Fußball

Fußball mit ausländischer TV-Karte EU-Gericht kippt Exklusivrechte

Eine britische Pub-Besitzerin wehrt sich gegen die höchste Fußball-Liga im Land - das ist ein bisschen wie der Kampf von David gegen Goliath. Die Kneipen-Chefin setzt sich durch: Ausländische Decoderkarten dürfen nicht verboten werden, urteilen die EU-Richter.

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Nicht mehr exklusiv: Wer die Fußball-Bundesliga sehen will, darf das nun auch mit einer ausländischen Decoderkarte tun.

(Foto: dpa)

Die Exklusiv-Vermarktung von Fernsehrechten im Profifußball muss geändert werden. Der Europäische Gerichtshof entschied in Luxemburg, dass ausländische Decoderkarten zum Empfang von Übertragungen im Bezahlfernsehen nicht verboten werden dürfen. Das Urteil wird zu einer Änderung der Vermarktung von Sportrechten führen und hat auch Auswirkungen auf den Verkauf der TV-Rechte der deutschen Bundesliga. Eine Berufung gegen das Urteil ist nicht möglich.

Die Richter kamen zu dem Schluss, dass "nationale Rechtsvorschriften, die die Einfuhr, den Verkauf und die Verwendung ausländischer Decoderkarten untersagen, gegen den freien Dienstleistungsverkehr verstoßen". Ein System von exklusiven Lizenzen verstößt auch gegen das Wettbewerbsrecht der Union, so der Spruch. Mit seiner Entscheidung gab der EuGH der Pub-Besitzerin Karen Murphy aus dem englischen Portsmouth recht. Murphy hatte in ihrer Kneipe Spiele der englischen Premier League gezeigt, dafür aber keine Decoderkarte des britischen Bezahlsenders BSkyB verwendet, sondern eine günstigere aus Griechenland.

Nicht aus heiterem Himmel

Daraufhin wurde die Kneipen-Chefin von der "Football Association Premier League" (FAPL) verklagt, welche die Rechte zur Ausstrahlung der Premier League vermarktet. In den Exklusiv-Verträgen mit der FAPL müssen sich nationale Sendeanstalten verpflichten, die Spiele der Premier League verschlüsselt auszustrahlen und das Signal nur Bürgern in ihren Ländern zugänglich zu machen.

Die Entscheidung des höchsten EU-Gerichts kam nicht aus heiterem Himmel. Bereits vor der Urteilsverkündung war eine hohe Gerichts-Gutachterin zu der Ansicht gekommen, dass durch die Verwendung ausländischer Decoderkarten die kommerzielle Verwertung der Rechte nicht unterlaufen werde. Schließlich würden die entsprechenden Gebühren für diese Karten entrichtet. In dem Grundsatzurteil geht es auch um Fragen des Urheberrechts. Das höchste EU-Gericht entschied, das einzelne Teile einer Übertragung wie beispielsweise die Hymne der Premier League geschützte Werke seien, Fußballspiele selbst hingegen nicht.

Quelle: ntv.de, dpa