Fußball

Der bittere Fall des Xabi AlonsoGnadenloses Monster Real Madrid verschlingt den Supertrainer

12.01.2026, 19:42 Uhr
imageEin Kommentar von David Bedürftig
Xabi-Alonso-ist-nicht-mehr-Trainer-von-Real-Madrid
Xabi Alonso ist nicht mehr Trainer von Real Madrid. (Foto: Pablo Garcia/AP/dpa)

In Leverkusen war er der Supertrainer, bei Real muss Xabi Alonso nach nur einem halben Jahr einen tiefen Fall verkraften. Das madrilenische Monster ist zu gefräßig, dahinter steckt ein mächtiger Präsident - und eine Falle.

Xabi Alonso wusste natürlich, worauf er sich einließ. Vorbei war es im vergangenen Sommer mit Ruhe und Eintracht. Mit der Leverkusener Beschaulichkeit. Dort, wo er für das Double 2023/24 bis in alle Ewigkeiten vergöttert werden wird. Dort, wo er für immer der Supertrainer bleiben wird.

Dann aber hieß es: Adios Bayer, hola Real. In Madrid sollte der Trainer endlich wieder an die großen Triumph-Jahre anknüpfen, als die Königlichen Champions-League-Titel in Serie sammelten. Nun scheitert Alonso krachend, nachdem er am Vortag das Supercopa-Finale gegen den FC Barcelona, den großen Konkurrenten, verloren hatte.

Alonso, der als langjähriger Real-Profi zur Legende in der spanischen Hauptstadt aufgestiegen war, kannte die Gefahren, die in Madrid in allen Ecken lauern, bestens. Er sah Trainer kommen und gehen. Nun muss er selbst seinen Platz räumen, denn das Monster Real Madrid hat mal wieder zugeschlagen und auch den 44-Jährigen gnadenlos verschlungen.

Alonso zerschellt an Pérez

Alonso war klar, dass in Madrid nur Titel und große Siege zählen. Mehr noch als bei jedem anderen Verein auf der Welt. Besonders bitter: So wenig Zeit wie Alonso bekam kaum einer. Aber schon manch Real-Trainer musste gehen, weil er "nur" die heimische Liga, jedoch nicht die Champions League gewann.

Oder weil er nicht auf die Unterstützung von Florentino Pérez bauen konnte. Der allmächtige Präsident soll sich zuletzt enttäuscht gezeigt haben in Bezug auf die Leistung einiger Spieler, deren Potenzial er unter Alonso nicht ausgeschöpft sah, und die taktische Entwicklung der Mannschaft.

Alonso wollte mit seinem modernen Ansatz Dinge bei Real verändern. Im Verein, in der Art des Umgangs von Trainer und Spielern und auf dem Platz. Eine kleine Revolution. Dem langjährigen Klub-Boss Pérez gefallen aber weniger interventionistische Trainer wie Carlo Ancelotti oder Zinédine Zidane, die ihm nicht seine Macht streitig machen, und er sträubte sich. So sehr, dass Alonso nun gehen muss.

Brutales Monster, immenser Druck

Selbstredend macht Pérez nichts so wütend wie Pleiten gegen den FC Barcelona. So wie die am Sonntagabend, die Alonso nun zum Verhängnis wurde. Auf welch dünnem Eis ein Real-Trainer sich bewegt, zeigt, dass es ausgerechnet Alonsos Mannschaft war, die im Oktober endlich wieder einmal Barça besiegt hatte, nachdem es in der Saison zuvor unter Carlo Ancelotti vier teilweise heftige Niederlagen in Folge gegen den Rivalen gesetzt hatte.

Das madrilenische Monster ist brutal und erbarmungslos.

Zusätzlich zu diesem immensen Druck muss sich jeder Real-Trainer mit mehr Trubel und nervtötenden Nebenkriegsschauplätzen auseinandersetzen als sonst irgendwo auf der Welt. Auch das wusste Alonso. Dennoch tappte er in die Falle, die in seinem Fall Vinicius Junior hieß.

Zu wenig Zeit für Alonso

Der Superstürmer soll Pérez mitgeteilt haben, dass er seinen Vertrag nicht verlängern möchte, solange Alonso noch im Amt sei. Der Brasilianer hatte ein angeknackstes Verhältnis mit dem Trainer, stürmte etwa bei seiner Auswechslung im Clásico im Herbst fuchsteufelswild und ohne Worte oder Handschlag in die Kabine.

Der versprochene Rock'n'Roll-Fußball blieb meistens aus. Alonso scheiterte auch, weil es ihm nicht gelang, Madrids Probleme auszumerzen, die die Königlichen bereits im vergangenen Jahr begleiteten: eine verletzungsanfällige Abwehr, mangelnde Disziplin in der Mannschaft und vor allem Superstars, die sich nicht konsequent genug für das Kollektiv engagieren.

War sein Plan zu ambitioniert? Die letzten beiden Punkte mögen noch von der laxen Herangehensweise der Vorgänger Ancelotti und Zidane stammen und eine Veränderung benötigt Zeit. Doch dem Monster Real Madrid ist das egal. Es frisst, wer auch immer gerade auf dem Trainerstuhl sitzt. Xabi Alonso wusste das.

Quelle: ntv.de

Xabi AlonsoReal MadridLa Liga