Fußball

"Wir wollen das Ding gewinnen" Furiose DFB-Junioren begeistern sogar Löw

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Können Nadiem Amiri und Mahmoud Dahoud auch im Finale jubeln?

(Foto: imago images / ZUMA Press)

Wie 2017 stürmen die U21-Fußballer ins EM-Finale. Dort können sie Geschichte schreiben und erstmals den Titel verteidigen. Dabei sein wird auch Bundestrainer Joachim Löw, der extra zum Endspiel reist - und nicht nur von der wilden Halbfinalschlacht gegen Rumänien beeindruckt ist.

Bundestrainer Joachim Löw war schon vor der Reise zum EM-Endspiel nach Italien begeistert. Dort wollen Stefan Kuntz und seine Jungs nun gegen Spanien für ein neues Kapitel deutscher U21-Geschichte sorgen. 72 Stunden nach der bravourös gemeisterten Reifeprüfung beim 4:2 im Halbfinale gegen Rumänien geht es für die Nachwuchs-Fußballer um die Doppelpacker Nadiem Amiri und Luca Waldschmidt am Sonntag (20.45 Uhr/ARD) um die erste erfolgreiche Titelverteidigung einer deutschen U21.

Deutschland - Rumänien 4:2 (1:2)

Tore: 1:0 Amiri (21.), 1:1 Puscas (26., FE nach Videobeweis), 1:2 Puscas (44.), 2:2 Waldschmidt (51., Foulelfmeter), 3:2 Waldschmidt (90.), 4:2 Amiri (90.+4)

Bes. Vork.: Pascanu - Rot nach Notbremse (90.+2)

Deutschland: Nübel - Klostermann, Tah, Baumgartl,  Mittelstädt - Neuhaus (79. Nmecha), M. Eggestein (88. Maier), Dahoud (90.+3 Koch) - Öztunali, Waldschmidt, Amiri
Rumänien: Radu - Manea, Nedelcearu, Pascanu, Stefan - Baluta, Cicaldau (69. Ciobanu) - Man, Hagi, Ivan (55. Ivan) - Puscas (87. Petre)

Schiedsrichter: Grinfeld (Israel)
Zuschauer: 16.211

Neben Löw werden dann auch DFB-Direktor Oliver Bierhoff und die kommissarischen Verbandschefs Reinhard Rauball und Rainer Koch live dabei sein. "Wir wollen das Ding gewinnen. Das haben wir von Anfang an gesagt, und jetzt haben wir die Chance dazu", sagte Kapitän Jonathan Tah vor dem erneuten Duell mit Spanien - wie vor dem Titel 2017. Auf den Tag genau zwei Jahre nach dem Final-Triumph von Krakau will sich der DFB-Nachwuchs in Udine erneut zum EM-Champion krönen und Fußball-Deutschland auf eine neue große Generation hoffen lassen. Es wäre der dritte Titel in dieser Altersklasse nach 2009 und dem Coup 2017.

Aus dem Titeljahrgang 2009 gingen zahlreiche Weltmeister hervor, nun könnte auch die nächste Garde deutscher Nachwuchsfußballer mit dem Titel den entscheidenden Schub in ihrer Entwicklung bekommen. "An so manchem Spieler werden wir bestimmt auch über die U21 hinaus noch unsere Freude haben", sagte Löw, der die "beeindruckende" Leistung lobte. Zu Beginn der Qualifikation vor zwei Jahren war dem aktuellen Jahrgang nicht allzu viel zugetraut worden, doch Kuntz formte eine starke Mannschaft und eine echte Einheit. Das Finale ist nun das letzte gemeinsame Spiel dieser Auswahl - und soll der krönende Abschluss sein. "Das ist ja jetzt kein Geheimnis, dass mich mit den Jungs relativ viel verbindet", sagte Kuntz. "Insgesamt hänge ich schon an denen, und ich will einfach das Finale gewinnen."

Erst überheblich, dann furios

Auf dem Weg in das vierte Endspiel einer deutschen U21 musste die Mannschaft einigen Widrigkeiten trotzen. Um die 40 Grad waren es in Bologna, die Stimmung hitzig, der Gegner kampfstark. "Wir haben gedacht, es geht vielleicht doch mit ein paar Prozent weniger", sagte Kuntz und kritisierte die "Überheblichkeit" seiner Elf in der ersten Halbzeit, die mit 1:2 endete. Umso ausgelassener feierte das Team den Sieg, beim Jubel in der Kabine ging eine Musikbox zu Bruch. "Fürs Finale haben wir eine neue", kündigte Amiri grinsend an.

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Mit einer echten Willensleistung und dank der Doppel-Torschützen Waldschmidt (51./90.) und Amiri (21./90.+4) drehte die DFB-Auswahl das Spiel. Für Waldschmidt waren es die Turniertore sechs und sieben - mit einem Finaltor würde der Freiburger den Rekord von sieben Toren des Schweden Marcus Berg von der U21-EM 2009 knacken. "Klar ist das schön und freut mich natürlich", sagte er. "Aber der Titel für die gesamte Mannschaft steht da über allem."

Kuntz erhofft sich von der bestandenen Reifeprüfung gegen Rumänien einen weiteren Schub für das Endspiel - und für den weiteren Weg seiner Spieler. "Das sind schon Erfahrungen, die man sonst schwer machen kann", sagte er über das Halbfinale. In Deutschland sammelt die Mannschaft derzeit jedenfalls Sympathien - und weckt Hoffnungen auf eine glorreiche Zukunft. "Ich habe keine Sorgen um den deutschen Fußball, denn diese Generation hat nicht nur super gespielt, sondern auch gekämpft", lobte DFB-Interimspräsident Rauball.

Finales Déjà-vu

Auch Bierhoff ist überzeugt, dass jeder Spieler "von dieser Erfahrung, die einen weiteren großen Schritt in seiner individuellen Entwicklung bedeutet, mit Blick auf die weitere Laufbahn enorm profitieren wird". Ein erneuter Titelgewinn sei nun das "Sahnehäubchen". Für Kuntz und einige seiner Spieler wird das Endspiel ein Déjà-vu: Vor zwei Jahren bezwang die DFB-Elf den großen Favoriten Spanien. Auch dieses Mal zeigt La Rojita starke Leistungen, ließ Mitfavorit Frankreich beim 4:1 im anderen Halbfinale keine Chance.

"Es ist uns völlig egal, wer da kommt", sagte Kapitän Tah zum Finale. Die ganz große Chance auf den Titel will sich das Team nicht entgehen lassen. Mittelfeldspieler Florian Neuhaus kündigte an: "Jetzt haben wir noch ein Spiel, da gilt es, alles rauszuhauen und Deutschland stolz zu machen und den EM-Titel zu verteidigen."

Quelle: n-tv.de, Miriam Schmidt und Christian Kunz, dpa

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