Fußball

Welle der Solidarität in England Fußballfans machen sich über toten Sechsjährigen lustig

Bradley Lowery im Jahr 2016 im Trikot seines Lieblingsvereins.

Bradley Lowery im Jahr 2016 im Trikot seines Lieblingsvereins.

(Foto: imago/PA Images)

Sheffield Wednesday verliert in der zweiten englischen Liga mit 0:3 gegen den AFC Sunderland. Doch das Fußballspiel gerät in den Hintergrund: Zwei Sheffield-Wednesday-Fans präsentieren lachend ein Bild von Bradley Lowery. Einem Sunderland-Fan, der im Alter von sechs Jahren an Krebs gestorben ist.

Bradley Lowery war ein ebenso kleiner wie übergroßer Fan des AFC Sunderland. Klein, weil er wegen einer seltenen Krebserkrankung nur sechs Jahre alt wurde. Groß, weil er während seines Kampfes gegen die Krankheit und auch über seinen Tod im Jahr 2017 hinaus zu einer Art Maskottchen des Traditionsklubs wurde. Seine Freundschaft zu seinem Lieblingsfußballer Jermain Defoe stand symbolisch dafür: Der 57-fache englische Nationalspieler verließ damals sogar das Trainingslager, um an der Beerdigung Lowerys teilzunehmen. In einem England-Trikot. Mit dem Namen "Bradley" auf dem Rücken. Der Sarg des Jungen trug die Farben und das Logo seines Lieblingsvereins.

Entsprechend bekannt war und ist Bradley Lowery, und das auch weit über Sunderland hinaus. Aktuell spielt der AFC in der Championship, der zweiten englischen Liga, und traf dort am vergangenen Wochenende auf Sheffield Wednesday. Schon nach 31 Minuten führte Sunderland mit 3:0, so lautete auch der Endstand, eine eigentlich vergnügliche Auswärtsreise. Hätten sich nicht zwei Fans von Sheffield Wednesday komplett danebenbenommen: Bilder zeigen, wie einer der beiden lachend sein Handy hochhält, auf dem ein Bild des kleinen Bradley Lowery zu sehen ist. Anscheinend mit dem Ziel, die Sunderland-Fans zu provozieren.

Die Polizei in South Yorkshire hat die beiden Männer ausfindig gemacht. Ein 27-Jähriger und ein 31-Jähriger wurden demnach in Gewahrsam genommen wegen des Verdachts, damit die öffentliche Anständigkeit verletzt zu haben. Ein Sprecher von Sheffield Wednesday verurteilte das mutmaßliche Verhalten der beiden Männer und teilte mit, man werde die Ermittlungen unterstützen. "Wir können uns nur für den zweifellos verursachten Kummer bei Bradleys Familie und Freunden entschuldigen", hieß es.

Spendenaufruf sammelt mehr als 17.000 britische Pfund

Die Bradley-Lowery-Stiftung, gegründet und geführt von seiner Mutter Gemma Lowery, schrieb in den sozialen Medien, unzählige Anrufe und Nachrichten erhalten zu haben: "Vielen Dank für all eure lieben Worte, das hat wirklich geholfen. Lasst uns das tun, was wir bei der Bradley-Lowery-Stiftung am besten können: Aus etwas Negativem etwas Positives machen." Dazu stellte sie ein Bild des lächelnden Bradley. Sie könne die Wut und die Verärgerung vieler über die Bilder der beiden Fans absolut nachvollziehen, schrieb Gemma Lowery: "Wenn ich nicht so aufgewühlt wäre, wäre ich auch wütend."

Lowery bedankte sich allerdings auch bei "Sheffield Wednesday für die schnelle Verurteilung und bei den Fans für den Support, den sie gezeigt haben". Denn aus der "Women's Supporters Group" von Sheffield Wednesday war eine Spendenaktion für die Stiftung initiiert worden. "Wir wollen nicht, dass diese abscheulichen Aktionen einiger weniger unseren Klub definieren", hieß es dazu auf X, ehemals Twitter. 5000 britische Pfund (rund 5770 Euro) sind dort als Ziel angegeben - bis Montagmittag waren durch mehr als 1150 Spenden schon mehr als 17.000 Pfund (rund 19.600 Euro) zusammengekommen. Die Stiftung teilte mit, ihr Slogan sei damit einmal mehr bewiesen worden: "Cancer Has No Colours".

Eine Botschaft, die kurz nach dem Vorfall im Stadion traurige Bestätigung fand. "Wir sind am Boden zerstört", teilte Sheffield Wednesday am Sonntag mit, "über die Nachricht vom Tod von Jude Mellon-Jameson". Der Fünfjährige hatte zwei Jahre lang gegen den Krebs gekämpft. Medienberichten zufolge war es sogar dieselbe seltene Art wie bei Bradley Lowery. Judes Vater Arron Jameson war 2008 aus der Jugendabteilung von Sheffield Wednesday ins Profiteam aufgerückt und hatte dort bis 2014 unter Vertrag gestanden. Seine Mutter Lucy schrieb dazu auf Facebook: "Jude ist friedlich gestorben. Er lag in meinem Armen, während Arron uns festgehalten hat."

Quelle: ntv.de, mit dpa

Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen