Fußball

Ein Hauch von Komödienstadl auf Schalke Gefeuerter Magath kündigt selbst

Der FC Schalke 04 trennt sich von Trainer, Manager und Vorstand Felix Magath und wird nun hartnäckig mit Ralf Rangnick in Verbindung gebracht. Fest steht: Für den entlassenen Alleinherrscher Magath, der auch noch selbst kündigt, soll eine traditionelle Toplösung her.

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Geschiedene Leute: Felix Magath und der FC Schalke.

(Foto: dapd)

Nach seinem Rauswurf beim FC Schalke 04 hat Felix Magath - vormals Trainer, Manager und Vorstand in Personalunion - noch einmal selbst gekündigt. "Herr Magath hat die unberechtigte und unwirksame Abberufung als Vorstand zum Anlass genommen, seinen Anstellungsvertrag mit sofortiger Wirkung zu kündigen", schrieb sein Medienanwalt Ralf Höcker dazu in einer Mitteilung. Magath selbst "bedauere sehr, dass meine erfolgreiche Tätigkeit für Schalke 04 ein solch unschönes Ende nehmen musste und wünsche dem Verein, der Mannschaft und den Fans für die Zukunft von Herzen alles Gute und viel Erfolg."

Nach dem gescheiterten Experiment mit dem Alleinherrschersetzt der FC Schalke nun auf Altbewährtes. Mit dem kolportierten Trainer-Nachfolger Ralf Rangnick und Horst Heldt als neuem starken Mann will der Traditionsverein die zerrüttete Schalke-Familie neu ordnen und wieder einen. Magath hat nach Angaben seines Anwalts von der Demission aus der Presse erfahren. Das dürfte die Reaktion darauf gewesen sein, dass er entgegen vollmundiger Ankündigungen nicht an der Aufsichtsratssitzung teilgenommen hatte.

Die Trainingsleitung übernahm vorerst der bisherige Co-Trainer Seppo Eichkorn, der auch am Sonntag beim Bundesligaspiel bei Bayer Leverkusen in der Verantwortung steht. "Ich werde die Mannschaft auf das Spiel in Leverkusen vorbereiten und auch auf der Bank sitzen", sagte Eichkorn nach seiner ersten Trainingseinheit am Nachmittag.

Traum von der Toplösung

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Guter Dinge: Schalke-Boss Clemens Tönnies

(Foto: dapd)

Als der Aufsichtsrat des FC Schalke 04 Magath am Morgen wie erwartet den Stuhl vor die Tür stellte, war der große Zampano auf Tauchstation. "Aus Sicht des FC Schalke 04 gibt es sehr gute Gründe für diese Trennung. Wir werden diese in der Öffentlichkeit nicht kommunizieren, weil nun ein juristisches Verfahren bevorsteht. Wir sehen diesem Verfahren sehr gelassen entgegen", kommentierte Aufsichtsratschef Clemens Tönnies die Kampf-Scheidung, die seinen Club zwischen zwölf und 20 Millionen Euro Abfindung kosten könnte. "Kaiser und Könige sind gestorben, aber beim FC Schalke wird immer noch Fußball gespielt", so der Fleischfabrikant weiter.

Nachfolger von Magath soll nach Informationen von "Bild" und "Sport Bild" einer seiner Vorgänger werden. Der zur Zeit vereinslose Taktik-Tüftler Rangnick, von September 2004 bis Dezember 2005 schon einmal Trainer der Königsblauen, hat gute Chancen, Magaths Erbe anzutreten. "Ralf Rangnick wird im März eine Entscheidung treffen, wie die berufliche Zukunft aussieht", sagte sein Medienberater Oliver Mintzlaff. Rangnick selbst bestätigte zumindest Gespräche mit den Königsblauen. Auf die Frage, wann eine Entscheidung über ein mögliches Engagement fallen werde, sagte der 52-Jährige: "Das weiß ich nicht."

Die Management- und Vorstandsaufgaben von Magath übernehmen Horst Heldt (Vorstand Sport und Kommunikation) und Vorstandsmitglied Peter Peters (Finanzen, Organisation und Marketing). Zur Trainersuche sagte Tönnies: "Wir kehren zu dem in der Bundesliga bewährten Modell zurück, dass der Vorstand Sport über den Trainer entscheidet. Der Aufsichtsrat hat den Vorstand beauftragt, eine Toplösung zu finden."

