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Wer folgt auf Grindel? Fünf Dinge, die ein DFB-Chef können muss

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Herr Grindel? Ist weg.

(Foto: imago/Robert Michael)

Dass der Deutsche Fußball-Bund drei Präsidenten in einem Jahrzehnt verschleißt, zeigt einerseits die Komplexität des Amtes, das sieben Millionen Amateure mit drei Dutzend Profiklubs vereinen muss. Andererseits spricht es für die Stabilität des Verbandes.

Kein Präsident ist größer als die Fußballfamilie, die er an der Spitze repräsentieren soll. Der DFB wird auch die Krise nach dem Rücktritt von Reinhard Grindel an diesem Dienstag überstehen. Seine Fehltritte und Hinterhältigkeiten beim Umgang mit Menschen werden so rasch vergessen sein wie er selbst. Was viel wegweisender sein wird, ist jetzt: dass die Interimsbosse Rainer Koch, Vizepräsident des DFB und Reinhard Rauball, Präsident der DFL den richtigen Mann oder die richtige Frau für den obersten Posten des deutschen Fußballs finden. Einen, der den Fußball liebt und alles für den Fußball tut - und nicht nur für sich selbst. Denn wichtige Aufgaben sind mittelfristig zu bewältigen:

  • die Vorbereitungen auf die EM 2024 im eigenen Land,
  • die Rückendeckung für den Umbruch der Nationalmannschaft,
  • der Aufbau und die Inbetriebnahme der DFB-Akademie,
  • der Brückenschlag zwischen dem Amateur- und dem Profibereich,
  • eine gerechte und zukunftsweisende Geldverteilung,
  • der Kampf gegen Rassismus und Ausgrenzung von Minderheiten,
  • wirksame Maßnahmen gegen Gewalt in und vor Stadien,
  • die Förderung von Ehrenamt und Schiedsrichterwesen.

Keine Chance für Apparatschiks

Schaut man sich diese sicher nicht vollständige Liste der Herausforderungen genauer an, die ein moderner DFB-Präsident zu bewältigen hat, treten die Defizite der bisher gehandelten Kandidaten deutlich zutage. Der grundsätzliche Fehler bei Verbänden besteht nicht selten darin, dass sie den Kandidaten genommen haben, der entweder gerade verfügbar war wie Reinhard Grindel, eine gewisse Popularität genoss wie Grindels direkter Vorgänger Wolfgang Niersbach oder sich hochgedient hatte wie Theo Zwanziger. Jedes Unternehmen, das fortschrittlich und erfolgreich arbeiten will, definiert zunächst das Profil, das sein oberster Hirte vorweisen sollte. Erst danach werden anhand dieser Vorgaben Kandidaten gesucht und beurteilt - und nicht umgekehrt. Die Stellenausschreibung beim DFB könnte Folgendes einfordern:

  • Fußballsachverstand aus der Vereinsarbeit oder als Nationalspieler
  • Tiefes Gespür für die Öffentlichkeit und Kommunikation
  • Soziale Kompetenz mit Empathie für die Bedürfnisse anderer
  • Internationale Reputation, bestenfalls mehrsprachig
  • Finanzielle Unabhängigkeit vor Beginn der Verbandsarbeit

Schnell wären Karrieristen und Hinterbänkler, Apparatschiks und Branchenfremde aus dem Rennen. Man würde diskutieren, ob der Schritt in dieses Amt für Philipp Lahm oder Christoph Metzelder zu früh oder gerade rechtzeitig kommt - und keinen Versorgungsplan für die Grindels dieser Welt verhandeln.

Pit Gottschalk, 50 Jahre alt, ist Journalist und Buchautor. Seinen kostenlosen Fußball-Newsletter Fever Pit'ch erhalten Sie hier.

Quelle: n-tv.de

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