Fußball

Immer neue Korruptionsvorwürfe Fifa-Boss Blatter steht mit Rücken zur Wand

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Fifa-Generalsekretär Jerome Valcke (l.) ist nach neuen Korruptionsvorwürfen vorerst suspendiert. Sein Boss Joseph Blatter hält stoisch an seinem Amt fest.

(Foto: dpa)

Der Druck auf Fifa-Präsident Joseph Blatter wächst. Während sein Vertrauter Jerome Valcke wegen neuer Korruptionsvorwürfe gehen muss, klammert sich Blatter trotz ähnlicher Anschuldigungen an sein Amt - und droht mit Klagen.

Um Joseph Blatter wird es einsam. Nach dem Sturz seines inzwischen untergetauchten Generalsekretärs Jerome Valcke über neue Bereicherungsvorwürfe ist der umstrittene Fifa-Boss weiter denn je in die Enge getrieben. Im zunehmend verzweifelt wirkenden Kampf um seine zerbröselnde Macht im skandalumtosten Fußball-Weltverband vermag sich der Schweizer auch nur noch mit einer bemerkenswerten Doppelmoral durch leere Drohungen gegen persönliche Korruptionsanschuldigungen zur Wehr zu setzen.

"Der Fifa-Präsident hat im Zusammenhang mit der Vergabe der Hospitality-Rechte für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 zu keinem Zeitpunkt Geld verlangt oder erhalten. Anders lautende Behauptungen sind falsch, boshaft und verleumderisch. Wer solche Vorwürfe äußert, muss mit rechtlichen Konsequenzen rechnen", teilte die Fifa mit. Offenbar jedoch ließen die Fifa und Blatter ihren Worten noch keine Taten folgen. Die SID-Anfrage nach einer Anzeige gegen Mitarbeiter der Züricher Ticket-Agentur JB Sports, die am Donnerstag neben Valcke auch Blatter mit "persönlichen Gratifikationen" in Millionenhöhe als Gegenleistung für einen Fifa-Vertrag in Verbindung gebracht hatten, ließ die Fifa bis zum Nachmittag jedenfalls unbeantwortet.

Zweierlei Maß im Umgang mit Vorwürfen

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Ex-Profi Benny Alon erhob schwere Vorwürfe gegen Valcke.

(Foto: REUTERS)

Fragwürdig bleibt auch das unterschiedliche Maß bei der Bewertung der neuen Anschuldigungen. Während Valcke nur Stunden nach Veröffentlichung der Vorwürfe in Abwesenheit von allen Aufgaben entbunden wurde, klammert sich Blatter trotz ähnlicher und eidestattlich untermauerter Beschuldigungen an seinen Posten und berief den deutschen Fifa-Finanzdirektor Markus Kattner zum Interims-Generalsekretär.

Ob Valcke seinem bisherigen Stellvertreter noch ordentlich die Amtsgeschäfte übergeben wird, erschien am Freitag fraglich. Zwangsläufig blieb der 54-Jährige am Freitag nach seiner Amtsenthebung entgegen vorheriger Planung dem 1000-Tage-Countdown zur WM-Endrunde 2018 in Russland auf Moskaus Rotem Platz fern und tauchte unter. Über seinen Anwalt ließ Valcke die Vorwürfe, die möglicherweise eine Folge der Ermittlungen von Schweizer Behörden und der US-Justiz im Fifa-Skandal gewesen sind, als "konstruiert und unverschämt" zurückweisen.

Behindert die Fifa die Ermittler?

Davon unbeeindruckt stellen die Behauptungen der Schweizer Agentur für die Schweizer Bundesanwaltschaft (BA) "interessante Aussagen" dar. Das bestätigte die Berner Behörde auf SID-Anfrage. Demnach würden die Ermittler die Insider-Informationen über angeblich korrupte Vorgänge im Umgang mit Rechten an Tickets für WM-Turniere "bei Bedarf wie andere Medienberichte analysieren".

Angaben des Nachrichtenmagazins "Spiegel" zufolge soll die Fifa die BA-Ermittlung entgegen eigener Darstellung behindern. Demnach hat die Fifa bis auf Weiteres eine Versiegelung der aus ihrer Zentrale stammenden Daten - darunter etliche Akten und weite Teile des Email-Verkehrs des Verbandes - erwirkt und damit zumindest für Verzögerungen der Untersuchungen gesorgt haben.

Zur "Affäre Valcke" reklamierte unterdessen Präsident Wolfgang Niersbach vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) weiteren Informationsbedarf. "Auch ich kenne den Vorgang bisher nur aus den Medien und habe keinerlei Hintergrundinformationen. Ich hoffe sehr, dass wir bei der Sitzung des FIFA-Exekutivkomitees nächste Woche dazu eine Aufklärung bekommen", sagte Niersbach am Freitag in Frankfurt auf SID-Anfrage.

Quelle: n-tv.de, Dietmar Kramer, sid

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