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110.000 Follower hat der Putin-Parodist auf Twitter.
110.000 Follower hat der Putin-Parodist auf Twitter.(Foto: Screensot/twitter.com/DarthPutinKGB)
Donnerstag, 31. Mai 2018

WM-Countdown (14): Ein Interview mit Putin. Darth Putin.

Von Katrin Scheib, Moskau

Was denkt Putin über die Fußball-Weltmeisterschaft? Wir haben ihn gefragt - nicht Wladimir Putin, sondern Darth Putin. 100.000 Twitter-Nutzer, die dem populären Parodie-Account folgen, können schließlich nicht irren.

Es gibt Dinge, auf die kann man schon mal ein bisschen stolz sein. Zum Beispiel, wenn man für diese kleine Kolumne ein Interview mit Putin klar macht. Nicht mit dem echten, nein: mit dem noch viel echteren! @DarthPutinKGB ist ein Satire-Account bei Twitter, der so tut, als sei er der russische Präsident - und so das politische Geschehen in Russland kommentiert.

Mehr als 100.000 Menschen haben seine Tweets abonniert, besonders populär sind seine grundsätzlichen Einordnungen zur russischen Desinformationsstrategie, die je nach Nachrichtenlage immer wieder passen. "Glaube nichts, ehe der Kreml es nicht dementiert hat", schreibt Darth Putin dann, oder: "Wir machen keine Propaganda, damit ihr etwas glaubt. Wir machen Propaganda, damit ihr nichts glaubt. Und vor allem, damit ihr nichts tut."  Pointiert und kurz, wie gemacht für Twitter.

Vor ziemlich genau zwei Jahren war der Account einige Tage lang gesperrt - zusammen mit diversen anderen, die die russische Regierung oder einzelne Politiker satirisch aufs Korn nahmen. Twitter bekam daraufhin viel Kritik zu hören, kurz darauf war der Account wieder online, seine Popularität ist seitdem nur gewachsen. Weshalb ich, wie gesagt, ziemlich stolz bin, dieses kleine Interview mit dem einzig wahren russischen Präsidenten bekommen zu haben. Wir haben, um dem Twitter-Format treu zu bleiben, uns auf 280 Zeichen pro Frage und pro Antwort beschränkt.

Hat sich den Traum vom Putin-Interview erfüllt: Katrin Scheib.
Hat sich den Traum vom Putin-Interview erfüllt: Katrin Scheib.(Foto: Pascal Dumont)

Nur noch 14 Tage bis zur Fußball-Weltmeisterschaft, und die Rufe nach einem Boykott reißen nicht ab. Ihre Reaktion?

Das sind imperialistische Rufe nach einem Regimewechsel in Russland.

Aktuell steht Russland im Fifa-Ranking auf Platz 66 …

Ich handle gerade die Höhe des Bestechungsgeldes für einen Platz unter den Top 20 aus. Seit Blatter durch einen westlichen Putsch aus dem Amt vertrieben wurde, ist das schwieriger geworden.

Was ist das Mindestergebnis, das Sie von der russischen Mannschaft erwarten?

Der KGB ist keine Einrichtung, die Versagen toleriert.

Und wenn das Ziel nun trotzdem nicht erreicht wird?

Wenn sie es nicht über die Gruppenphase hinaus schaffen, lasse ich sie erschießen. Wenn sie das Turnier nicht gewinnen, grabe ich sie aus und erschieße sie noch einmal.

Wie stehen Sie persönlich zum Fußball? Sie sind eher ein Eishockeyspieler, oder?

Unsere Kolumnistin

Katrin Scheib ist Journalistin, Schalke-Fan und kommt aus dem Rheinland. Als die deutsche Mannschaft 2014 in Brasilien Fußball-Weltmeister wurde, war sie gerade nach Moskau gezogen. Seitdem bloggt sie unter kscheib.de über ihren Alltag und informiert mit ihrem "Russball"-Newsletter jede Woche über den Fußball und die WM-Vorbereitungen in Russland. Und nun schreibt sie für n-tv.de den Countdown, bis das Turnier am 14. Juni beginnt.

Seit ich gehört habe, dass man dort üblicherweise zum Feiern sein Oberteil auszieht, ziehe ich auch Fußball in Erwägung.

Eine Reihe von Moskauer Studenten protestiert gegen die Fanzone vor ihrer Universität, weil der Lärm sie bei der Prüfungsvorbereitung stören könnte. Was sagen Sie denen?

Sie sollen sich einfach jemanden suchen, der für Geld ihre Dissertation und dergleichen übernimmt. Hat bei mir doch auch geklappt.

Können sich Fußballfans, die LGBTQ sind, diesen Sommer in Russland sicher fühlen?

Kein Fan, der nach Russland kommt, muss sich fürchten, weil er LGBTQ ist. Er muss sich fürchten, weil er in Russland ist.

Wie wirken sich die Korruptionsgeschichten der Fifa auf die Organisation der Weltmeisterschaft in Russland aus?

Ohne die Korruptionsgeschichten der Fifa würde Russland erst gar keine Weltmeisterschaft organisieren.

Fürchten Sie, dass wir während der WM positive Dopingbefunde russischer Fußballspieler sehen werden?

Es kann passieren, dass die Leistung unserer Fußball-Nationalmannschaft beweist, dass nicht jeder Sportler in Russland dopt.

Die WM dauert von Mitte Juni bis Mitte Juli. Werden Sie die Spiele entspannt von Ihrer Datscha aus verfolgen?

In jüngster Zeit haben sich sportliche Großereignisse zur traditionellen russischen Saison für Invasionen entwickelt. Ich werde mich also nicht entspannen. Und unsere Nachbarn sollten das auch nicht.

Alle Folgen des WM-Countdowns finden Sie hier

Quelle: n-tv.de