Fußball

Eisblock Kompany stinksauerDie Wut des FC Bayern kaschiert überraschende Schwächen

01.02.2026, 08:53 Uhr
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Der Runterbringer hat den FC Bayern überrascht. Er breitet sich deutlich in den Gesichtern aus. (Foto: picture alliance / nordphoto GmbH)

Was ist da los? Der FC Bayern gewinnt schon wieder nicht. Aus den zwei Liga-Spielen gegen Augsburg und den HSV holen sie nur einen Punkt. Während Schiedsrichter Osmers in den Senkel gestellt wird, offenbaren sich andere Probleme beim Rekordmeister.

So hatte die Bundesliga Vincent Kompany noch nie erlebt. Immer wieder tauchte er dick in seiner Jacke verpackt wutentbrannt am Spielfeldrand auf. Er haderte mit den Entscheidungen des Schiedsrichters Harm Osmers, er haderte mit dem, was auf der Uhr stand. Seine Wut war ein Stellvertreter für seine eigene Machtlosigkeit. Auf dem Platz rannte der FC Bayern gegen das zweite sieglose Bundesliga-Spiel in Folge auf. Vergebens.

"Wenn es 16 Minuten additional time gibt, dann ist was passiert im Spiel", sagte er über die aufaddierten Nachspielzeiten der beiden Halbzeiten. "Ich habe in 18 Monaten noch nicht über den Schiedsrichter geredet, aber wenn es 16 Minuten additional time gibt, dann schon. Nicht nur die 22 Spieler auf dem Platz beeinflussen das Spiel, es gibt noch andere Leute auch."

Dann schimpfte er über eine Gelbe Karte für Harry Kane, immer wieder relativierte er, lobte den HSV und sprach von einem "guten Spiel für die Bundesliga", doch das, was seiner Mannschaft widerfahren war, wollte er nicht so stehen lassen. "Die Nachspielzeit war ein Teil dieses Spiels. Ich hatte Emotionen in diesem Spiel. Ich hatte das Gefühl, dass deutliche Situationen kompliziert gemacht worden sind." Der Eisblock Kompany, der coolste Trainer der Liga, war da längst vor den Augen der Fußball-Nation geschmolzen.

HSV wirft sich in alles rein

Ecke um Ecke prasselte in der bald zehn Minuten dauernden Nachspielzeit der zweiten Halbzeit auf HSV-Keeper Daniel Heuer Fernandes ein. Der bekam immer wieder eine Faust an den Ball und das anschließende Getümmel im Strafraum war vergebens. Der Aufsteiger schmiss sich mit allem, was er hatte, in die Schüsse, wehrte sie ab, erkämpfte sich entscheidende Vorteile und bereinigte die Gefahr. Dabei provozierten die Hamburger eine Härte, die der Tabellenführer nicht aufnehmen konnte. Das Spiel endete 2:2 (1:1).

Der HSV wehrte die Bälle mit allen Körperteilen ab, schubste in den entscheidenden Momenten und Osmers akzeptierte das. Wenn sie nicht mehr konnten, legten sie sich auf den Boden und rangen um Luft. In den langen Unterbrechungen schöpften sie die Kraft, die sie benötigten, um ihren mutigen, nahezu sagenhaften Auftritt in dieser Verteidigungsschlacht in den letzten Minuten mit einem Punkt zu veredeln.

Ganz anders die Profis des FC Bayern. Immer wieder bildete sich eine Spielertraube um den Schiedsrichter. Draußen schimpfte Kompany, auf dem Platz moserten Joshua Kimmich, Kane und Co. Sie ignorierten die Kapitänsregel. Osmers auch. Die Regel besagt, dass nur der Kapitän mit dem Schiedsrichter kommunizieren soll, sonst hagelt es Verwarnungen. In dieser Endphase war sie außer Kraft gesetzt.

Max Eberl sieht Benachteiligung des FC Bayern

"Er ist oft in die Fallen des HSV gelaufen, wenn die Spieler sich hingeschmissen haben und Zeit gewonnen haben. Das hat uns sehr geärgert und aufgewühlt. Damit müssen wir besser umgehen und dürfen uns nicht so anstecken lassen", schimpfte Sportvorstand Max Eberl in Katakomben und bei Sky sagte er: "Der Schiedsrichter war etwas überfordert aus meiner Sicht." Damit mochte er richtig gelegen haben, doch die Meinung hätten die Bayern auch den Hamburgern zugestehen müssen.

Osmers war auf beiden Seiten nicht immer auf der Höhe. Bereits in der dritten Minute sah Kane nach einem Tritt gegen Heuer Fernandes aus nicht nachvollziehbaren Gründen nicht die Gelbe Karte, auch Michael Olise sah erst sehr spät und trotz einiger taktischer Fouls vorher die Gelbe Karte. Osmers war nicht das exklusive Problem der Bayern, doch sie machten es dazu.

