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Kultcoach Stepi zum Pokalfinale "Die Eintracht gewinnt im Elfmeterschießen"

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Dragoslav Stepanovic verpasste mit der Eintracht die Meisterschaft Anfang der 1990er knapp. Sein Kommentar ist Kult: "Lebbe geht weiter!"

(Foto: REUTERS)

Wie im Vorjahr steht Eintracht Frankfurt im DFB-Pokalfinale. Wie im Vorjahr ist das Team krasser Außenseiter. Der ehemalige Trainer Dragoslav Stepanovic glaubt aber an einen Sieg, setzt auf "Fußballgott" Alex Meier und verrät, wie der FC Bayern zu knacken ist.

n-tv.de: Herr Stepanovic, die Eintracht war in dieser Saison auf Kurs in Richtung Champions League. Nun stehen am Ende ein achter Platz und das erneute Erreichen des Pokalfinales. Wie fällt Ihr Fazit dieser Frankfurter Saison aus?

Dragoslav Stepanovic: Naja, wenn man die Chance hat, Champions League zu spielen oder zumindest Europaliga, und schafft es am Ende nicht, ist man erst einmal enttäuscht. Es wäre mehr drin gewesen. Aber mit etwas Abstand können das Team, die Trainer und der Verein mit der Saison zufrieden sein.

Welche Rolle spielt dabei das Trainer-Team um die Kovac-Brüder?

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Niko Kovac übernimmt in der neuen Saison den Job von Trainer Jupp Heynckes. In Frankfurt stieß das vielen sauer auf, vor allem der Zeitpunkt der Bekanntgabe.

(Foto: picture alliance / Angelika Warm)

Niko, Robert und das ganze Team haben hervorragende Arbeit geleistet, wieder einmal. Man muss die Kirche im Dorf lassen. Vom Etat her betrachtet hat die Eintracht über ihre sportlichen Verhältnisse gespielt. Dass es am Ende wieder einmal knapp nicht gereicht hat, liegt auch an den Verletzten im Team. Die Abwehr, die in der Hinrunde hervorragend stand, wurde so in der Rückrunde etwas wackeliger. Aber insgesamt betrachtet, hat das Trainerteam eine wunderbare Arbeit geleistet.

Doch dann kam die überraschende Bekanntgabe des Trainerwechsels zu den Bayern. Der sorgte für Wirbel und für scharfe Kritik aus der Eintracht-Chefetage an den Bayern. Zu Recht?

Ja und nein. Klar war der Zeitpunkt unglaublich ungünstig. Klar hatte das Verhältnis von Trainerteam und Mannschaft Risse bekommen. Aber man darf auch nicht vergessen: Die Spieler spielen für sich. Sie wollen ins internationale Geschäft, in die Champions League - auch weil sie dann einen Bonus erhalten, mehr Geld in den Taschen haben. Da sollte so ein Trainerwechsel, egal wie überraschend er auch war, keine große Rolle spielen. Das Trainerteam selbst hat weiter professionell gearbeitet: Der Sieg im Pokalhalbfinale auf Schalke hat das gezeigt. Und auch das klare 3:0 gegen den HSV, der einen Lauf hatte, sind der Beweis dafür.

Nun steht das Pokalendspiel an. Wie im vergangenen Jahr ist Frankfurt klarer Außenseiter. Ist das ein Vorteil für die Eintracht oder eher ein Nachteil?

Dragoslav "Stepi" Stepanovic

Dragoslav Stepanovic wurde 1948 geboren. Der Serbe gehörte in den späten 1960ern und frühen 1970ern zu den besten Außenverteidigern der Welt und spielte 34 Mal für die jugoslawische Fußball-Nationalmannschaft. In Deutschland lief er für Eintracht Frankfurt und Wormatia Worms auf. Nach dem Ende seiner Laufbahn war er zeitweise als Kneipenwirt tätig, ehe ihn Bernd Hölzenbein im Frühjahr 1991 als Trainer zur Frankfurter Eintracht holte. In der Saison 1991/92 schaffte er es, die SGE an die Tabellenspitze der Bundesliga zu führen, kreierte mit seiner angriffslustigen Spielweise den "Fußball 2000". Am Ende verpasste er mit dem Team in einem dramatischen Saisonfinale aber den Meistertitel. Sein Kommentar dazu: "Lebbe geht weiter". Später arbeitete Stepi unter anderem noch als Coach von Bayer Leverkusen und Manager von TuS Koblenz.

