Fußball

Als Super-Schnäppchen zum BVB? Erling Haaland, Europas neues Sturm-Wunder

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Erling Haaland hat etwas geschafft, was nur wenigen gelingt: Er hat Anfield beeindruckt.

(Foto: imago images/GEPA pictures)

Erling Braut Haaland mischt den europäischen Fußball auf. Mit feiner Technik und großer Wucht spielt der Stürmer sich in die Notizbücher aller Top-Klubs. Auch von Borussia Dortmund. Und der junge Norweger könnte bereits im Winter zum Schnäppchen werden.

Der Treffer auf seiner bislang größten Bühne war unwürdig unspektakulär. Erling Braut Haaland hielt einfach nur seinen linken Fuß in eine Hereingabe von Takumi Minamino. Eine winzige Berührung, eine Richtungsänderung. Aus drei Metern. Ohne Bedrängnis. Ins leere Tor. So unwuchtig der Ball über die Linie kullerte, so wuchtig war der Moment danach. Der FC Salzburg, so heißen Red Bulls Fußballer in Europas Wettbewerben, hatte beim FC Liverpool ein 0:3 aufgeholt. 3:3 stand es nun in dieser 60. Minute. Und Anfield war beeindruckt. Ausgerechnet Anfield, das Stadion, das normalerweise jeden beeindruckt und sich von niemandem beeindrucken lässt. Doch Erling Braut Haaland hatte es geschafft. Für einen Moment.

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Dieser Moment ist nun schon zwei Monate her. Und er war tatsächlich auch nur kurz, denn lediglich acht Minuten nach der 3:3-Eruption erzielte Liverpools Starstürmer Mo Salah das 4:3, der Favorit siegte, alles in der Reihe. Und irgendwie auch nicht. Denn Salzburg, nein Haaland, hatte an diesem 2. Oktober endgültig das internationale Interesse auf sich gezogen, das er mit seinem spektakulären Drei-Tore-Debüt in der Königsklasse zuvor lose geweckt hatte. Nur drei Wochen nach dem Anfield-Gastspiel, als die Österreicher erneut in der Champions League spielten, erneut richtig stark, aber erneut ohne Punkte - beim spektakulären 2:3 gegen den SSC Neapel - da waren 40 Scouts nach Wals-Siezenheim gekommen, um die norwegische Sturm-Wucht zu beobachten. Die lieferte ihnen zwei Tore, viel Dynamik, eine beeindruckende Spielintelligenz, eine feine Technik und einen Rekord.

Sechs Tore in seinen ersten drei Spielen, das hatte in der Champions League noch niemand geschafft. Kein Lionel Messi, kein Cristiano Ronaldo und auch kein Robert Lewandowski. Klar, eine Momentaufnahme. Wie oft wurden im Fußball schon Talente gefeiert, die dann aber schneller abstürzten, als ihr Name ausgesprochen war. Tatsächlich erweist sich Haaland derzeit allerdings als ziemlich resistent gegen den riskanten Hype. Das ihm angeheftete Etikett, das größte Versprechen im europäischen Fußball zu sein, bedruckt der 19-Jährige mit immer mehr Toren. In 20 Pflichtspielen kommt er in dieser Spielzeit auf 27 Treffer, acht davon hat er in der europäischen Königsklasse erzielt (!), denn er traf selbstverständlich auch in seinem vierten und fünften Champions-League-Spiel.

Beim BVB könnte er zwei Probleme lösen

Bei nahezu jedem Top-Klub soll Haaland oben auf der Zugangsliste stehen. In der deutschen Bundesliga werden RB Leipzig, dem FC Bayern und Borussia Dortmund Interesse zugeschrieben. Während die Sachsen und die Münchener die Planstellen im Sturm mit Timo Werner und Robert Lewandowski aktuell bestens besetzt haben, herrscht beim BVB Not, wie Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke auf dem Jahrestreffen des Klubs gerade eingestand. Paco Alcácer trifft zwar oft, wenn er spielt, aber er spielt zu selten. Dass die Dortmunder Sturm-Not noch im Winter behoben werden soll, durfte man zwischen den Zeilen deutlich herauslesen. Und Haaland wird - zumindest von den Medien - als BVB-Notlöser hoch gehandelt, auch wenn die Dortmunder laut "WAZ" keine übermäßige Lust auf ein Wettbieten um den Norweger haben.

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Ablösetechnisch könnte Haaland aber offenbar zum Super-Schnäppchen werden. Wie die "Bild"-Zeitung berichtet, soll es im Vertrag des Norwegers eine Klausel geben, die ihm im Januar einen Wechsel für 20 Millionen Euro ermöglichen soll. Auf dem eskalierten Transfermarkt bloß ein Klacks. Für hoch talentierte Spieler seines Alters werden sonst bereits Summen jenseits der 100-Millionen-Euro-Marke aufgerufen - siehe Ousmane Dembélé, siehe Ansu Fati (beide FC Barcelona), siehe auch Joao Felix (Atletico Madrid). Und für den Pariser Kylian Mbappé, den Weltmeister, geistert die absurde Zahl von 400 Millionen durch die Transfergalaxien, nachdem er schon bei seinem Wechsel nach Paris mehr als 180 Millionen Euro gekostet hatte. Und da war er erst 18 Jahre jung gewesen.

Die Dortmunder würden mit Haaland derweil zwei Missstände im Kader korrigieren: Sie hätten endlich eine ausgebildete Top-Alternative für den verletzungsanfälligen Alcácer und sie hätten im vordersten Zentrum einen Spieler, der auch mal mit Flanken hoch angespielt werden könnte. Der Kopfball ist bei den aktuellen Offfensivspielern des BVB eine eher stumpfe Waffe.

Am liebsten aber in die Premier League

Doch ob Haaland zur Borussia wechseln will? Sein Traum ist (irgendwann einmal) die Premier League. Das hat Alf-Inge Haaland Anfang November bei "Talksport" verraten. Sein Vater, der in Englands höchster Liga 181 Mal für Leeds United, für Nottingham Forest und Manchester City gespielt hatte. Und Manchester gilt nun auch als mögliches Transferziel des Juniors. Allerdings nicht City, sondern United. Zumindest so lange Ole Gunnar Solskjaer dort Trainer ist, so etwas wie Haalands Entdecker. Beim FK Molde in Norwegen arbeiteten beide zusammen. Und beim FK Molde setzte Haaland sein erstes, wuchtiges Zeichen. Am 1. Juli 2018 spielt die Mannschaft beim bis dahin ungeschlagenen Tabellenführer Brann Bergen. In den ersten 14 Saisonspielen kassiert das Team nur fünf Tore. Doch dann kommt Haaland. Binnen 17 Minuten trifft der 17-Jährige viermal, Molde gewinnt 4:0.

Im Januar 2019 wechselt Haaland schließlich nach Salzburg. Unter Coach Marco Rose, das ist der Mann, der Borussia Mönchengladbach gerade wieder zu einem Spitzenteam formt, kam der Norweger in der Rückrunde der österreichischen Bundesliga aber gerade mal auf zwei Einsätze, ehe er nun den ganzen Kontinent aufmischt. "Unter Rose gefunkt – bei Jesse Marsch explodiert" nennt das Portal "Salzburg24" die Entwicklung des schnellen und wuchtigen Angreifers. Und in Salzburg erzählen sie sich auch eine nette Geschichte über ihn. Nämlich die, dass er die Hymne der Champions League so oft wie möglich hört. Es ist die größte Bühne, auf die er will. Und Anfield war womöglich nur der Anfang.

Quelle: ntv.de