Fußball

Die EM-Überraschungen von ntv.de Fünf Kader-Coups für Joachim Löw

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Personal-Jongleur.

(Foto: imago images/Alex Nicodim)

26 Fußballer darf Bundestrainer Joachim Löw mit zur EM nehmen. Drei mehr als üblich. Viele Plätze im Kader scheinen bereits sicher vergeben. Wir werfen vor der Nominierung aber nochmal fünf überraschende Namen in die Diskussion.

26 Fußballer darf Bundestrainer Joachim Löw mit zur Europameisterschaft nehmen. Drei mehr als üblich, denn die UEFA möchte vermeiden, dass ihr Premiumprodukt von Quarantäne-Anordnungen beeinträchtigt wird. Drei Extraplätze gibt es also im Kader der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, weshalb Löw in diesen Tagen damit beschäftigt ist, aus den rund 40 Kandidaten die 26 Profis zu ermitteln, die dann im bestmöglichen Fall am 11. Juli das EM-Finale in London gewinnen. Natürlich werden Manuel Neuer und Toni Kroos dazugehören, deren Platz im Aufgebot sicher ist.

Es gibt auch Spieler wie Ridle Baku, die bei einer vorsichtigen Prognose der Nominierungen zu denen gehören, an denen kein Weg vorbeizuführen scheint. Der 23-Jährige ist nämlich nicht nur frisch mit dem VfL Wolfsburg für die Champions League qualifiziert. Sondern auf seiner Position als rechter Außenverteidiger auch so mit das Beste, was in der Bundesliga und mit Spielberechtigung für die DFB-Elf zu finden ist. Zwar hat der offensivstarke Rechtsfuß erst ein A-Länderspiel absolviert, doch rechts in der Abwehr kann Baku ein Problem des Bundestrainers lösen. Nicht nur, weil er laut bundesliga.com mit Abstand die meisten Sprints der Liga absolviert hat. Sondern, weil dort sonst Joshua Kimmich gefragt wäre, der aber eigentlich im zentralen Mittelfeld seine Stärken am besten einzubringen vermag. Sicher, Baku fehlt noch die internationale Erfahrung, auch wenn er in der U21 längst Führungsspieler ist. Aber mit eher kleineren - offiziell 1,76 Meter - und spielintelligenten Rechtsverteidigern hat die DFB-Elf ja gute Erfahrungen.

"Telefonieren tue ich eigentlich ständig im Moment, ja, das stimmt, mit allen möglichen Leuten", sagte Bundestrainer Löw am Rande des DFB-Pokalfinals, angesprochen auf die kolportierte Rückkehr von Thomas Müller in die Nationalelf, die die "Bild"-Zeitung am Montag dann als fix meldete. Da Löw aber auf ein Kader-Casting verzichten und deshalb nur die 26 Profis anrufen will, die dann auch mit zum Turnier fahren, sind hier ein paar Namen, auf deren Telefonen ein Anruf des Bundestrainers zu finden sein sollte.

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Kopfball-Monster: Marvin Friedrich.

(Foto: REUTERS)

Marvin Friedrich (25 Jahre, 1. FC Union Berlin): Es mag wie eine seltsame Grundlage für eine Empfehlung eines Innenverteidigers anmuten, aber: Marvin Friedrich sollte mitfahren dürfen, weil er schon vier Saisontore erzielt hat, alle mit dem Kopf. Der 25-Jährige hat zwar noch kein A-Länderspiel absolviert, ist jedoch elementarer Bestandteil des Erfolgs beim 1. FC Union, für den er in dieser Saison 3180 von 3180 möglichen Pflichtspiel-Minuten absolviert hat. Beim "Kicker" ist der 1,92 Meter große Innenverteidiger notenbester Spieler seines Klubs. Zwar wäre Friedrich kein Kandidat für die Startelf, aber einerseits ein solider Backup, der andererseits nicht nur in der Verteidigung zum Einsatz kommen könnte. Durch seine Kopfballstärke taugt der gebürtige Nordhesse auch als Zielspieler für hohe Bälle bei Standards oder in Schlussphasen, in denen dringend noch ein Tor gefragt ist. Eine Qualität, die in der DFB-Auswahl durchaus selten ist.

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Allrounder mit besonderen Momenten: Lars Stindl.

(Foto: imago images/Schüler)

Lars Stindl (32 Jahre, Borussia Mönchengladbach): Es klingt ein bisschen verrückt, aber Lars Stindl stand tatsächlich erst elfmal im DFB-Trikot auf dem Feld. Nun mangelt es zwar nicht an talentierten Offensivspielern und der Gladbacher ist mit 32 Jahren der Kategorie "Talent" auch längst entwachsen, dennoch täte seine Berufung dem deutschen EM-Aufgebot gut. Neben Thomas Müller ist Stindl einer der ganz wenigen, die alle Offensivpositionen spielen können und das meist sogar gut. In einer wechselhaften Borussia-Mannschaft ist der torgefährliche und abschlussstarke Angreifer einer der konstanten Fixpunkte und kommt nach einer Formschwäche zu Rückrundenbeginn nun wieder in Form. Dass er dazu noch per Standard für Gefahr sorgt, ist ein weiteres Argument für eine Stindl-Nominierung.