Magath schwänzt seinen Rauswurf

Bei der Aufsichtsratssitzung am Morgen war Magath entgegen seiner Ankündigung schon nicht mehr anwesend. Dies habe keinen Sinn ergeben, meinte sein Medienanwalt Höcker. Der Verein habe Magath nur eine unvollständige, stichwortartige Tagesordnung des Treffens geschickt. "Das genügt nicht. Denn wenn Herr Magath die Gelegenheit zur Aussprache erhalten soll, muss er wissen, worum es in der Sitzung überhaupt geht", hieß es in einer schriftlichen Erklärung. Magath wird unter anderem vorgeworfen, bei einigen Transfers mit einem Volumen von mehr als 300.000 Euro nicht die erforderliche Genehmigung des Aufsichtsrats eingeholt zu haben.

Magaths Abgang war um 10.48 Uhr beschlossene Sache, informiert war er offiziell nach Angaben Höckers aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht. "Dass Schalke sich jetzt von Herrn Magath getrennt haben will, mussten wir leider über die Medien erfahren. Bei uns hat sich der Verein bisher nicht gemeldet. Wir warten gespannt auf die Begründung der Kündigung, die man uns bisher vorenthalten hat", sagte Höcker.

Wirtschaftliche Schieflage

Tönnies betonte indes, dass die Entscheidung nicht aus sportlichen Gründen gefallen sei. "Es gab in den letzten Tagen ein Schlüsselerlebnis, das mich um 180 Grad hat drehen lassen. Wenn Felix Magath behauptet, dass der Verein jetzt wirtschaftlich besser dasteht als vor seiner Amtszeit, dann hat er wohl nicht ganz genau hingeguckt. Wir haben Revisionen gemacht und dabei Dinge nicht so vorgefunden, wie wir sie vorfinden müssen", sagte Tönnies. Ob Magaths Fernbleiben von der Sitzung als eine Art Schuldeingeständnis zu werten ist, darüber darf nun trefflich spekuliert werden.

Schalke hatte den 57 Jahren alten Fußball-Lehrer im Sommer 2009 verpflichtet, um den Club nach über 50 Jahren wieder zu einer deutschen Meisterschaft zu führen. Der als Trainer, Manager und Vorstandsmitglied engagierte Magath veränderte die Mannschaft radikal, kaufte und verkaufte zu hohen Preisen. Zumindest der Erfolg konnte sich sehen lassen: Platz zwei nach der ersten Saison und der damit verbundene Einzug in die Champions League. In dieser Spielzeit stehen die Schalker nach dem unnötigen Champions-League-Aus des FC Bayern am Dienstag sogar als einziger deutscher Vertreter im Viertelfinale der Königsklasse. Dazu schaffte der Club den Einzug ins Pokalfinale gegen den Zweitligisten MSV Duisburg.

Fanlager gespalten

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Den Pro-Magath-Demonstrationen standen auch viele Magath-Gegner gegenüber.

(Foto: dapd)

Die Fans waren hin- und hergerissen. Proteste gegen den Trainer und Zuspruch hielten sich die Waage. Bei den Spielern soll die Wertschätzung gegenüber Magath zuletzt nicht mehr allzu groß gewesen sein. Vor allem die Art der Kommunikation zwischen Trainer und Profis, aber auch zwischen Trainer und Vereinsangestellten wurde immer wieder angeprangert.

"Der Mannschaftsrat hat mich vor einiger Zeit mit der Bitte kontaktiert, mit dem Trainer über den Umgang mit den Spielern zu sprechen", meinte Tönnies, "danach habe ich eindringlich mit Magath geredet, dass es auf Schalke so nicht gehen würde und man die Menschen mitnehmen müsse". Schalkes-Profi Christoph Metzelder sagte nach der Trennung von Magath: "Die Demission eines Trainers ist für die Mannschaft immer eine gefühlte Niederlage."

Quelle: ntv.de, dpa

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