Fußball

Kolasinac, Huntelaar und Rafinha Der romantische Rettungsplan von Schalke

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So kennen sie ihn, so lieben sie ihn: Klaas-Jan Huntelaar.

(Foto: imago/Jan Huebner)

Im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga setzt der FC Schalke 04 auf die Vergangenheit: Neben Torwart Ralf Fährmann und dem zurückgeholten Sead Kolasinac soll auch Torjäger Klaas-Jan Huntelaar aushelfen. Außerdem gibt es Gerüchte um Rafinha.

Nachricht aus Gelsenkirchen. Von einem sehr erstaunten Anhänger des FC Schalke 04. "So langsam könne man", schreibt er, "davon ausgehen, dass spätestens am 31. Januar auch Olaf Thon wieder bei uns spielt." Nun, nimmt man es jetzt ganz genau, dann spielt Thon bereits seit einer ganzen Weile wieder auf Schalke. An der Seite etwa von Klaus Fichtel, Klaus Fischer oder Rüdiger Abramczik schiebt er regelmäßig (zu Pandemie-Zeiten natürlich nicht) Schicht in der königsblauen Traditionself. In der wären künftig auch Klaas-Jan Huntelaar und Rafinha gerne gesehen. Sehr gerne sogar.

Noch aber sollen der Stürmer und der Rechtsverteidiger einen anderen Auftrag in Gelsenkirchen erfüllen. Sie sollen die Profimannschaft des Fußball-Bundesligisten vor dem Abstieg retten. Während Huntelaar entsprechende Annäherungen bestätigt hat, gibt es zu Rafinha bisher nur die "Bild"-Zeitung als Quelle. Immerhin ist dort die Rede davon, dass der kleine Brasilianer große Lust an der Rettungsmission haben soll. Er wäre, so heißt es in dem Bericht, auch im Winter ablösefrei zu haben. Eine entsprechende Klausel sei in seinem Vertrag bei Olympiakos Piräus verankert.

Die Transferoffensive, die Schalke trotz brisanter Finanzlage derzeit vorantreibt, ist mutmaßlich eine der kuriosesten und emotionalsten der Vereinsgeschichte. Schon die erliehene Rückkehr von Sead Kolasinac euphorisierte den Klub, mit dem ehemaligen Topstürmer Huntelaar ist es nun nicht anders, obwohl ja noch nichts finalisiert ist. Und auch Rafinha weckt warme Gefühle. Denn sie alle stehen für eine erfolgreiche Vergangenheit. Eine Vergangenheit, in der Schalke zwar keine Titel (Ausnahme der Pokal 2011) gewann, in der aber Fußball gespielt wurde, in der malocht wurde. In der Schalke eben Schalke war. Eine Einheit.

Sportlich eine gute Idee?

All das war ja zuletzt unter den Resthaufen Kohle verschüttet gegangen. Der Kader, er wirkte irgendwie reichlich entfremdet von den Werten des Klubs. Identität, eher ein Fremdwort. Ebenso wie Führung. Mit dem "Wahnsinnigen" Kolasinac, mit dem dauergalligen Rafinha und dem immer noch treffsicheren Huntelaar, erst am Donnerstag traf er doppelt für Ajax Amsterdam, würde sich der Tabellen-17. sehr viel Linderung für seine gewaltigen Schmerzen besorgen. Ob mit ihnen allerdings auch eine erfolgreiche Operation - um nicht weniger, aber eben auch um nicht mehr geht es in dieser Saison - durchzuführen ist? Ob gerade die alternden Huntelaar und Rafinha sportlich wirklich eine Bereicherung sind? Ob sie die geforderte Dynamik noch bringen können? Das sind sehr spannende Fragen.

Eines ist ja mal klar: Weder Huntelaar noch Rafinha stehen für die Zukunft. Und ob Kolasinac nach einer starken Rückrunde für den wirtschaftlich heftig angeschlagenen Verein zu halten wäre, ob der FC Arsenal ihn überhaupt verkaufen würde, nunja. Sei's drum. Die aktuelle Personalpolitik zielt offenbar vor allem darauf ab, dass durchaus talentierte Ensemble um Nationalspieler Suat Serdar, um den sensiblen Amine Harti und all die anderen zu stabilisieren und die vakanten Problempostionen mit guten Fußballern und starken Charakteren zu besetzen. Für einen möglichst günstigen Kurs. Dem zuletzt heftig in die Kritik geratenen Sportvorstand Jochen Schneider gibt der gefühlige Plan zumindest ein wenig frischen Kredit.

Identifikation ist das Stichwort

Und so machen sie derzeit vor allem Huntelaar den Hof, der als Sturmchef auf Zeit (im Sommer soll seine Karriere eigenlich enden) nicht nur für Tore sorgen soll, sondern auch den am vergangenen Wochenende eskalierten Matthew Hoppe anleiten könnte. "Wenn ein Spieler mit dieser Erfahrung, dieser Aura, dieser Persönlichkeit und diesen Qualitäten sich noch einmal bei uns reinhängen würde, wäre das fantastisch", sagte der neue Trainer Christian Gross. Er setzt im sportlichen Existenzkampf vor allem auf "alte" Schalker: Der mehrmals ausgebootete Ralf Fährmann ist wieder die Nummer eins im Tor, Kolasinac sofort Kapitän. "Es ist das Stichwort Identifikation", erklärte Gross, "mit dem Verein, mit der Vergangenheit, wo Schalke hingehören soll und muss - nämlich in die erste Bundesliga."

"Er ist infiziert von diesem Virus Schalke", sagte Gross, der mit dem 37 Jahre alten Niederländer bereits Kontakt hatte, "er hat sehr, sehr gute Erinnerungen." Huntelaar, der von 2010 bis 2017 in 240 Spielen für die Königsblauen 126 Tore erzielte, ist nicht abgeneigt. Es sei "natürlich eine Gefühlsfrage. Es ist so, als ob du dich zwischen zwei Kindern entscheiden musst", sagte der Niederländer nach seinem Doppelpack beim 3:1 bei Twente Enschede dem Sender NOS. Er ließ aber bereits anklingen, pro Schalke zu tendieren: "Schalke ist in Not. Und Schalke braucht mich vielleicht etwas mehr." Und in Gelsenkirchen hätte er die Möglichkeit, etwas häufiger zu spielen. Denn bei Ajax ist er nun Joker. Erst recht nach der Verpflichtung der Amsterdamer des ehemaligen Frankfurter Sturmbüffels Sébastien Haller.

Übrigens: Weder im zentralen Mittelfeld sucht Schalke nun dringend Verstärkung, noch auf der Position des Liberos. Olaf Thon wird also vermutlich nicht mehr ins Profiteam zurückkehren.

Quelle: ntv.de