In 2026 kassiert FC Bayern in der Liga immer

Als alles vorbei, die Bayern-Profis Kane und Josip Stanisic in den Katakomben ihren Unmut über Osmers in die Welt geblasen hatten, stand Keeper Manuel Neuer am Sky-Mikrofon und sagte: "Für uns fühlt sich das eher wie eine Niederlage an". Der ehemalige Nationaltorhüter war ganz schön bedient. "Mich ärgert das Unentschieden. Dass wir damit nicht zufrieden sind, ist ja auch ein gutes Zeichen." Zwei Tore hatte er kassiert, etliche gute Chancen der Hamburger vereitelt, und doch waren die Bayern wie in jedem Bundesliga-Spiel in 2026 nicht ohne Gegentor geblieben.

"Das eine war ein Elfmeter, das andere war ein Super-Kopfball von Luka Vuskovic", sagte Neuer, der darauf verwies, dass für die anderen Chancen ja auch ein Torwart im Tor steht. Häufig aber stand der Begründer des neuen Torhüterspiels weit vor seinem Tor und einmal hatte er gesehen, wie Alphonso Davies zur von ihm verwaisten Torlinie zurückstürmen musste. Die Gefahr war real. Das 2:3 droht in dieser 74. Minute.

Schiedsrichter-Schelte als Stellvertreter

Aber Davies, der schnellste Spieler des Rekordmeisters, rettete in letzter Sekunde. Fabio Vieria hatte nach einem Bilderbuch-Konter einen brandgefährlichen Schuss abgefeuert, Neuer war zuvor aus dem Kasten gestürmt, um den Ball abzufangen, war jedoch von Rayan Philippe mit einem Pass überrascht worden. "Drei-gegen-zwei Unterzahl für uns. Mit mir als Innenverteidiger drei gegen drei", erklärte Neuer. "Wenn ich nicht rausgehe, kommt es zu einem Eins-gegen-Eins gegen mich. Dann wird es schwer. Ich wusste, dass wir schnelle Leute haben. Den hat Fonzy geklärt."

Es war die allgemeine Verteidigungslinie des FC Bayern, dem das Spielglück abhandengekommen war. Auch Kompany sah zwei nicht zu verhindernde Gegentreffer, sah in erster Linie jedoch einen Schiedsrichter, der die Kontrolle über das Spiel verloren hatte.

Dabei kaschierte all diese Kritik das eigentliche Problem des FC Bayern, der in der Defensive nach erneut sieben Umstellungen der Startelf im Vergleich zum Spiel in Eindhoven verwundbar war. Der nicht mit den blitzartigen Angriffen der Hamburger über die Flügel zurechtkam und auf den Außen Schwachstellen zeigte, beim 2:2 durch Vuskovic aber auch in der Mitte gigantische Löcher zuließ.

Alles so intensiv im Januar

Trotz der Rückkehrer der vergangenen Wochen und Monate - Jamal Musiala, Davies, Stanisic und auch Kimmich sind nach mehr und weniger langen Phasen der Abwesenheit wieder da - geht der FC Bayern auf dem Zahnfleisch, sucht Stabilität und ringt um Fassung.

"Wir haben jetzt in 20 Tagen sieben Spiele gehabt - das sind nicht einmal drei Wochen. Es war eine sehr intensive Zeit. Wir wussten, dass sie kommt, und wir wussten auch, dass es kompliziert wird", sagte Eberl. "Die Intensität, die Reisen nach Eindhoven und Hamburg, dazu Gegner, die mehr als 100 Prozent geben - wir müssen extrem viel investieren, um Spiele zu gewinnen." Das gelingt ihnen dieser Tage nicht immer. "Über was reden wir? Wir reden über die Zeit jetzt im Januar, über einen Start gegen Leipzig, reden über internationale Spiele, wo wir in der Champions League zweimal gewonnen haben. Das sollte man nicht außen vor lassen, sondern immer das Ganze sehen", sagte Manuel Neuer.

Konsequenzen auch für die Champions League?

Das Ganze zeigte einen FC Bayern, der etwas aus dem Tritt gekommen ist. Der nicht mehr durch die Liga fliegt, und der kurz vor der entscheidenden Phase der Saison national etwas stolpert. Wenn er dabei weiterhin von solchen Kleinigkeiten aus dem Konzept gebracht wird, wenn er weiterhin so auf die Härte der Gegner reagiert und in jedes Scharmützel läuft, bekommt die Bundesliga vielleicht doch noch einen Meisterschaftskampf.

Das aber ist wenig wahrscheinlich. Denn zu einem Titelrennen gehören mindestens zwei Mannschaften. Ein Gegner aber ist trotz der Dortmunder Scheinstärke nicht zu erkennen. Ganz anders jedoch könnte es schon bald in der Champions League laufen. Dort beginnt für den FC Bayern im März die K.-o.-Phase. Dort will er bis ins Finale nach Budapest kommen und dort dürften ihnen die Defensivschwächen dieser Januar-Tage um die Ohren fliegen. So diese bis dahin nicht behoben sind. Vorerst ist es so: Die Momente der Fassungslosigkeit sind neu bei diesem FC Bayern unter Supertrainer Kompany. So hat ihn die Liga noch nicht gesehen.

Quelle: ntv.de, sue

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