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Russische Fans beim Jubeln beobachten? Geht am besten in einer gemütlichen Fußballkneipe.
Russische Fans beim Jubeln beobachten? Geht am besten in einer gemütlichen Fußballkneipe.(Foto: imago sportfotodienst)
Montag, 04. Juni 2018

WM-Countdown (10): Fußballkneipen-Tipps für Russland-Reisende

Von Katrin Scheib, Moskau

Wo treffen sich Fußballfans in den WM-Städten, um gemeinsam ein Spiel im Fernsehen anzusehen? Für die drei deutschen Vorrundenorte Moskau, Sotschi und Kasan stellen wir heute je drei Möglichkeiten vor.

Davon, wie man in Russland richtig trinkt, war hier ja neulich schon mal die Rede. Bleibt die Frage nach dem Wo: Wo kann man in den Städten, in denen die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ihre Vorrundenspiele hat, gepflegt eine Gerstenkaltschale zu sich nehmen und dabei ein Spiel im Fernsehen verfolgen? Sei es ein Match der eigenen Mannschaft oder eines der vielen Mitbewerber?

In intensiver Recherche und mit hohem persönlichem Engagement habe ich für jede Stadt drei Fußballfan-taugliche Kneipen rausgesucht. Ein harter Job, doch irgendwer muss ihn ja machen. Nichts zu danken. Bildungsauftrag und so.

Hat sich den Traum vom Putin-Interview erfüllt: Katrin Scheib.
Hat sich den Traum vom Putin-Interview erfüllt: Katrin Scheib.(Foto: Pascal Dumont)
Moskau: John Donne, LoveCraft und Paulaner

Fangen wir mit der bayerischen Variante an. Für alle Fans, die mit der reinen Reise nach Moskau schon ihre komplette Abenteuerlust aufgebraucht haben und nun dringend essen und trinken wollen wie daheim gibt es in Moskau zwei Paulaner-Filialen. Und ja, ich war da auch schon mal zum Fußballgucken - die Läden sind beide groß, also gut für Gruppen geeignet, und es war damals gerade Besuch da, dem der Sinn nach Nürnberger Rostbratwürstchen mit Sauerkraut stand. Das Paulaner mag nicht besonders aufregend sein, aber es ist 'ne Bank.

Unsere Kolumnistin

Katrin Scheib ist Journalistin, Schalke-Fan und kommt aus dem Rheinland. Als die deutsche Mannschaft 2014 in Brasilien Fußball-Weltmeister wurde, war sie gerade nach Moskau gezogen. Seitdem bloggt sie unter kscheib.de über ihren Alltag und informiert mit ihrem "Russball"-Newsletter jede Woche über den Fußball und die WM-Vorbereitungen in Russland. Und nun schreibt sie für n-tv.de den Countdown, bis das Turnier am 14. Juni beginnt.

Wer lieber dort Fußball guckt, wo es die Russen tun, kann das zum Beispiel im John Donne. Auch diesen Pub gibt es in Moskau mehrmals, empfehlenswert ist aber vor allem der am Nikitski-Boulevard, denn hier ist die Live-Übertragung sogar noch viel liver als anderswo: Bei einigen Spielen wird das Fernsehbild zwar gezeigt, der Ton aber runtergedreht. Dann greifen Wassily Utkin und andere russische Fußballkommentatoren-Größen im Pub zum Mikro und kommentieren selbst, nur für die John-Donne-Gäste. Bei der Fußball-EM 2016 war das der Renner bei den Fans.

Dritte Möglichkeit, nicht ganz so zentral, aber immer noch gut mit der Metro zu erreichen: LoveCraft am Moskauer Siegespark ist eine gemütliche kleine Kellerkneipe, in die sich nur selten ein Tourist verläuft. Dafür gibt es russische Stammgäste, einen Barkeeper, der Englisch spricht und Fan des 1. FC Köln ist, und 29 Sorten Bier vom Fass - das sind möglicherweise mehr Biersorten, als der Laden Sitzplätze hat. Dazu einen einfachen Mittagstisch und abends dann allerlei Würstchen, Burritos und Pelmeni. Die muss man in Russland sowieso mindestens einmal gegessen haben.

