Fußball

Bundesliga-Check: FC Augsburg Ein Zwergriese brennt und will endlich mehr

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Der Torjubel sitzt: André Hahn und Kollegen.

(Foto: imago/kolbert-press)

Beim FC Augsburg wollen sie höher hinaus und nicht immer nur gegen den Abstieg aus der Fußball-Bundesliga spielen. Gar nicht so insgeheim spekulieren sie gar auf Europa. Wenn nur nicht der Brasilianer Caiuby für Unruhe sorgen würde.

Ein wenig Theater gab es in der Sommerpause beim soliden FC Augsburg. Hauptdarsteller beim Fußball-Bundesligisten war der Brasilianer Caiuby Francisco da Silva, der nicht so früh aus dem Urlaub zurückkehrte, wie es sein Arbeitgeber gerne gehabt hätte - und der gute eine Woche völlig abgetaucht und nicht erreichbar gewesen war. Und nun? Ist er wieder da, aber: "Es war mit Sicherheit die teuerste Urlaubswoche, die er je verlebt hat", sagte Manager Stefan Reuter. Die "Bild"-Zeitung will herausgefunden haben, dass Caiuby zur Strafe 25.000 Euro zahlen und zudem seine Kollegen zum Essen einladen musste. Die sollen ziemlich besorgt sauer gewesen sein.

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Fußball spielt er aber auch: Caiuby Francisco da Silva.

(Foto: imago/Philippe Ruiz)

Reuter berichtete, er habe sehr lange und sehr intensiv mit Caiuby gesprochen. Der habe die Mannschaft sowie Trainer Manuel Baum und sein Team um Entschuldigung gebeten. "Wir haben ihm deutlich gemacht, dass es nicht geht, dass es ganz wichtig ist für eine Mannschaft, dass es Regeln gibt, die einzuhalten sind." Zudem seien die Gründe, die der Mittelfeldspieler für seine Verspätung genannt habe, "nicht einhundertprozentig nachvollziehbar" gewesen. Das ist aber nicht Caiubys einziges Problem. Wie die "Bild"-Zeitung berichtete, hat ihn in der vergangenen Woche ein Gericht dazu verurteilt, 30.000 Euro zu zahlen, weil er ohne Fahrkarte mit dem Zug gefahren sei. Das klingt viel, ist es auch - aber der Profi soll schon häufiger in dieser Hinsicht aufgefallen sein. Caiuby hat gegen den Strafbefehl Einspruch eingelegt. Fortsetzung folgt. Wir kommen jetzt mal zum Sport.

Was gibt's Neues?

Ambitionen, und zwar satt. Die Saison 2018/2019 ist tatsächlich die achte Erstliga-Spielzeit in Serie für die Bayern-Schwaben, die sich festgespielt haben. Und die zu einem erlesenen Kreis gehören: Neben dem FCA sind nur fünf weitere Vereine noch nie aus der Bundesliga abgestiegen. Wer sie aus dem Stand aufzählen kann, dem spendieren wir eine Runde Applaus.* Beleg für die gestiegenen Ansprüche der Unabsteigbaren des FCA ist die Unzufriedenheit über Platz zwölf in der vergangenen Saison. Obwohl die Augsburger zuvor nur zweimal besser abgeschnitten haben (siehe Leistungscheck unten), moserte Linksverteidiger, Vorlagenkönig und Vielleicht-bald-DFB-Wiederaufbauhelfer Philipp Max im "Kicker" stellvertretend: "Wir hätten uns ein bisschen mehr erhofft als Platz zwölf."

Nach der für Augsburger Verhältnisse herausragenden Hinrunde mit 24 Punkten war der Abstieg nie ein Thema, in der Rückserie war dann aber ein wenig die Luft raus. Damit die Kondition länger hält und vielleicht sogar fürs internationale Geschäft reicht, hat Manager Reuter den Kader breiter aufgestellt. Auf allen Positionen hat Trainer Baum jetzt Wechseloptionen, vor allem in der Offensive. Konkurrenzklima, heißt das Zauberwort. In die Rückholaktion von Stürmer André Hahn investierte Augsburg drei Millionen Euro, in das 20-jährige Mittelfeldtalent Fredrik Jensen aus Finnland immerhin zwei Millionen. Den prominentesten Namen der bisher vier Neuzugänge trägt aber eine Verpflichtung vom FC Bayern. Vom Rekordmeister kam Rechtsverteidiger Felix Götze, Bruder von Weltmeister Mario. Trotzdem dürfte der FCA rechts in der Abwehr noch einmal nachlegen, ein wenig Routine täte hier ganz gut.

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Wechseloptionen: Trainer Manuel Baum.

(Foto: imago/kolbert-press)

*FC Bayern (seit 1965/1966), Bayer 04 Leverkusen (seit 1979/1980), VfL Wolfsburg (seit 1997/1998), TSG Hoffenheim (seit 2008/2009), RB Leipzig (2016/2017)

Auf wen kommt es an?

