"Wenn du das hier willst ..."Gladbach-Fans wüten gegen eigenen Kapitän

In der kommenden Saison wird Rocco Reitz, der sein ganzes Leben schon Mitglied von Borussia Mönchengladbach ist, erstmals für einen anderen Klub spielen. Das sorgt jetzt schon für Ärger.
Rocco Reitz ist seit seiner Geburt Mitglied bei Borussia Mönchengladbach, seit frühester Kindheit spielt der U21-Nationalspieler für den Klub - und ist seit dieser Saison nach der Verletzung von Stürmer Tim Kleindienst sogar der Kapitän des Traditionsklubs. Doch im Sommer kommt es zur schmutzigen Trennung: Reitz wird im Sommer zu RB Leipzig wechseln, die Ablösesumme von 20 Millionen Euro ist Rekord für im Klub ausgebildete Profis.
Doch die Fans sind ihrem Kapitän böse: Beim Auswärtsspiel der Fohlen bei Reitz' neuem Klub entrollen die Anhänger ein großes Transparent mit einer klaren Botschaft: "Wer das hier will", ist schwarz auf weiß zu lesen, "darf niemals unser Kapitän sein".
"Ist doch kein Leipziger Junge"
Trainer Eugen Polanski hatte zuvor noch für den 23-Jährigen geworben - und versichert: "Ich bin sicher, dass Rocco das Spiel angeht, wie jedes andere auch. Er hat ja selbst gesagt, dass er sich bis zum letzten Spieltag für die Borussia zerreißen wird. [...] Außerdem ist Rocco doch kein Leipziger Junge. Sondern ein Gladbacher Junge!" Befrieden konnte der Ex-Profi die Anhänger damit nicht.
Nun äußerte Polanski Verständnis für die Fans: "Das ist freie Meinungsäußerung. Die Fans haben das Recht, so ein Plakat aufzuhängen", sagte Polanski nach dem Spiel. "Deshalb muss Rocco ein Stück weit damit leben. Es ist alles im Rahmen. Ich habe nichts gesehen, was ich verwerflich finde." Während der Anfangsphase begleiteten die Fans die Aktionen ihres Kapitäns mit Trillerpfeifen. Reitz gehörte trotz der Störgeräusche zu den stärksten Spielern auf dem Platz.
RB Leipzig ist bei vielen Anhängern als "Brauseklub" verschrien. Das Konstrukt wurde mit Hunderten Millionen Euro aus der Kasse des Brausekonzerns Red Bull aus dem Boden gestampft und gilt vielen als reines Marketingvehikel.
"Verzichtet auf Bier und Wurst"
Schon vor dem Spiel hatte die Fanvereinigung von Borussia Mönchengladbach zu einer anderen Form des Protests aufgerufen: "Verzichtet ausnahmsweise auf das Bier und die Wurst im Stadion", appellierte das Fanprojekt des Traditionsklubs. Jeder Cent, der in die Kassen von RB gespült werde, sei "kontraproduktiv".
Für Gladbach ging es in Leipzig um wichtige Punkte im Kampf um den Klassenerhalt, durch den späten Treffer von Yan Diomande (81. Minute) fahren Reitz und Co. allerdings mit leeren Händen nach Hause. Durch die Niederlage verpasste das Team zum wiederholten Male den vielleicht entscheidenden Befreiungsschlag: Gegen die direkten Konkurrenten 1.FC Köln (3:3) und Heidenheim (2:2) reichte es zuletzt nur zu zwei Punkten.