Kasan: Twin Peaks, Top Hop und Stari Ambar

Twin Peaks wäre gern sowas wie das Hooters - chicken wings, knapp bekleidete Kellnerinnen und ein Name, der irgendwas mit Brüsten bedeutet, von dem man aber behaupten kann, er bedeute gar nichts mit Brüsten. Die Atmosphäre drinnen ist entsprechend - kein Laden, in den man geht, um sich für Geschlechtergerechtigkeit und gegen die Objektivierung von Frauen einzusetzen. Warum er trotzdem hier mit auf die Liste darf? Weil es so, so, SO viele Bildschirme gibt - für das eine Fußballspiel, das einem zu wichtig ist, um auch nur einen Moment zu verpassen. (Wer danach zur persönlichen Seelenhygiene irgendwas von Simone de Beauvoir lesen will, nur zu.)

Bier statt Brüste: Top Hop hat seinen Namen vom englischen Wort für Hopfen, knapp 40 Sorten Bier gibt es hier vom Fass, dazu unzählige weitere als Flaschen in einem Riesenkühlschrank, der fast die komplette Stirnseite der Kneipe einnimmt. Ein Hipsterladen, ja, aber nicht versnobbt - wer nur ein stinknormales Pils will, ist hier ebenfalls richtig. Und was ist mit Flasche leer? Auch die wird noch gebraucht, als Dekoration - wer Glück hat und zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist, findet einen Sitzplatz unter dem riesigen Bierflaschenkronleuchter.

Alles andere als hip ist die Kneipenkette "Stari Ambar", und auch das ist Programm: Russisch-rustikal soll die Atmosphäre sein, mit einfachen Holztischen und -bänken und einem Fliesenboden, der leicht zu wischen ist, wenn das Bierglas mit der sechsten Füllung nicht mehr ganz so fest in der Hand sitzt. Neun Lokale der Kette, deren Name auf Deutsch "Alte Scheune" bedeutet, gibt es allein in Kasan. Einfach und preiswert essen kann man hier auch - viele Fleischgerichte, aber auch Blini, die typisch russischen Pfannkuchen.

Sotschi: Prince of Wales, Café Schaiba und Boho

Ein englischer Pub, was soll man da sagen zur Speisekarte? Vielleicht, dass so gut wie alles, was darauf steht, eine solide Grundlage für einen bierseligen Abend bietet - oder, wenn das Budget es hergibt, für ein intensives Whisky-Tasting, denn der Prince of Wales ist da ziemlich gut sortiert. Wer in der Halbzeitpause ein bisschen runterkommen muss, kann auf die Terrasse gehen und die Luft, die vom Meer her weht, genießen - manchmal sogar in Gesellschaft von Kater/Hausherr Igor Borisowitsch.

Das Café Schaiba hat seinen Namen vom russischen Wort für Puck, trotzdem wird hier neben Eishockey auch regelmäßig Fußball gezeigt. So lauschig es draußen auf den Stühlen unter den großen Bäumen auch ist - wer Fußball gucken will, muss drinnen sitzen. Und kann dabei georgische Küche probieren, die der russischen ohnehin haushoch überlegen ist: Chatschapuri po-adscharski zum Beispiel, einen ovalen Käse-Brot-Fladen, in dessen Mitte kurz vor dem Fertigbacken ein Ei geschlagen wird. Dazu eine hausgemachte Obstlimonade und ein 3:0 für die Lieblingsmannschaft, und alles ist gut.

Eine klassische Kneipe ist das Boho nicht, eher ein Strandrestaurant, halb Zelt, halb Glaspavillon. Trotzdem wird auch hier Fußball gezeigt, beim Confed-Cup haben wir hier sehr lecker gegessen und hatten außerdem (nachdem die nette Kellnerin uns an einen frei gewordenen Tisch weiter vorne gewinkt hatte) einen guten Blick auf die große Leinwand. Auch das Essen ist hier etwas anders: Nicht nur Kneipensnacks von Burger bis Grillspieß, sondern auch Fischgerichte, Salate, Leichteres. Nach dem Abpfiff kann man dann noch einen kleinen Verdauungsspaziergang zum Fischt-Stadion machen, das nur ein paar Meter den Strand runter liegt.

Alle Folgen des WM-Countdowns finden Sie hier

Quelle: n-tv.de