Fußball

Triple-Saison für die Ewigkeit? Flicks FC Bayern ist der Perfektion ganz nah

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Formvollendet traf Robert Lewandowski zum 6:2 gegen den FC Barcelona. Es war sein 14. Saisontor im laufenden CL-Wettbewerb.

(Foto: picture alliance/dpa)

Mit einem Torfestival schrumpft der FC Bayern den großen FC Barcelona zum Zwergriesen. Zwei Siege trennen die Münchner noch vom Titel und damit dem zweiten Triple der Klubgeschichte. Die CL-Statistiken mit surrealen Sieg- und Torquoten zeigen: Es wäre eine Saison für die Ewigkeit.

Wäre die Champions League tatsächlich eine Liga, stünden der FC Bayern und Trainer Hansi Flick unangefochten an der Tabellenspitze. Die surreale 8:2-Demontage des FC Barcelona, mit der sich die Münchner ins Halbfinale spektakelten und ihre Chance auf Erfüllung des Triple-Traums wahrten, war der neunte Sieg im neunten CL-Spiel der Saison 2019/20. Kein anderes Team weist in der laufenden Spielzeit diese perfekte Bilanz auf, auch nicht der mögliche Halbfinalgegner und vermeintlich ärgste Titelkonkurrent Manchester City mit Ex-Bayern-Coach Josep Guardiola - der vor seinem Viertelfinale gegen Olympique Lyon (ab 21 Uhr im ntv.de Liveticker) immerhin neben den Bayern bislang noch die einzige ungeschlagene Mannschaft im Wettbewerb ist.

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Noch sagenhafter als die perfekte Siegausbeute ist die Münchner Torausbeute von 39 Treffern, was 4,33 Toren pro Spiel entspricht und in einer absurden Tordifferenz von +31 gipfelt - wobei die Bayern sogar noch sechsmal Pfosten- bzw. Lattenpech hatten. Mehr Aluminiumtreffer verbuchte in dieser CL-Saison nur der SSC Neapel (7). Und: Allein 14 der 39 Bayern-Tore gehen auf das Konto von Tor-Garant Robert Lewandowski, der natürlich auch gegen den FC Barcelona traf, allerdings "nur" zum 6:2-Zwischenstand. Selbst der CL-Saisonrekord von Alt-Superstar Cristiano, der 2013/14 insgesamt 17 Tore erzielt hatte, ist für Lewandowski trotz der Corona-bedingten Finalturnierverkürzung und der zwei Spiele kürzeren K.-o-Phase noch greifbar.

Auf Platz 2 der imaginären CL-Tabelle und auch des Torrankings liegt Thomas Tuchels Paris Star-Truppe um Neymar und Kylian Mbappé, die in neun Spielen bislang sieben Siege und ein Remis bei einer Niederlage einfuhren, sowie 22 Tore schossen. Der Pariser Halbfinalgegner RB Leipzig liegt mit "nur" 16 Treffern lediglich auf Rang 8 des Torrankings, was freilich nicht an mangelnder Schussfreude liegt. Mehr Torversuche pro Spiel als die Leipziger (im Schnitt 15,56) gaben nur der in der Gruppenphase gescheiterte FC Salzburg, Man City, Real Madrid, der FC Liverpool und natürlich der FC Bayern ab, der mit 23,33 Schüssen pro Spiel auch in dieser Kategorie einsame CL-Spitze ist - wie auch bei den Schüssen, die tatsächlich aufs Tor kamen.

Ermöglicht wird die Bayern-Dominanz und Torgier unter anderem durch die beste Passquote aller CL-Teams, die wie beim FC Barcelona, Manchester City und Juventus Turin bei 88 Prozent erfolgreichen Zuspielen liegt - wobei die Bayern aber absolut die meisten Pässe gespielt haben. Und durch lange Ballbesitzphasen. Der Münchner Durchschnittswert von 61 Prozent Ballbesitz pro Partie wird nur von Jürgen Klopps FC Liverpool übertroffen (62 Prozent), der nach zuvor zwei Finalteilnahmen in Folge diesmal als Titelverteidiger spektakulär im Achtelfinale an Atlético Madrid gescheitert war.

Mehr Tore gab es in der K.-o.-Runde noch nie

Im ewigen Ranking der höchsten CL-Siege liegen die Münchner mit dem 8:2 indes "nur" auf Rang 14, weil es tatsächlich bereits in dreizehn Partien sogar eine Tordifferenz von mindestens +7 zwischen Sieger und Gedemütigtem gab - unter anderem bei den beiden 7:0-Heimsiegen der Bayern in der K.-o.-Runde gegen den FC Basel (März 2019) und Schachtjor Donezk (März 2015), oder bei Schalkes Achtelfinal-Klatsche vergangene Saison gegen Manchester City.

Ein absoluter Topwert in der Champions-League-Historie sind hingegen die zehn Tore, die beim Münchner 8:2-Spektakel über Barcelona fielen. Mehr Tore gab es in einer CL-Partie in der K.-o.-Runde noch nie - und auch in der Gruppenphase erst zweimal in der Champions League seit 1992/93. Nämlich beim vogelwilden 8:4-Slapsticksieg von Borussia Dortmund über Legia Warschau in der Gruppenphase 2016, den ntv.de-Kollege Tobias Nordmann live mitbestaunen durfte. Und beim Elf-Tore-Wahnwitz zwischen AS Monaco und Deportivo La Coruna (8:3) in der Gruppenphase 2003.

Zu diesen drei Partien mit zweistelliger Torausbeute kommen noch vier Partien mit insgesamt neun Toren, eines davon mit Bayern-Beteiligung: das 7:2 bei Tottenham Hotspur am 1. Oktober 2019, also in der Gruppenphase der aktuellen Saison.

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Eine weitere Partie mit Bayern-Beteiligung findet sich unter den sieben CL-Spielen, in denen insgesamt acht Tore fielen und ein deutsches Team beteiligt war: Das 7:1 im März 2009 über Sporting Lissabon, als die Münchner unter Trainer Jürgen Klinsmann ein letztes Zwischenhoch erlebten - ehe die Saison mit einem 1:5 beim VfL Wolfsburg, einem 0:4 in Barcelona und dem Rauswurf von Klinsmann komplett entgleiste.

Legendär: Das Wunder von der Weser, als Werder Bremen aus einem 0:3-Pausenrückstand gegen RSC Anderlecht im Dezember 1993 noch ein 5:3 machte. Aus heutiger Sicht kaum zu glauben: Das 4:4, das - Obacht! - der Hamburger SV als - Obacht! - Champions-League-Teilnehmer im September 2000 Juventus Turin abtrotzte - als die Hamburger einen 1:3-Rückstand in eine 4:3-Führung drehten, nur um dann kurz vor Schluss durch einen Elfmeter doch noch den Ausgleich hinnehmen zu müssen.

Quelle: ntv.de