Bayern unter. Das historische Debakel wird gewaltige Konsequenzen nach sich ziehen - auch für Messi?

Dann nun vielleicht doch Inter Mailand? Das Gerücht hält sich ja hartnäckig. Und ein Luxusloft hat Lionel Messi in der Mode-Metropole ja bereits auch. Und der Papa, sein Berater, eine Wohnung. Gutes Geld soll sich beim Traditionsklub der Serie A, der im Besitz sehr gut betuchter Chinesen ist, auch verdienen lassen. Wobei das mit dem Geld für wie Messi vermutlich nicht (mehr) ganz so wichtig ist. Weit mehr als genug dürfte er davon auch beim FC Barcelona verdient haben. Bei jenem Klub, mit dem er fantastische Erfolge gefeiert hat. Mit dem er aber auch stärker fremdelt denn je. Mutmaßlich erst recht nach der größten sportlichen Demütigung als finaler Akt einer ziemlich verkorksten Saison für den Klub. Für den Superstar.

Mit 2:8 wurde das Team aus Katalonien im Viertelfinale der Champions League vom FC Bayern überrollt. Es wurde vorgeführt. Bloßgestellt. Und diese Demontage endete dann auch noch mit einer Frage, die sich eigentlich verbietet. So sollte der Münchner Joshua Kimmich beantworten, ob ihm Messi nach dem Spiel leid getan habe. Er sagte nur ein Wort, ein Wort, das die ganze Brutalität des Abends zusammenfasste. Kimmich sagte: "Nein". Die Gier seiner Bayern, grenzenlos. Die Erschöpfung und Enttäuschung bei Barça, noch grenzenloser. Nicht weniger als eine Ära geht zu Ende - nach einem langen Leiden des Teams aus Weltstars, gealterten Weltstars, Weltstars außer Dienst und unfertigten Talenten.

So entschuldigte sich Klub-Präsident Josep Maria Bartomeu nach dem größten Schmerz der Geschichte bei den Fans und kündigte Konsequenzen an. "Es gibt einige Entscheidungen, die wir bereits getroffen haben und andere, die wir die nächsten Tage treffen werden. Es wird in der kommenden Woche Mitteilungen geben, wir müssen Entscheidungen treffen, nachdem sich die Dinge beruhigt haben", sagte er. Die erste, sie dürfte indes sehr schnell verkündet werden. Das Aus für den ohnehin schon hart angezählten Trainer Quique Setién. In den spanischen Medien werden bereits seine möglichen Nachfolger gehandelt: der Argentinier Mauricio Pochettino sowie die früheren Barça-Profis Xavi und Patrick Kluivert.

Die große Sorge um Messi

Die Besetzung des Postens dürfte für das Umfeld allerdings nur zweitrangig sein. Denn alles ist auf Lionel Messi ausgerichtet (den dürfte die Trainerfrage indes brennend interessieren). Ein Abgang des argentinischen Weltfußballers wäre das endgültigste und wuchtigste Zeichen des Zerfalls der einst so ruhmreichen Mannschaft, die Europa jahrelang mit ihrem bewunderten Tiki-Taka entnervt hatte. Die in den vergangenen Jahren - nach den Abgängen der großen Taktgeber Xavi und Andrés Iniesta - aber auch mehr und mehr von ihrer Einzigartigkeit verloren hatte. Der Versuch, das Team mit teuren Zukäufen zu stabilisieren, misslang völlig. Weder Philippe Coutinho, der ausgeliehen an den FC Bayern nun in den Schlussminuten mit zwei Toren und einer Vorlage noch heftig zur Demütigung beitrug, noch Ousmane Dembélé oder Antoine Griezmann funktionierten (bisher).

Der Verein driftete in eine immer fatalere Abhängigkeit von Messi. War Messi gut, war Barça gut. War er nicht gut, war's Barça auch nicht. Und das kam in dieser Saison tatsächlich häufiger als gewöhnlich vor. Für den immer gierigen Messi eine nicht zu akzeptierende Lage. Bisweilen konnte nur Marc-André ter Stegen die eine oder andere Peinlichkeit noch abwenden. Und so ist eine Saison, eine Situation, die den 33 Jahre alten Superstar zuletzt mehrfach und auch abseits der Geschehnisse auf dem Platz überraschend deutlich werden ließ. Er wehrte sich gegen Anschuldigungen, dass die gesamte Mannschaft den Rauswurf von Ex-Coach Ernesto Valverde forciert habe. Er wehrte sich gegen Anschuldigungen, dass die Spieler nicht bereit seien, in der Coronakrise auf Gehalt zu verzichten. Und nach der vergeigten Meisterschaft in der Primera Division lederte er offensiv gegen Team und Trainer.

Und nun, nach dem "kaltblütigen Mord", den die spanische Presse erkannte, was wird nun aus Messi? Nach einem starken Beginn, mit starken Szenen gegen den zunächst überforderten und später stabilen und sogar phänomenalen Alphonso Davies, steckte der 33-Jährige immer mehr auf. Mit jedem (Tor)-Stich der Münchner sank sein Blick. Nach dem sechsten Gegentreffer resignierte er völlig, blickte eine kleine Ewigkeit mit starrem Blick auf den Boden. Der einzige Hoffnungsträger - ohne Hoffnung. Für den Moment. Für die Zukunft? In der 83. Minute wurde der Welt klar: Das ist der frustrierteste Messi, den es je gab.

Quelle: ntv.de