Schwer zu sagen. Aber wenn Seferovic in der ersten Hälfte gegen Dortmund letztes Jahr vielleicht eine seiner Chancen genutzt hätte, wer weiß, was mit einer Führung im Rücken drin gewesen wäre. Hätte, hätte ... In diesem Jahr ist die Konstellation vom Papier her noch krasser: Bayern ist als Meister und Champions-League-Halbfinalist klarer Favorit. Dennoch rechne ich mir für die Eintracht mehr aus als im letzten Jahr.

Was stimmt Sie so optimistisch?

Ich denke, dass bei den Bayern nach dem Halbfinal-Aus gegen Real Madrid in der Champions League, als der große Traum vom Triple geplatzt war, die Luft raus ist. Das Spiel gegen Stuttgart hat das deutlich gezeigt. Du bist Meister, spielst zu Hause, kriegst danach die Schale und lässt dich 4:1 wegbügeln?

2006 lautete das Pokalfinale ebenfalls FC Bayern gegen Frankfurt. Die Eintracht hatte ihre Chancen, verlor aber mit 0:1. Im Vorjahr das 1:2 gegen Dortmund, einhergehend mit einer Menge Lob. Wenn es wieder schieflaufen sollte, lieber wieder knapp oder mit wehenden Fahnen untergehen?

(lacht) Wieso überhaupt eine Niederlage der Eintracht? Ich möchte, dass Frankfurt den Pokal holt. Am Ende ist es völlig egal, wie. Der Pokalsieg wäre ein Wow für die Eintracht!

Motivationsprobleme gibt es sicherlich nicht.

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Für Stepi könnte Alex Meier der Matchwinner im Pokalfinale für die Eintracht werden.

(Foto: picture alliance / Ina Fassbende)

Jeder Eintracht-Spieler wird alles geben, wird sich zerreißen. Und so kannst du die Bayern auch packen: Hinten kompakt stehen, wie in der Bundesliga-Hinrunde, und vorne haben wir schnelle Leute wie Wolf und Rebic. Dazu kommen Haller und Jovic, die gezeigt haben, dass sie Tore schießen können.

Und dann gibt es ja noch die Frankfurter Geheimwaffe, Alex Meier.

Eben, den haben die Bayern nicht! Aber im Ernst: Meier war zwar lange verletzt, für 90 oder gar 120 Minuten reicht seine Power sicher noch nicht, ganz zu schweigen von der fehlenden Spielpraxis. Aber selbst wenn er nur 15 Minuten zum Schluss spielt, ist er immer für den entscheidenden Treffer gut. Der weiß einfach, wo der Ball hinfällt, wo er stehen muss und wie der Ball ins Tor muss. Der Meier ist unheimlich!

Wäre der Fußballgott Eintrachtfan, würde Meier in der allerletzten Spielminute das 1:0 schießen und den Pokaltriumph festmachen. Wie ginge die Partie aus, wenn der Fußballgott Stepi hieße?

Genauso!

Sie glauben wirklich an eine Überraschung?

Ich glaube auf alle Fälle fest daran. Warum sollte denn nicht einmal ein krasser Außenseiter gewinnen?

Na dann Butter bei die Fische: Wie lautet Ihr Ergebnistipp für das Pokalfinale Eintracht Frankfurt gegen Bayern München?

2:2 nach 120 Minuten und dann gewinnt die Eintracht im Elfmeterschießen.

Mit Dragoslav Stepanovic sprach Thomas Badtke

Quelle: n-tv.de

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