Fußball

"Zum falschen Schluss gekommen" Geprügelter FC Liverpool rudert zurück

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Das Image des FC Liverpool litt in den vergangenen Tagen.

(Foto: imago images/Action Plus)

Der FC Liverpool empört seine Fans mit der Ankündigung, seine Mitarbeiter in Zwangsurlaub zu schicken und sie damit nicht mehr bezahlen zu müssen. Doch die Entscheidung hat nicht lange Bestand, der Klopp-Klub muss zurückrudern.

Der FC Liverpool hat seine Entscheidung revidiert und schickt zahlreiche Mitarbeiter während der Coronavirus-Krise doch nicht in den Zwangsurlaub. Das teilte der Vorsitzende Peter Moore am Montagabend in einer Stellungnahme auf der Website mit. Moore entschuldigte sich auch bei den Fans, die die Maßnahmen zuvor scharf kritisiert hatten. "Wir glauben, dass wir letzte Woche zum falschen Schluss gekommen sind", schrieb Moore, "das tut uns wirklich leid".

Erst am Samstag hatten die Reds angekündigt, ein Programm der Regierung zur Rettung von Arbeitsplätzen zu nutzen, indem 80 Prozent der Löhne vom Staat übernommen werden. Den Rest wollte der Verein beisteuern, damit die Angestellten keine finanziellen Nachteile erleiden.

"Nie da gewesene Verluste"

Ein anonym bleibender Mitarbeiter des Klubs sagte dem Sender BBC: "Der Klub bezeichnet die Mitarbeiter als Familie. Ich fühle mich nicht wie ein Familienmitglied. Warum nutzt ein Klub, der mehr als 100 Millionen Pfund umsetzt, ein Regierungsprogramm für seine Mitarbeiter, wenn andere Unternehmen es mehr brauchen?"

Ehemalige Spieler des Traditionsvereins waren geschockt von der Entscheidung: "Ich bin erstaunt darüber, dass Liverpool diese Maßnahme der Regierung in Anspruch nimmt. Dafür war diese Maßnahme eigentlich nicht gedacht", schrieb etwa Dietmar Hamann, der 2005 mit dem LFC die Champions League gewonnen hatte, bei Twitter: "Das steht im Gegensatz zu der Moral und den Werten dieses Klubs, die ich kennengelernt habe."

Auch die einstigen Liverpool-Profis Jamie Carragher und Stan Collymore zeigten wenig Verständnis. "Jürgen Klopp hat seit Beginn der Pandemie viel Mitgefühl gezeigt. Und dann ist das alles vergessen", schrieb Carragher bei Twitter. Collymore wurde noch deutlicher: "Ich kenne keinen Liverpool-Fan, egal aus welchem Umfeld, der angesichts dieses Schritts nicht empört ist."

Zwar waren die Reds bereits der fünfte Klub, der sich zu dieser Maßnahme entschloss. Viele Fans sehen darin jedoch das Vereinsmotto "You'll never walk alone" konterkariert. Sie verweisen auf die 42 Millionen Pfund (47,7 Millionen Euro) Gewinn vor Steuern in der jüngsten Bilanz. Zuvor waren bereits die Ligarivalen Tottenham Hotspur, Norwich City, Newcastle United und AFC Bournemouth ähnlich verfahren.

Moore erklärte, Liverpool werde nun nach Alternativen suchen, um die Coronavirus-Krise zu überstehen. Allerdings warnte er auch vor "nie da gewesenen" Verlusten für den Verein. "Auch wenn wir vor dieser Krise in einer gesunden Position waren - unsere Einnahmen sind weggefallen, während unsere Ausgaben bleiben", betonte er. Man werde sich deshalb auf verschiedene Szenarien vorbereiten.

Quelle: ntv.de, ter/dpa