Fußball

Ex-Manager genervt vom Geschäft "Fußball ist völlig entrückt vom realen Leben"

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"Das geht mit immer größeren Schritten in die falsche Richtung."

(Foto: imago images/PA Images)

Andreas Rettig sieht das Profitstreben im Profifußball als Übel an. Denn das Ziel, die Einnahmen immer weiter zu steigern, führe dazu, dass notwendige Einschränkungen ausbleiben. Etwa in der Corona-Pandemie, in der die Gier über die Vernunft siege. Sein Fazit ist eindeutig.

Ex-Manager Andreas Rettig hat das System Profi-Fußball für den ignoranten Umgang mit der Corona-Pandemie und die immer exzessivere Gier erneut scharf kritisiert. Die Branche habe den Eindruck entstehen lassen, "dass man völlig entrückt ist vom realen Leben", sagte der frühere Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL) im Gespräch mit Sky Sport News: "Es wird versucht, möglichst viel vom großen Kuchen mitzunehmen."

Die Reaktion des Fußballs auf die Corona-Krise unterscheidet sich nach Rettigs Ansicht erheblich von anderen Branchen: "In der Wirtschaft passt man sich und die Prozesse dem Coronavirus und den Zahlen an. Das erwarte ich auch von der Bundesliga. Da muss man sich Gedanken machen. Auch wenn ich mir jetzt die Länderspiele ansehe - da muss man den Modus überdenken." Nach der vorherigen Länderspiel-Phase im Herbst waren mehrere Bundesliga-Profis nach ihrer Rückkehr bei den Klubs positiv getestet worden.

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Rettig ist als Mann der klaren Worte bekannt.

(Foto: imago images/Martin Hoffmann)

Während die Reisefreiheit nicht nur in Deutschland aufgrund des Infektionsschutzes eingeschränkt ist und viele Menschen sogar auf Reisen zu nahen Verwandten verzichten, entzündete sich darüber hinaus in den vergangenen Wochen wiederholt heftige Kritik am Reisegebahren des Fußballs. Der FC Bayern etwa flog zur Klub-Weltmeisterschaft nach Katar. Thomas Müller wurde dort positiv auf das Coronavirus getestet, auf die Mannschaft der Münchner hatte das abseits der Quarantäne für Müller jedoch keine Auswirkungen.

Auch die Europapokal-Absurditäten häuften sich in den vergangenen Wochen: Weil etwa die Ausreise aus Großbritannien aufgrund der dort entdeckten Virus-Variante nur mit verpflichtender Quarantäne möglich war, fanden die jeweils zwei Duelle zwischen Manchester City und Borussia Mönchengladbach sowie zwischen RB Leipzig und dem FC Liverpool allesamt in der ungarischen Hauptstadt Budapest fest. Hoffenheim musste zum Europa-League-Auswärtsspiel gegen den norwegischen Vertreter Molde FK ins spanische Villarreal reisen.

Die Fehlentwicklung auch in der Pandemie sind aus Rettigs Sicht das Resultat von immer ungezügelterem Profitstreben. "Der Punkt ist längst erreicht, dass man zu konsequenten Entscheidungen kommen muss, auch wenn da ein paar Einnahmen auf der Strecke bleiben", meinte der 57-Jährige. Der Trend ist seiner Meinung nach allerdings gegenteilig: "Das geht mit immer größeren Schritten in die falsche Richtung."

Quelle: ntv.de, tsi/sid

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