Fußball

Fan-Kuriosum bei Sieg in London Eintracht entfacht ihre Liebe zu Europa neu

Auf die erste kleine Krise unter Trainer Adi Hütter reagiert Eintracht Frankfurt mit einem Sieg bei Arsenal. Der Vorjahres-Halbfinalist der Europa League hat das Weiterkommen wieder selbst in der Hand - und erfreut seine Fans, die eigentlich gar nicht da sein durften.

Eigentlich waren sie gar nicht da, die Fans von Eintracht Frankfurt, trotzdem machten sie mehr Lärm als das Heimpublikum. Rund 75 Minuten waren vorbei im Vorrundenspiel der Europa League im schlecht besuchten Stadion des FC Arsenal, der Gast aus der Bundesliga hatte die Partie gedreht durch zwei Treffer des Japaners Daichi Kamada, als aus dem Mittelrang der Kurve hinter Arsenals Tor Gesänge über den Platz geweht wurden. "Eintracht Frankfurt international", sang der Frankfurter Anhang. Und später: "Wer nicht hüpft, ist Offenbacher!" Wegen einer Uefa-Strafe waren offiziell keine Gästefans zugelassen, trotzdem hatten sich geschätzt rund 1500 Besucher aus Hessen auf geheimen Wegen Einlass verschafft. Sie machten sich in der Schlussphase deutlich bemerkbar - und riefen nach Abpfiff wahrheitsgemäß: "Auswärtssieg! Auswärtssieg!"

FC Arsenal - Eintracht Frankfurt 1:2 (1:0)

Arsenal: Martinez - Mustafi (76. Torreira), Luiz (31. Guendouzi), Sokratis - Chambers, Xhaka, Willock, Tierney - Martinelli (59. Özil), Aubameyang, Saka. - Trainer: Emery
Frankfurt: Rönnow - Abraham, Hasebe, Hinteregger - da Costa, Fernandes (46. Kohr), Kostic - Sow, Kamada - Paciencia, Silva (46. Gacinovic). - Trainer: Hütter
Schiedsrichter: Ruddy Buquet (Frankreich) Tore: 1:0 Aubameyang (45.+1), 1:1 Kamada (55.), 1:2 Kamada (63.)
Zuschauer: 30.000
Gelbe Karten: Martinelli, Mustafi (3), Xhaka, Guendouzi - Kostic, Abraham, Paciencia

2:1 hatte der Europa-League-Halbfinalist der vergangenen Saison gewonnen, nach einer schwachen ersten und einer starken zweiten Halbzeit und begünstigt von einer Arsenal-Mannschaft, die offenkundig kein Interesse mehr an der Zusammenarbeit mit Trainer Unai Emery hat. Durch den Erfolg beim Tabellenführer der Gruppe F vermieden die Frankfurter das fast sichere Aus, stattdessen können sie wieder aus eigener Kraft in die K.-o.-Phase einziehen. Mit einem Heimsieg im abschließenden Vorrundenspiel am 12. Dezember gegen Vitória Guimarães wären sie weiter. Auch für das allgemeine Befinden beim Bundesliga-Zehnten war der Erfolg wichtig nach zuletzt drei Pflichtspiel-Niederlagen und der ersten kleinen Krise des österreichischen Trainers Adi Hütter.

Die Stimmung in der halb leeren Arena im Londoner Norden war jämmerlich. Fast konnte man den Eindruck gewinnen, dass nicht nur die Gästefans ausgesperrt waren, sondern die Partie komplett unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand. Arsenal wartet seit mehr als einem Monat auf einen Sieg, das quittierten viele Fans damit, dass sie die Partie bei nasskaltem Wetter boykottierten. Das Flair im Stadion war eines Europapokal-Abends unwürdig. Trotz allem sprach Hütter hinterher davon, dass seine Mannschaft in der ersten Hälfte "zu ehrfürchtig und zu ängstlich operiert" habe. Mit dem 0:1 zur Pause aus Sicht der Gäste durch den Ex-Dortmunder Pierre-Emerick Aubameyang war Frankfurt noch gut bedient.

Arsenal-Fans buhen eigenes Team aus

Vor dem zweiten Durchgang gab Hütter seinem Team nach eigener Aussage die Direktive mit auf den Weg, mutiger zu spielen. Das war der Schlüssel zum Sieg, zusammen mit den Umstellungen des Trainers. Er wechselte doppelt, brachte Dominik Kohr und Mijat Gacinovic und richtete seine Mannschaft neu aus, von einem 3-5-2 auf ein 3-4-2-1. Keine 20 Minuten nach Wiederbeginn hatten die Frankfurter die Partie gedreht mit den Treffern des offensiven Mittelfeldspielers Kamada durch zwei Schüsse von der Strafraumkante. Am Ende hätte Gonçalo Paciência fast noch ein drittes Tor geschossen. Doch auch so waren die Emotionen hinterher klar verteilt.

Während Arsenals Fans ihre Mannschaft nach dem siebten sieglosen Spiel nacheinander wieder einmal aus dem Stadion buhten, tanzten die Gäste im Londoner Regen. Der Sieg bei einem großen Namen des internationalen Fußballs eignet sich wunderbar, um der Liebesbeziehung der Frankfurter zur Europa League neuen Treibstoff zu liefern nach dem bislang komplizierten Verlauf der aktuellen Kampagne mit Niederlagen zuhause gegen Arsenal und bei Standard Lüttich und der Zuschauer-Sperre nach Ausschreitungen in Guimarães.

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Neue Eintracht-Helden?

(Foto: imago images/PRiME Media Images)

Außerdem werden nach dem Abschied der Drei-Mann-Büffelherde Ante Rebić, Luka Jović und Sébastien Haller neue Eintracht-Helden gesucht. Der 23 Jahre junge Kamada brachte sich mit seinen Toren dafür in Stellung. Er traf zum ersten Mal seit August, sehr zur Freude seiner Kollegen. "Er versucht so viel, er arbeitet viel fürs Team. Man fühlt ein bisschen mit, weil er schon so viele Chancen hatte. Ein Doppelpack hier in London - daran kann er noch lange zurückdenken", sagte Rechtsaußen Danny da Costa, als er nach der Partie aus dem Spielertrakt trat. Gleiches dürfte für die Frankfurter Fans gelten, die es ins Stadion geschafft hatten.

Quelle: n-tv.de