Und es spricht Trainer Baum: "Wir haben ehrgeizige Spieler, ein ehrgeiziges Trainerteam und einen ehrgeizigen Verein. Ich denke schon, dass es im Bereich des Möglichen liegt, dass wir mehr rausholen als zuletzt." Im Fokus beim geplanten Höhenflug, und das ist kein verbotener Namenswitz: André Hahn. Der wurde beim FC Augsburg zum Nationalspieler, dann in Gladbach und beim HSV nicht glücklich und stürmt nun wieder für die Schwaben. Das soll er, da sind Hahn und Klub einig, erfolgreich tun. Maßstab sind die 12 Tore und 13 Vorlagen, die er bei seinen ersten 48 Spielen für den FCA erzielte - nicht die drei Törchen und null Assists, die ihm in der Vorsaison für Hamburg glückten. Reuter lobt seinen Drei-Millionen-Mann: "Mit seiner Professionalität, Power und Dynamik wird er uns gut tun." Noch schöner ist: Damit würde sich Hahn auch selbst gut tun.

Was fehlt?

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Schönen Gruß aus Dortmund: Marvin Hitz.

(Foto: imago/Kirchner-Media)

Marvin Hitz, und zwar als: Torverhinderer, Torschütze und Kitt im Mannschaftsgefüge. Der 30-Jährige ist einer von nur drei Torhütern, denen in der Bundesliga-Geschichte ein Feldtor gelungen ist. Na, wer hat das noch geschafft?** Pech: Über die vielfältigen Torqualitäten des Schweizers darf sich nun die Dortmunder Borussia freuen, die Hitz nach fünf Jahren beim FCA ablösefrei verpflichtete. Wie schwer der Verlust wiegt, zeigt der Umstand, dass den Augsburgern zwei Nachfolgekandidaten nicht genug sind. Neben Fabian Giefer und Andreas Luthe soll noch ein dritter Torwart verpflichtet werden, um die Konkurrenzsituation zu verschärfen. Luthe allerdings ist schon jetzt höchst motiviert. Der Ex-Bochumer hofft, neben dem Amt des Kassenwarts nun auch das des Stammkeepers zu erhalten, denn: "Ich habe der Mannschaft abseits des Rasens viel gegeben, jetzt will ich das auch auf dem Platz tun."  Größere Lücken im Augsburger Kader gibt es ansonsten nicht zu vermelden. Torgarantie Alfred Finnbogason, der sich im Sommer mit dem ersten WM-Tor der isländischen Fußballgeschichte unsterblich machte und ins Schaufenster stellte, ist ebenso noch da wie Linksverteidiger Max, der Nationalspieler in spe. Für beide, berichtete Reuter der "Sport Bild", gab es bislang "noch kein unmoralisches Angebot". Finnbogason allerdings plagt sich mit einer Entzündung der Patellasehne. Seinen  Einsatz im DFB-Pokal beim TSV Steinbach am 19. August schloss Trainer Manuel Baum aus. Und auch für den  Bundesligastart am 25. August bei Aufsteiger Fortuna Düsseldorf werde es "schwierig".

** Hitz traf 21. Februar 2015 in der vierten Minute der Nachspielzeit zum 2:2 gegen Leverkusen. Zuvor hatten nur die Torhüter Frank Rost vom SV Werder Bremen am 31. März 2002 und Jens Lehmann vom FC Schalke am 19. Dezember 1997 aus dem Spiel heraus getroffen.

Wie lautet das Saisonziel?

Europa. Und wenn nicht Europa, dann mindestens ein einstelliger Tabellenplatz. Oder, um es mit dem niederländischen Abwehrstrategen Jeffrey Gouweleeuw zu sagen: "Ich will nach oben und nicht jedes Jahr um den Klassenerhalt spielen. Wir müssen mehr wollen." An Manager Reuter wird das nicht scheitern, er "werde keinen Spieler bremsen, der mit dem FCA mehr als den Klassenerhalt erreichen möchte". Allerdings, das betonte er vorsichtshalber: Er sei "auch sehr froh, wenn wir am Ende wieder drei Mannschaften hinter uns lassen". Da ist er sich mit seinem Trainer einig.

Die Prognose von n-tv.de

Auch Baum betont, dass der Nicht-Abstieg nach wie vor das oberste Ziel sei. Aber auch er sagt: "Wir wollen für eine Überraschung sorgen." Bei allen berechtigten Ambitionen: Das könnte eng werden. Mit dem Abstieg werden die Augsburger nichts zu tun haben, zu viel mehr reicht es dann aber auch nicht. Wir tippen auf Platz elf. Zumal eine Ankündigung von DJ Ötzi im Raum steht, die für manchen wie eine Drohung klingt. Der Österreicher war im Trainingslager aufgekreuzt, Anlass war der 71. Geburtstag von Zeugwart Zdenek Vidrman. Dort schloss Gerhard Friedle, wie der Musiker eigentlich heißt, mit der Mannschaft eine Wette ab. Belegt der FC Augsburg am Ende der Saison Platz sieben, gibt Ötzi ein Privatkonzert in Augsburg. Und "wenn sie Sechster werden, komme ich mit ein paar Freunden vorbei".

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Quelle: n-tv.de

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