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Kreativer Impulsgeber: Mo Dahoud.

(Foto: dpa)

Mo Dahoud (25 Jahre, Borussia Dortmund): Im Winter noch galt Mo Dahoud bei Borussia Dortmund als Verkaufskandidat, zu groß schien die Diskrepanz zwischen erhofften und gezeigten Leistungen. Mittlerweile ist der zentrale Mittelfeldspieler nicht mehr nur gesetzt beim BVB, sondern wird sogar mit İlkay Gündoğan verglichen. Dahoud beherrscht es, den Ball auf engem Raum zu behaupten und mit viel Übersicht und genauen Pässen eigene Angriffe einzuleiten. Die kleinen Fehler hat er im Laufe der Saison immer mehr aus seinem Spiel gestrichen und sich stattdessen mit wachsendem Selbstbewusstsein zunehmend gesteigert. In der Zentrale der DFB-Elf sind die Plätze hart umkämpft und es erscheint absurd, dass für Dahoud jemand aus der Reihe Kroos-Gündoğan-Goretzka-Kimmich weichen könnte. Zumindest in der Startelf. Als Auswechslung klingt das je nach Gegner und Spielsituation durchaus nach einer guten Idee.

Wolfsburgs Stürmer Maximilian Philipp jubelt nach seinem Tor zum 5:0. Foto: Swen Pförtner/dpa

Bringt alles mit: Maximilian Philipp.

(Foto: Swen Pförtner/dpa)

Maximilian Philipp (27, VfL Wolfsburg): Klar, der jüngste Eindruck ist immer ein guter. Und im Fall von Maximilian Philipp ist der jüngste Eindruck ein herausragender. Beim 2:2 gegen RB Leipzig traf der flexible Offensivspieler am Sonntag zweimal. Und wie er das tat, das dürfte den Bundestrainer womöglich doch nochmal beschäftigen. Das erste Tor war ein spektakulärer Distanzschuss. Der zweite Treffer war der eines klassischen Stürmers. Eiskalt abgeschlossen aus kurzer Distanz. Nun ist es freilich nicht so, dass Philipp, der aktuell von Dinamo Moskau ausgeliehen ist, eine spektakuläre Saison gespielt hat. Aber er hat eben in den vergangenen Wochen deutlich ansteigende Form gezeigt und sich in der ersten Elf des Vierten der Bundesliga festgespielt. Was ihn auszeichnet, neben seinem starken Schuss und seiner Flexibilität als Außenangreifer, Hängende Spitze und Stoßstürmer: "Die Schnelligkeit, Dynamik und Schlauheit im Spiel", lobt Christian Streich, der ihn einst beim SC Freiburg so stark machte, dass er im Sommer 2017 für 20 Millionen Euro zum BVB wechselte. Mit seinen wuchtigen und cleveren Fähigkeiten im Abschluss könnte er ein perfekter Joker sein.

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Echter Stürmer: Lukas Nmecha.

(Foto: imago images/Christian Schroedter)

Lukas Nmecha (22, RSC Anderlecht): Die größte Überraschung wäre zweifelsohne der bullige Mittelstürmer, der in der Jugend von Manchester City ausgebildet wurde, dort aber bislang nie den Durchbruch schaffte. Der ist ihm in dieser Saison gelungen, in Belgien, beim RSC Anderlecht. Dort hat er in 39 Pflichtspielen 19 Tore erzielt und drei vorbereitet. Eine starke Bilanz, auch wenn die Liga natürlich nicht zur ersten Kategorie in Europa zählt. Aber es ist halt auch so: Die Nationalmannschaft ist seit Jahren erfolgreich und die meisten Stars haben zumindest die ersten Jahre als ganz junge Profis in der Heimat verbracht. So könnte die Leihe nach Belgien auch für Nmecha ein Karriere-Boost sein. Denn gleich mehrere Bundesligisten sollen den dynamischen, abschluss- und auch kopfballstarken Stürmer auf dem Zettel haben. Wie wohl er sich im deutschen Trikot fühlt, zeigt seine Bilanz in der U21: In 17 Spielen traf er zehn Mal. Noch beeindruckender: Er erzielte alle Tore unter der Regie von Stefan Kuntz, das waren zwölf Spiele. Was für ihn und für einen Nominierung spricht: Einen Typen wie ihn gibt es im deutschen Kader nicht. Und oft wird dieser Typ vermisst.

Quelle: ntv.de

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